Ein Bett im Spielfeld

100 Betten sind bereits aufgestellt, weitere 100 folgen am Dienstag. Regierungspräsident Axel Bartel (Mitte) besichtigte am Montag die "Notunterkunft Mehrzweckhalle". Mit dabei (von links): Sozialdezernent Hermann Hubmann, Bürgermeister Lothar Höher, OB Kurt Seggewiß und Einsatzleiter Maximilian Landgraf. Bild: Götz

Die Mehrzweckhalle ist bereit. Ab Dienstag dient sie einem neuen Zweck: als Quartier für bis zu 200 Flüchtlinge. Am Vorabend des Umzugs sieht sich der Regierungspräsident dort um. Sein Urteil: "Es ist warm. Es ist sauber. Es ist eine Notunterkunft."

Drinnen heften die Helfer die letzten Schilder an die Wand. "Rauchen verboten", Wegweiser zur Essensausgabe im Jugendraum und zu den Toiletten. Auf den Sportfeldern stehen 100 spartanische Feldbetten, genügend für die Flüchtlinge, die am Dienstag von der Berufsschulturnhalle in die Mehrzweckhalle umziehen. Ihre Betten in der Turnhalle werden gereinigt, desinfiziert und ebenfalls an den Langen Steg verfrachtet. Bereits am Mittwoch oder am Donnerstag erwartet die Stadt weitere Flüchtlingsbusse. Dann ist die Halle voll belegt.

"Wir sehen sie nicht als Dauerlösung, sondern als vorübergehende Notlösung", bekräftigt Axel Bartelt. "Wir wissen, das ist mit Einschnitten für die Bevölkerung verbunden. Sie sollen so kurzzeitig wie möglich ausfallen." Bei Sozialdezernent Hermann Hubmann und Einsatzleiter Maximilian Landgraf erkundigt sich der neue Regierungspräsident am Montagabend aber auch schon danach, ob die Halle "im Notfall" auch mehr als 200 Bewohner aufnehmen könnte. Sie kann.

"Die schönste Stadt"

Erst die Stadtführung, die OB Kurt Seggewiß dem Gast aus Regensburg am Montag spendierte, dann die Hallenführung. Bartelt plaudert ausgiebig mit den Helfern. Unter anderem Dolmetscher Mohamad Elmoghtabi, den er bittet: "Sie müssen Ihren Landsleuten gleich sagen: Weiden ist die schönste Stadt in der Oberpfalz." Martina Komm, welche die Neuankömmlinge registriert. Jeanette Jaeckel vom Netzwerk Asyl. Sie sortiert gebrauchte Sachen in der Kleiderkammer. Fehlt noch was? "Vor allem Spielsachen für Kinder: Bälle, Buntstifte, Blöcke, Bobbycars. Windeln. Bekleidung für kleinere Männer. Männerschuhe in jeder Größe. Und natürlich Wintersachen." Abzuliefern bitteschön beim BRK.

Der Besucher lobt viel und gerne. Vor allem Ehrenamtliche wie Jaeckel, die sich um die Flüchtlinge kümmern. "Ohne sie hätten wir die Situation gar nicht bewältigen können." Hilfsbereitschaft wird es auch künftig brauchen. Wie Bartelt vorrechnet, hat die Stadt bisher 325 Asylbewerber untergebracht - nebst 100 unbegleiteten Minderjährigen. Bis Ende des Jahres würden 110 zusätzliche Plätze für eine "Anschlussunterbringung" benötigt. Mit Camp Pitman sei man "auf einem guten Weg".

Der Regierungspräsident beteuert, für eine gerechte Verteilung der Asylbewerber einzutreten. "Alle Landkreise und kreisfreien Städte müssen aufrüsten - und tun das auch. Das kann man nur solidarisch und gemeinsam lösen." In einem Brief bat er jüngst auch alle Gemeinden über 1000 Einwohner, sich zu beteiligen - ein Drittel halte sich da noch zurück. Die "Notunterkunft Mehrzweckhalle" hat Bartels Segen. "Für den Winter muss es reichen." 2016 könnte - falls die Pläne der Stadt aufgehen - der nächste große Umzug anstehen: in eine dann neu errichtete Halle.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.