Ein Helm für Piraten

Piraten bereiten ihm Kopfzerbrechen: Stefan Mädl mit seinem "Road Pirate"-Helm aus der Serie "Broken Head". Der Weidener zahlte für Entwicklung und Markenschutz gutes Geld. Jetzt muss der 32-Jährige einen Piraten-Angriff aus Fernost abwehren: Im Internet werden Raubkopien des Helms angeboten. Bild: Gammanick

Wäre Captain Jack Sparrow ein Biker, er würde diesen Helm tragen. Den "Road Pirate" - eine Eigenkreation des Weideners Stefan Mädl. Auf die sind allerdings noch ganz andere Piraten scharf.

Richtig gefährlich sieht er aus. Schwarz und rot, übersät mit großen und kleinen Totenköpfen und Slogans wie "Today we ride in hell". Hölle auch, der Helm aus der Serie "Broken Head" ist eine der erfolgreichsten Eigenkreationen von Motorradbekleidung Mädl. "Road Pirate" hat der Weidener ihn getauft. Nicht ahnend, dass ganz andere Piraten ihre Enterhaken danach auswerfen würden. Produktpiraten.

Kopie im Internet entdeckt

Den "Road Pirate" bietet der 32-Jährige unter anderem bei Amazon und im eigenen Internet-Shop an. In der vergangenen Woche entdeckte Mädl seinen Enduro-Helm aber auch bei "AliExpress", einem großen chinesischen Online-Händler. Einige rote Teile sind schwarz, das Totenkopf-Design entspricht jedoch genau dem, das der 32-Jährige mit der Pressather Agentur "WebProjekt" entworfen hat. Eine dreiste Kopie: Die Dekor-Marke "Broken Head" (gebrochener Kopf) mutierte zu "Broken Skull" (gebrochener Schädel), aus "Road Pirate" wurde "Stip Pirate". "Offenbar ein Fehler", sagt Mädl und lächelt gequält. "Das soll wohl ,Street Pirate' heißen."

Dass sich die Produktpiraten bei den Designs großer Hersteller bedienen, war Stefan Mädl bewusst. "Aber bei einer relativ unbekannten Marke wie meiner?" Der "Road Pirate" war das zweite Projekt des Weideners mit den Pressather Werbegrafikern. Mädl ließ seine Designs schützen und den Helm im September 2014 hundertfach herstellen. In Taiwan. "Es gibt nur einen deutschen Hersteller", erklärt er. "Alle anderen lassen in Asien produzieren." Den asiatischen Auftragnehmer hat er jetzt in Verdacht, die Original-Pläne aus der Oberpfalz auch für die Raubkopien verwendet zu haben. "Dass der Helm erfolgreich ist, hat er wohl gemerkt."

Mädl, der Motorradbekleidung im Industriegebiet Am Forst und im Online-Shop vertreibt, drohte dem Partner mit Klage. Der Hersteller versicherte zunächst, sämtliche Kopien aufzukaufen. Wie viele bereits die Fabrik verlassen haben, ist für den Weidener nicht nachvollziehbar. Über die einschlägigen Internetseiten können aber auch Großhändler bestellen. Weltweit. Privatkunden sowieso. Preislich ist dabei gar nicht so viel Unterschied: Der Original-"Road Pirate" kostet im Einführungspreis 129 Euro, der "Stip Pirate" 109 Euro - Porto und Zollgebühren kommen allerdings noch drauf.

Der Weidener will vor allem verhindern, dass seine sehr spezielle Kreation zur billig kopierten Massenware verkommt. Natürlich hat er sich die Rechte an den "Road Pirate"-Designs sichern lassen. Was nützt das aber? "Mein Anwalt hat gesagt: Das Urheberrecht gilt weltweit. Wir kriegen problemlos einen Titel. Aber gehen Sie damit mal nach Taiwan oder China und versuchen Sie, Ihre Rechte einzufordern."
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