Ein Glanzlicht zum Abschluss

Bei seinem Auftritt für den Förderkreis für Kirchenmusik St. Josef überzeugte der "Weidener Kammerchor" eineinhalb Stunden lang. Bild: Kunz

Weihnachten ist vorbei - und erklingt doch noch einmal unerhört schön: In der Josefskirche bot der "Weidener Kammerchor" mehr als einen Nachhall zum Fest. Viel mehr.

Mal angenommen, man könnte sich den Chor aussuchen, mit dem man sich gemeinsam vom Glanz der Weihnachtszeit verabschieden möchte. Klar, dieser Klangkörper müsste die bekannten Lieder singen, die man selber gerne unterm Christbaum hört. Er müsste aber auch in der Lage sein, wunderbare musikalische und intensiv bearbeitete Glanzlichter zu setzen. Kurzum: Der "Weidener Kammerchor" wäre eine erste Wahl.

Das mag sich auch der Förderkreis für Kirchenmusik St. Josef am Dreikönigstag gedacht haben. Die immer noch weihnachtlich geschmückte Kirche, die beiden mächtigen Christbäume im Altarraum und der reichlich besetzte gemischte Chor im Vordergrund waren so recht dazu angetan, sich die Vergangenheit des Christfestes ein allerletztes Mal so richtig ins Bewusstsein zu rufen.

Erfrischende Auswahl

Die Auswahl der Lieder erfrischte die im Vorlauf der staaden Zeit vielleicht etwas abgestumpften Ohren. Das machte die eineinhalb Stunden so hörenswert. Um die Spannungskurve hoch zu halten, hatte Chorleiter Peter Pollinger die in Passau geborene Organistin Ruth Spitzenberger als ergänzendes Schmuckstück engagiert. Sie begann das Konzert mit Präludium, Fuge und Ciaocona in C-Dur von Dietrich Buxtehude.

Schon beim folgenden "Freude, Freude, große Freude" von dem im 17. Jahrhundert lebenden Andreas Hammerschmidt oder dem "Verbum caro factum est" von Hans Leo Hassler konnte der Chor seine Tugenden zeigen - etwa dynamische Vielfalt und hervorragende Intonationssicherheit. Unter dem Dirigat von Pollinger arbeiteten die Sängerinnen und Sänger auch bei Gottfried Woilkters "Maria durch den Dornwald ging" oder bei der schottischen "Rorate coeli desuper" deutlich die Werkstrukturen der Tonsetzer heraus.

Aus der Feder Max Regers stammte "Unser lieben Frauen Traum" aus den acht Geistlichen Gesängen Opus 138. Es folgten die vielschichtigen Harmonien des "Laudate Dominum" von Franz Kastt und das zarte österreichische "Still, still, still". Dazwischen spielte Ruth Spitzenberger anrührende Vertonungen der Bach-Sonate F-Dur oder "Ave Maris stella" aus der Tonwerkstatt Nicolas de Grigniys.

Schlicht und intensiv

Jeder Vortrag geriet zum Erlebnis, vom zarten Ton der Kopfstimmen bis zum gewaltigen Stimmvolumen der Bässe. Lieder, die in schlichter Klarheit interpretiert wurden, aber auch in intensiver Dichte. Wunderschön die Improvisationsvielfalt bei der Pastorale "Gesu Bambino". Romantisch und sensibel Franz Biebls "Ave Maria" oder "Lux aurumque" von Whiteacre. Zum Finale sang der Chor das prächtige "Adeste fideles", um sich dann mit Wolfram Buchenbergs "Stille Nacht, heilige Nacht" mit einer Solistin auf der Kanzel und einem sanften Hauch von Chorgesang zu verabschieden. Der begeisterte Beifall der Zuhörer war der Dank.
Weitere Beiträge zu den Themen: Januar 2015 (7958)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.