Ein Dutzend Alternativen

Und plötzlich entdecken die Weidener den Wert der Mehrzweckhalle. Ihr Vereinsleben bricht angeblich zusammen, wenn die Halle mit Asylbewerbern belegt ist. Auch deshalb gehen die Bürgermeister Jens Meyer und Lothar Höher auf die Suche nach Alternativen.

Weiden. (wd) Erst zum 3. November muss die Stadt für den Winter-Notfallplan der Regierung melden, wo in Weiden 200 bis 300 Asylbewerber einquartiert werden können. "Es muss nicht die Mehrzweckhalle sein", stellt Regierungssprecher Joseph Karl fest. Und zugleich unterstreicht er, dass "nach absehbarer Lage" in Weiden auch keine Erstaufnahmestelle für Asylbewerber eingerichtet werden muss. "Es geht in unserem Notfallplan um winterfeste Unterkünfte für fünf bis sechs Wochen. Und danach natürlich um normale Unterbringungsmöglichkeiten. Die Stadt Weiden hat uns bisher schon immer geholfen."

Noch nichts absagen

Nachdem er sich einen Überblick - auch im Gespräch mit Regierungsvizepräsident Walter Jonas - verschafft hatte, erklärte Bürgermeister Jens Meyer, dass er die Lage "derzeit nicht so dramatisch" sehe. Die Stadt müsse sich vorbereiten. "Ich würde nicht jetzt schon Veranstaltungen in der Mehrzweckhalle absagen. Wir sind im intensiven Dialog mit vielen Bürgern." Übers Wochenende seien ihm über ein Dutzend Objekte als Alternative genannt worden. "Die Verwaltung arbeitet mit Hochdruck daran, diese Gebäude auf Eignung und Machbarkeit zu überprüfen. Wir alle arbeiten an Alternativlösungen. Die Umnutzung der Mehrzweckhalle ist die letzte Option." Die Stadt nehme unter 0961/816501 bis zum 30. Oktober weitere Vorschläge entgegen.

Bayern wolle "für den schlimmsten Fall, wenn wir in der Flut der ankommenden Asylberwerber zu ertrinken drohen, gerüstet sein", begründet Joseph Karl den Notfallplan. "Jeder von uns hofft, dass dieser Tag X nie kommt. Wir wollen uns nicht überraschen lassen, müssen also planen, was eigentlich nicht planbar ist", verdeutlicht der Regensburger Regierungssprecher die schwierige Situation. "Keiner, der sich heute in Syrien auf den Weg macht, teilt uns mit, dass er in drei Wochen bei uns vor der Tür steht."

Kapazitäten geschaffen

Auch die Regierung wartet noch auf den seit Wochen angekündigten Ansturm der Asylbewerber. In Regensburg sei in der Turnhalle der Clermont-Ferrand-Mittelschule ein Erstaufnahmelager für 100 Personen eingerichtet worden. Hier blieben die Menschen meist nur zwei Tage. Von den bisher angereisten 280 Asylberwerbern sei über die Hälfte in andere Bundesländer weitergeleitet worden. Noch vor Weihnachten soll das Erstaufnahmelager in der Pionierkaserne (200 Plätze) und Ende 2015 die große Einrichtung in der Bajuwaren-Kaserne mit mindestens 500 Plätzen einsatzfähig sein. "Das macht eine Erstaufnahmestelle in Weiden überflüssig." Allerdings blieben Wohnplätze dringend gesucht.

"Wenn Asylbewerber zu uns kommen, werden sie nicht auf der Straße schlafen müssen", betont CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch. Allerdings sei die Umnutzung der Mehrzweckhalle "keine so kluge Idee."
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