Ein Gefühl für Sicherheit

Sie waren ein "sehr aufmerksames, nachfragefreudiges Publikum": die Teilnehmer von "SenSiwen". Dafür dankten jede Menge Ehrengäste, allen voran Wolfgang Franz (hinten von rechts, stellvertretender Leiter der Bundespolizeiinspektion) und Klaus Müller (Leiter der Polizeiinspektion Weiden), BRK-Ausbilder Gerd Kincl und ILS-Chef Herbert Putzer (hinten, 3. und 4. von links) sowie Dieter Henl, Vorsitzender der Feuerwehr Weiden. Bild: ca

"Da isser ja, der Lump", grüßt Seniorin Johanna Meier fröhlich den Bundespolizisten Hans Miesbeck im großen Sitzungssaal des Rathauses. Der ist immerhin Pressesprecher seiner Inspektion. Johanna Meier kennt ihn in einer anderen Rolle: als Flegel, der am Busbahnhof jungen Frauen auf die Pelle rückt.

(ca) Miesbeck war nur ausnahmsweise aufdringlich. Und auch nur für den guten Zweck. Der Polizist war Teil eines Rollenspiels, bei dem Senioren aus Weiden und dem Umland das richtige Verhalten in brenzligen Situationen üben sollten. "SenSiwen" nennt sich das Erfolgsprogramm, mit dem seit drei Jahren Landes- und Bundespolizei einen Riesenrenner am Laufen haben: "Senioren Sicherheit Weiden".

Präventionsbeamter Willi Fritz, wohl Weidens bekanntester "Grüner", arbeitet dabei Seite an Seite mit den Kollegen in Blau: Franz Völkl und Markus Frischholz von der Bundespolizei Waidhaus bzw. Bahnhof. Für das Gemeinschaftsprojekt holten sie sich den Verkehrssachbearbeiter der PI sowie Referenten von Kripo, Feuerwehr und Rotem Kreuz ins Boot. Unterstützt wurde die Aktion durch das Maria-Seltmann-Haus und den städtischen Seniorenbeauftragten Alfons Heidingsfelder - daher die Abschlussveranstaltung am Montag im Neuen Rathaus.

Nicht falsch verstehen: Um die Sicherheit in Weiden war und ist es gut bestellt. Auch wenn, so OB Kurt Seggewiß, seit diesem Jahr "ein paar Fremde mehr unterwegs sind". Polizeichef Klaus Müller pflichtet bei: Selbst bei den Einbrüchen - derzeit gefürchtetes Delikt - liegt die Steigerung zum vergleichbaren Vorjahreszeitraum bei einem Fall. Von 25 auf 26. Sinn von "SenSiwen" ist also auch, "die Sicherheit, die da ist, auch wahrzunehmen", so OB Seggewiß.

Sieben auf einen Streich

Und Spaß haben die sieben Module auch noch gemacht. So viel Spaß, dass drei Senioren alle sieben Tage mit von der Partie waren: Johanna Meier, Christa Haroon und Hermann Hennig. Sie freuten sich über Extra-Geschenke wie Candle-Light-Dinner, WTW-Karte und Hubi-Flug. Alle anderen 45 Teilnehmer bekamen Urkunden.

Jedes Modul dauert 90 Minuten und kann auch einzeln "gebucht" werden. Heuer gab es Vorträge im Maria-Seltmann-Haus, beispielsweise über Einbruchsprävention und "Senioren im Verkehr". Aber auch Workshops in "freier Wildbahn": am Bahnhof und am ZOB, in Zug und Bus, unterstützt von Verkehrswacht und Firma Wies. Die Teilnehmer lernten, Gefahren zu erkennen und überlegt zu handeln. Sie sollten Hilfe leisten und Zivilcourage zeigen, ohne sich selbst zu gefährden - wie im Fall des "Flegels" Miesbeck. Ein Höhepunkt war der Besuch der Integrierten Leitstelle.

"SenSiwen" - und jetzt? Polizeidirektor Müller hatte eine ganz praktische Bitte an die geschulten Senioren. Alles, was sie dazu bräuchten, wäre ein Handy und die Zeitung. Sollten sie verdächtige Wahrnehmungen machen - etwa ein Auto beobachten - schade ein Schnappschuss nicht. "Und wenn Sie dann am nächsten Tag im Neuen Tag lesen, dass in Ihrer Nähe ein Kellerabteil aufgebrochen worden ist, dann rufen Sie uns an." Für die Polizei könne das eine "Superausgangslage" bedeuten.

Neue Ideen, neue Tricks

Im nächsten Jahr lohnt die Teilnahme an der neuen "SenSiwen"-Serie wieder. Fritz verspricht "neue Ideen". Johanna Meier wird wohl wieder dabei sein. "Die Betrüger haben ja auch immer neue Tricks."
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