Ein Kampf auf Leben und Tod

Dieses Wohn- und Geschäftshaus in der Bachstraße in Pressath war im Mai Schauplatz eines blutigen Verbrechens. Bild: bk-media

Der Täter trat die Tür ein. Um 3 Uhr nachts. Die 25-jährige Mieterin schlief und erwachte von Geräuschen. Im Flur der Wohnung kam ihr der ehemalige US-Soldat aus ihrem Bad entgegen. Sie kannte ihn nicht, hatte ihn nie zuvor gesehen. Mit einem Metzgermesser stach der 29-Jährige die Frau nieder. So weit die Anklage.

(ca) Die Rede ist von zwei Dutzend "abgrenzbaren Stich- und Schnittverletzungen im Schädelbereich". Die Staatsanwaltschaft Weiden hat jetzt Anklage erhoben: Sie lautet auf versuchten Mord und versuchte Vergewaltigung. Als die 25-jährige Frau zu Boden gegangen war, soll der Angeschuldigte versucht haben, sie zu vergewaltigen. Sie wehrte sich heftig, es blieb beim Versuch. Am Ende setzte der ehemalige Soldat laut Staatsanwaltschaft an, ihr die Kehle zu durchschneiden. Auch das blieb beim Versuch.

Landgerichtssprecher Markus Fillinger bestätigte den Eingang der Anklageschrift von Oberstaatsanwalt Rainer Lehner. Und er zählt noch eine Reihe weiterer Delikte auf, die dem 29-Jährigen zur Last gelegt werden: Wohnungseinbruch, versuchter Diebstahl, Diebstahl in einem besonders schweren Fall.

Messer aus Metzgerei

Die Ermittlungen haben folgenden Ablauf der Tatnacht ergeben: Ted T. kam am frühen Samstagmorgen, 23. Mai, von einer Feier. Gegen 3 Uhr betrat er das unversperrte Wohn- und Geschäftshaus in der Pressather Ortsmitte. Zunächst ging er in den zweiten Stock hinauf, wo er sich angeblich nach Stehlenswertem umsehen wollte. Die Wohnung war leer geräumt, die Mieterin kurz zuvor ausgezogen. Der 29-Jährige ging daraufhin hinunter ins Erdgeschoss, wo eine Metzgerei eine Filiale betreibt. Er trat die Tür ein und sah sich im Laden um. Bargeld fand er nicht. Aber er nahm ein Messer mit. Klingenlänge: fast 20 Zentimeter. Mit diesem Messer in der Hand führte der Weg hinauf in den ersten Stock. Hier lebte seit kurzer Zeit eine 25-Jährige aus dem Landkreis Tirschenreuth. Wieder soll der Angeschuldigte auf Diebesgut aus gewesen sein, als er auch diese Tür eintrat.

Als die Mieterin im Flur auf ihn traf, soll er sie sofort mit dem Messer attackiert und ihr eine Vielzahl von Stichen am Kopf zugefügt haben. Es kam laut Staatsanwalt zur versuchten Vergewaltigung und dem gescheiterten Kehlenschnitt. Am Ende floh der Angreifer mit dem Handy der Frau.

Die 25-Jährige erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Sie schleppte sich auf die Straße, wo sie auf dem Gehweg zusammenbrach. Sie überlebte aufgrund der schnellen Hilfe durch Nachbarn. Für die Staatsanwaltschaft steht fest, dass die Frau aufgrund des massiven Blutverlusts innerhalb kurzer Zeit verblutet wäre.

Das Landgericht hat den Verfahrensbeteiligten die Anklage zugestellt. Die Anklageschrift ist für den Amerikaner übersetzt worden. Er stammt nach NT-Informationen aus Atlanta im Staat Georgia. Der Hobby-Basketballer ist Kriegsveteran. Er hat als Sergeant mehrere Einsätze im Irak und in Afghanistan absolviert, ehe es Ärger mit der Army gab und er "freiwillig" ausschied. Er blieb mit Frau und Kindern in Pressath. Der Polizeiinspektion Eschenbach war der Angeschuldigte durch eine Körperverletzung bekannt.

Bestrafung wie bei Mord

Sein Verteidiger Rechtsanwalt Tobias Konze (Weiden) hat jetzt drei Wochen Zeit, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Er könnte zum Beispiel weitere Beweiserhebungen beantragen. Nach Ablauf der Stellungnahmefrist entscheidet die Strafkammer des Landgerichts Weiden unter Vorsitz von Präsident Walter Leupold, ob die Anklage zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet wird. Dann vergehen in der Regel noch einmal rund acht Wochen bis zum Prozess.

Die Verhandlungen sind öffentlich. Das Gericht hat die Möglichkeit, Zeugen - wie etwa die Geschädigte - unter Ausschluss der Öffentlichkeit oder per Videoübertragung zu vernehmen. Auch die 25-Jährige lässt sich anwaltlich vertreten. Nebenklage ist beantragt, nur so besteht die Möglichkeit zur Akteneinsicht.

Das Strafgesetzbuch sieht für Mord und Mordversuch eine lebenslange Freiheitsstrafe vor. Ein Mordversuch kann milder bestraft werden als die vollendete Tat, allerdings müssten dafür Milderungsgründe vorliegen. Oberstaatsanwalt Lehner sieht mehrere Mordmerkmale als erfüllt an: Heimtücke, Grausamkeit, niedrige Beweggründe, Verdeckungsabsicht.
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