Ein Jahr nach der Strukturreform beim DGB: Helmut Fiedler und Christian Dietl ziehen eine ...
Immer mehr junge Arbeitnehmer bei Gewerkschaft

Arbeit in neuen Strukturen: Das ist kein Problem für DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Dietl (rechts) und Helmut Fiedler, zuständig für internationale Beziehungen im Vorstand des DGB Bayern. Bild: sbü
(sbü) Vor einem Jahr hat Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, Christian Dietl als Regionsgeschäftsführer für die Oberpfalz vorgestellt. Damit wurde die Strukturreform des DGB auch in dem Bezirk vollzogen. Sein Vorgänger Helmut Fiedler rückte in den bayrischen DGB-Vorstand auf und ist dort für internationale Beziehungen zuständig. Fiedler bleibt Vorsitzender des DGB-Stadtverbands Weiden. Unsere Zeitung hat mit den beiden Gewerkschaftsvertretern gesprochen.

Seit einem Jahr gibt es jetzt nur noch einen DGB-Bezirk für die gesamte Oberpfalz. War die Strukturreform ein Erfolg?

Dietl: Insgesamt gesehen ist die Strukturreform gelungen. Sie wurde 2010 beschlossen und war damals nicht unumstritten. Während in der nördlichen Oberpfalz schon seit 2002 funktionierende ehrenamtliche Stadt- und Kreisverbände bestanden haben, mussten diese im Süden erst neu gegründet werden. Jetzt sind wir dabei, auch diese mit Leben zu erfüllen.

Was sind die wesentlichen Unterschiede zur früheren Situation mit mehreren Regionsbezirken?

Fiedler: Der Regionsgeschäftsführer ist in der Hauptsache Koordinator. Er kann schon wegen der Größe des Bezirks nicht in dem Maße vor Ort präsent sein, wie es die früheren Regionsvorsitzenden waren. Das politische Mandat liegt bei den ehrenamtlichen Stadt- und Kreisverbänden. Auch die Zusammenarbeit mit den Einzelgewerkschaften muss schwerpunktmäßig dezentral erfolgen. Und die regionale Repräsentanz ist stark personenabhängig, da ist Koordination schon angesagt.

Wie hat sich in der Oberpfalz die Mitgliederzahl bei den DGB-Gewerkschaften entwickelt?

Dietl: Die Zeit des Mitgliederrückgangs der 80er und 90er Jahre ist vorbei. Wir schreiben bei unterschiedlichen Zahlen der Einzelgewerkschaften insgesamt eine schwarze Null. Besonders erfreulich ist, dass in den letzten Jahren vor allem junge Arbeitnehmer zu uns gestoßen sind.

Welches Thema steht derzeit im Mittelpunkt der Gewerkschaftsarbeit?

Fiedler: Politisch eindeutig der Mindestlohn. Wir haben noch viel Arbeit um dafür zu sorgen, dass er seine segensreichen Wirkungen entfalten kann. Nach wie vor gibt es die Tendenz ihn zu umgehen, zum Beispiel durch Wegfall der Sonn- und Feiertagszuschläge. Aber der Mindestlohn ist nur eine erste Hilfe. Große Sorgen bereitet, dass immer weniger Arbeitgeber der Tarifbindung unterliegen. Da wird ein wichtiges soziales Regulativ geschwächt.

Wie beurteilen Sie die Wirtschaftsentwicklung in der Oberpfalz?

Dietl: Generell gilt: Der Wirtschaft geht es gut, aber was nutzt dies den Menschen? Davon kommt vieles nicht bei den Leuten an. Eklatant ist auch das Nord-Süd-Gefälle. In Regensburg und seinem Umland explodieren zum Beispiel die Mietpreise. Im Norden muss Abwanderung verhindert werden. Dazu brauchen wir neben Akademikern verstärkt den klassisch ausgebildeten Facharbeiter.

Vor zehn Jahren trat die Hartz-IV-Reform in Kraft. Wie stehen Sie dazu?

Fiedler: Da habe ich zwei Seelen in meiner Brust. Grundsätzlich war es richtig, Sozialhilfeempfänger mit Mitteln der Arbeitsmarktpolitik zu betreuen. Leider ist beim Fordern und Fördern das Fördern zu kurz gekommen. Nicht die Jobcenter haben daran die Schuld, sondern starke Kürzung des für Fördermaßnahmen verfügbaren Eingliederungsbudgets. Da wird viel zu sehr an den Gesamtzahlen bemessen und nicht am Grad der Bedürftigkeit. Arbeitsministerin Nahles beginnt darüber nachzudenken. Und nach wie vor ist unter Arbeitnehmern die Angst verbreitet, rasch in dieses System zu fallen.
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