"Ein guter Ort"

Weiden, Mode und Stil, passt das wirklich zusammen? Aber ja doch, meint Andreas Moller, hier vor seinem Laden in der Postgasse. Und die Nachfrage gibt ihm recht: Der Maßschneider bekommt Aufmerksamkeit weit über die Grenzen der Region hinaus. Repro: ske

"Der Weidener überzeugt durch sein Tun, nicht durch große Worte", sagt Andreas Moller. In seinem Fall muss man aber ergänzen: Maßschneider Moller überzeugt auch noch durch Geschmack. Und damit hat er sich einen Namen gemacht - längst nicht nur in Weiden.

Andreas Moller ist beides: Weidener und weit gereist. Er wuchs in der Mooslohe auf, wo er auch heute wieder zu Hause ist. Aber auch in Städten wie München oder London lebte er, verbrachte dort einige Berufsjahre. Moller ist in vierter Generation Maßschneider in Weiden, betreibt gemeinsam mit Grafikdesignerin Manuela Schläger in Weiden den "bespoke shop", in dem sie Handwerkskunst mit Individualität und Exklusivität verbinden.

Sie stammen aus einer Schneider-Familie, wollten Sie in Weiden bleiben?

Moller: Die Geschichte der Schneiderfamilie Moller reicht in Weiden bis 1882 zurück, 2005 übernahm ich den Handwerksbetrieb von meinem Vater. Mein Handwerk lernte ich zuvor von der Pike auf. Erst in der Meisterschule für Mode in München, dann zog ich in die Modemetropole London, arbeitete dort für die "Queen of Punk", Vivienne Westwood. Später wechselte ich in die legendäre Savile Row zu Ozwald Boateng, dem Schneider der neuen Generation.

Und dann zog es Sie wieder nach Weiden?

Moller: Ich kam 2005 zurück. Hier konnte ich meinen Traum von der Selbstständigkeit in die Wirklichkeit umsetzen, konnte auch an die Erfahrungen meines Vaters anknüpfen. Dieser war ursprünglich nicht einverstanden damit, dass ich das traditionelle Familien-Handwerk als Beruf auswählte. Anfangs war es nicht einfach, meine Ideen hier umzusetzen, aber jetzt hat es sich erwiesen, dass Weiden sehr wohl ein guter Ort für mein Handwerk ist. Zumal ich Kontakte zu Kunden weit über die Region hinaus habe, diese Kontakte pflege ich und baue sie beständig aus.

Ihre Arbeit ist sehr exklusiv, sind die Weidener die richtigen Kunden für Sie?

Moller: Nachfrage gibt es überall, es braucht ein entsprechendes Bewusstsein. In der Region gibt es internationale Firmen, deren Mitarbeiter meine Arbeit schätzen, sich entsprechend kleiden wollen. Die Region ist nicht zu unterschätzen. Aber man muss natürlich mobil bleiben und Kontakte pflegen. Weiden ist ein guter Dreh- und Ausgangspunkt, die Lage ist sehr gut. Auch gibt es hier hervorragende Mitarbeiter, die meine Ideen mittragen. Sie sind gut ausgebildet und brennen für ihre Arbeit. Es ist auch ein Vorteil für mich, dass ich die Strukturen vor Ort gut kenne.

Sie sagen, die Menschen hier brennen für ihre Arbeit. Ist dies typisch für den Weidener, den Oberpfälzer?

Moller: Der Oberpfälzer ist ein ganz besonderer Menschenschlag. Die Menschen sind bescheiden, machen aber oft unglaubliche Sachen, sind hervorragende Handwerker und Geschäftsleute. Sie sagen nicht viel, sondern machen ihr Ding. Sie sind eher zurückhalten, nicht vordergründig, machen nicht viel Aufhebens um sich. Die Weidener schätzen eine ehrliche Atmosphäre, ohne Show, ohne Schnickschnack. Sie sind wie auch ihre Sprache: Hart, aber herzlich.

Sind Sie demnach auch ein typischer Weidener?

Moller: Ich denke schon. Ich bin wohl auch eher ein bescheidener Mensch, stehe nicht gerne im Vordergrund. Ich möchte lieber durch meine Arbeit als durch mein Reden überzeugen.

Fühlen Sie sich wohl in Weiden?

Moller: Ich mag unser Stadtbild sehr, die Altstadt, die italienisch anmutende Atmosphäre. Bedauerlich finde ich so manche Bausünde der Vergangenheit, beispielsweise die Zerstörung des originalen AW-Geländes. Es ist jetzt ein unspezifisches, austauschbares Gewerbegebiet. Man hätte in Weiden vielleicht manch alten Bestand sanieren sollen anstatt ihn wegzureißen.

Was macht Weiden aus?

Moller: Die Stadt ist übersichtlich, gemütlich, liebenswert. Man schätzt sie vor allem, wenn man das kompliziertere Leben in einer Großstadt kennengelernt hat. Es dort geschafft zu haben, gibt auch Selbstvertrauen.
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