Ein Prosit auf die Lesekost

Der Roman "Die hellen Tage" zählt zu den Lieblingsbüchern von Dr. Günter Opel, der stets parallel zwei bis drei Bücher wälzt. Bild: Dobmeier

Was liest Weidens vermutlich bekanntester Polizist gern? Worin schmökert der Frühlings-Fest-Wirt? Und warum beschäftigt sich der Bürgermeister mit passivem Widerstand in der Hängematte? Wer Antworten will, liest den folgenden Text und erfährt dabei, warum er sich dazu getrost auch ein Bier gönnen könnte.

Buch oder Bier? Das eine muss das andere nicht ausschließen, findet Festwirt Gerhard Böckl : "Das eine für den Geist, das andere für den Körper ..." Das meinten die Erfinder des "Welttags des Buches" und des "Tags des deutschen Biers" vermutlich auch: Denn beides fällt auf den heutigen Donnerstag. Also ein Prosit auf gute Lesekost: Festwirt Gerhard Böckl empfiehlt die Reihe "Häuptling eigener Herd" von Starkoch Vincent Klink und Wiglaf Droste zu lesen - etwas andere Kochbücher. Der Stuttgarter Starkoch Klink setze auf gesunde Küche mit hochwertigen Zutaten aus der Region, trete unter anderem für ökologische Nachhaltigkeit und gegen Massentierhaltung ein. "Das beeindruckt mich."

Beim Hinweis auf den Tag des Bieres sprudelt es aus CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch gleich heraus: "Das ist das älteste Lebensmittel der Welt. Das Reinheitsgebot ist von 1516." Für die Antwort auf die Frage, welches Buch er anlässlich des zeitgleichen Welttag des Buches verschenken würde, muss der Stadtrat etwas länger überlegen. Denn seine aktuelle Lektüre eigne sich nicht. Gerade führt er sich die Abhandlung des Experten Dr. Holger Pump-Uhlmann über die Entwicklung der Innenstädte nach der Errichtung einer Shopping Mall zu Gemüte. Die Tagesordnungen des Stadtrats sowie die Vokabelhefte der Kinder - seine gewöhnliche Lektüre - böten sich auch nicht als Präsent an.

Der Horror-Schmöker "Es" von Stephen King (Kinder setzen sich gegen ein namenloses Monster zur Wehr, das Kinder in einer Kleinstadt tötet) aber könnte für nervenstarke Freunde ein gelungenes Mitbringsel sein. Das sei wegen der "Wahnsinnsspannung" eines von Pauschs Lieblingsbücher, das er mit "total positiven Erinnerungen" verknüpfe.

Polizist will Nervenkitzel

Beim Lesen nebenbei Lernen: "Das ist so mein Ding", verrät Willi Fritz . Nach der Lektüre der Dan-Brown-Thriller beispielsweise habe er das Gefühl, sämtliche europäische Großstädte zu kennen, alles über Sehenswürdigkeiten in Amerika zu wissen und bestens über die Inhalte verschiedenster Glaubensrichtungen informiert zu sein.

Seitenweise Nervenkitzel mag der Kontaktbeamte der Polizei Weiden beim Lesen obendrein nicht missen. Am Ende liegt dann wie aktuell Sebastian Fitzeks Psychothriller "23" auf Fritzs Nachtisch. "Das würde ich auch jederzeit verschenken."

"Ist allein schon das Liegen in einer Hängematte passiver Widerstand?" Dieser Frage geht gerade der Kriminalkommissar und Bürgermeister Jens Meyer bei der Lektüre der "Känguru-Chroniken - Ansichten eines vorlauten Beuteltiers" nach. "Das ist leichte Kost, ich weiß", sagt der SPD-Politiker, der sich - falls Zeit - auch vor großer Weltliteratur nicht scheut. Gerade aber outet er sich als Fan des Genres Männerroman a lá Tommy Jaud. Der Humor gefällt Meyer. Nur leider hat er schon alle Jaud-Werke durch. "So richtig geschmunzelt habe ich über ,Hummeldumm'."

Die Marc-Uwe Kling-Textsammlungen zu den Beuteltieren sei ihm als sehr gute Alternative empfohlen worden. Ob er sie auch verschenken würde? "Je nachdem. Das würde ich personenbezogen entscheiden", zeigt Meyer sich einfühlsam.

Sabine Guhl , Leiterin der Regionalbibliothek, würde wegen der gerade stattfindenden Literaturtage Michael Köhlmeiers Roman "Zwei Herren am Strand" verschenken. "Das ist eine Geschichte über Winston Churchill und Charlie Chaplin, die fiktiv, real und sehr gut geschrieben ist", schwärmt die Frau, die etwa zwischen 50 und 80 Bücher im Jahr liest und mit dieser Menge angeblich weit hinter der durchschnittlichen Bücherzahl, die viele "Regi"-Besucher pro Jahr verschlingen, zurückbleibt.

Bloß keine Tragik

Einen solchen Lese-Lauf hat Marlene Gomez-Islinger trainingsbedingt nie. Gerade gewann die 22-jährige Triathletin der DJK Weiden den Europacup im spanischen Melilla. Zurück in Passau studiert sie fleißig Medien und Kommunikation. Zur Lektüre von Krimis, ihr Lieblingsgenre, bleibt da wenig Zeit. "Dabei lese ich sehr gern. Im Leerlauf verschlinge ich Bücher." Leerlauf gebe es immer im Oktober. Da ist trainings- und vorlesungsfrei. Zeit für "De[n] Mann, der kein Mörder war: Die Fälle des Sebastian Bergman". Gomez-Islinger: "Ich liebe diesen Schwedenkrimi."

Den Welttag des Buches empfindet der Hausarzt und Sportmediziner Dr. Günter Opel , spontan als schönen Anlass, um ein Buch zu verschenken. Zum Beispiel eines, in dem es um Zirkuskinder, endlose Sommer und nackte Füße im hohen Gras geht: Den Roman "Die hellen Tage" von Zsuzsa Bánk würde Opel, der übrigens immer noch das einzige Mitglied Weidens im Verein zur Verzögerung der Zeit ist, als Mitbringsel auswählen. Zwei bis drei Bücher liest der Arzt in der Regel parallel. Je nach Laune schlage er wissenschaftliche oder belletristische Werke auf. Biografin liebt er obendrein. "Nur Tragik vermeide ich, wenn's geht." Ein Bier zum Buch ginge aber schon, Herr Doktor? "Ein Glaserl Wein würde ich bevorzugen."
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