Ein Bürgermeister zum Anfassen

Der Neustädter Bürgermeister Rupert Troppmann (Vierter von links) sprach auf Einladung des Vorsitzenden Kurt Haas (Siebter von links) bei der Weidener Mittelstandsunion. Bild: Kunz

Das Rathaus ist mehr als ein Gebäude, sagt der Neustädter Bürgermeister Rupert Troppmann. "Dort brauchen wir Beschäftigte, die gern für die Stadt arbeiten." Dann könne die Stadt auch innovativ sein, was Ideen anbelangt. Zum Beispiel mit einer Schultüte im Wert von 30 Euro für jeden Abc-Schützen.

In Neustadt kommt noch mehr in die Tüte. Bei der Weidener Mittelstandsunion im Hotel zur Heimat verrät der Bürgermeister auch was: Ein Schwimmkurs. "Allein damit haben wir der Wasserwacht einen Mitgliederzuwachs beschert." Troppmann: "So etwas kann sich eine jede Kommune leisten. Wenn nicht, dann kann sie ohnehin aufhören."

Der Neustädter Bürgermeister war vom Vorsitzenden der Mittelstandsunion, Kurt Haas, eingeladen worden. Mit dabei auch der CSU-Kreisvorsitzende Stephan Gollwitzer, der seine Nähe zur Wirtschaft bekundete. "Der Mittelstand liegt mir sehr am Herzen.

"Wenn einem seine Arbeit Freude macht, dann ist man Dienstleister, ohne dass man darüber groß nachdenken muss", betonte Troppmann. Gleichzeitig wies er auch auf das gute Einvernehmen im Stadtrat der 5800-Einwohner-Kommune hin.

Er tue alles, um Anreize für Familien zu schaffen. Damit sie in der Stadt blieben und nicht fortzögen. "Wir haben viel in Schulen und Kindergartenplätze investiert." Das Wohl und Wehe einer Verwaltung hänge viel davon ab, wie der Chef die Arbeit umsetze, sagte Troppmann. "Jeder Bürgermeister muss seinen eigenen Stil finden." Er, so glaubt Troppmann, habe den richtigen gefunden. Er betrachte sich als ein Bürgermeister zum Anfassen, der sich nicht nur bei offiziellen Anlässen blicken lasse. Im Gegenteil: "Ich gehe zu Fuß zur Arbeit oder fahr mit dem Rad. Auf diese Weise habe ich direkten Kontakt zu den Leuten, die mich auf diesem Weg kritisieren können, aber durchaus auch loben." Ein Teil seiner führenden Mitarbeiter täten es ihm gleich.

Ein wichtiger Bestandteil im kommunalen Leben sei die Vereinslandschaft. Den Ehrenamtlichen müsse man viel Wertschätzung entgegenbringen. Schon als Wirtschaftsförderer habe er, wie damals sein Weidener Kollege Joachim Strehl auch, erkannt, dass man sich um zwar um neue Dinge kümmern müsse, aber die Bestandspflege niemals aufgeben dürfe.

"Konkurrenzdenken und Kirchturmpolitik sind zwei Paar Stiefel." Natürlich könne man die Stadt Weiden und Neustadt nicht vergleichen, stellte Troppmann klar. In der Neustädter Stadtverwaltung arbeiteten zwölf Vollzeitkräfte bei einem Umsatz von zehn Millionen Euro. "Unsere Mitarbeiter sind Allrounder. Ich hasse die Zuständigkeitsfetischisten." Wenn der Mitarbeiter im Büro sei, werde der Bürger auch bedient. Solche Kleinigkeiten kosteten nichts. Und der Bürger fühle sich gut aufgehoben.

Natürlich gebe es auch beratungsresistente Bürger. "Und in solchen Fällen muss ich als Bürgermeister hinter meinen Leuten stehen." Eine Behörde sei kein Mittelstandsbetrieb. "Wir sind eine öffentliche Verwaltung." Kuhhandel ausgeschlossen. "Wir sind an die Gebührenordnung gebunden und können keine Rabatte geben."

Die EDV spare viel Arbeit und Ärger mit dem Bürger. Allerdings könne er nicht unterschreiben, dass eine Verwaltung nur deshalb innovativ sei, weil sie einen Computer habe.

Kurt Haas stellte am ende etwas verschnupft fest: "Die Leiterin der Wirtschaftsabteilung hat sich außer stande gesehen, diese Veranstaltung auf die Homepage der Stadt Weiden zu stellen."
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