Ein Weidener in Prag

Er repräsentiert Bayern in Prag. Was der Weidener Dr. Hannes Lachmann (links) als Leiter der bayerischen Vertretung in der tschechischen Hauptstadt macht, berichtete er bei einem Vortrag, dem unter anderem Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz und Bürgermeister Jens Meyer lauschten. Bild: sbü

Er kommt aus Weiden und dekoriert das "Schaufenster Bayerns in Prag". Der Begriff stammt von Ministerpräsident Horst Seehofer, als dieser im Dezember vergangenen Jahres die bayerische Vertretung in der Tschechischen Hauptstadt eröffnete. An ihrer Spitze steht der Weidener Dr. Hannes Lachmann, der seine Arbeit nun in seiner Heimatstadt vorstellte.

(sbü) Was die Zuhörer am meisten interessierte, kam erst in der längeren Fragerunde am Ende des Vortrags zum Ausdruck. Im Rahmen der Bayerisch-Böhmischen Kulturtage präsentierte Dr. Hannes Lachmann, Leiter der Vertretung Bayerns in Prag, zunächst seine Einrichtung. Obwohl seit der Eröffnung erst wenige Monate vergangen sind und in der Vertretung nur drei Vollzeitkräfte arbeiten, hat es dort schon zahlreiche Veranstaltungen gegeben. Neujahrsempfang, 300 Besucher und 50 Kooperationsgespräche zählte Lachmann mit auf.

Oktoberfest in Prag

Lang ist auch die Liste seiner Vorhaben. Sie beginnt bei der Abschlussveranstaltung der Bayerischen Woche in Pilsen vom 20. bis 26. April und enthält unter anderem ein Künstlertreffen, Film- und Theaterfestivals sowie ein Oktoberfest in Prag. Ziel der Vertretung sei hauptsächlich, "das bayerische Kultur-, Politik-, und Wirtschaftsleben der tschechischen Öffentlichkeit zu präsentieren".

Die Vertretung wolle Plattform für Beziehungen und Begegnungen und für die Zusammenarbeit tschechischer und deutscher Institutionen sein. Die Zuhörer interessierten sich besonders für grundsätzliche Themen. So fragte Dr. Ladislava Holubová vom Ost-Sprachinstitut der Hochschule, wie Lachmann darüber denke, dass "im Grenzbezirk Karlsbad nur 6 Prozent, im Grenzgebiet Pilsen nur 3 Prozent der tschechischen Schüler Deutsch als erste Fremdsprache lernen". Dazu ergänzte einer der Zuhörer: "Warum soll ein tschechischer Handwerker, der nach Deutschland pendeln kann, Englisch lernen?"

In seiner Antwort wies Lachmann auf Fortschritte in der Verbreitung der deutschen Sprache in Tschechien hin. "Die zweite Fremdsprache wurde wiederbelebt - und oft ist sie Deutsch." Lachmann empfahl auch, nicht zu sagen "ihr müsst Deutsch lernen", sondern dies eher der Entwicklung aus der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit zu überlassen.

Ein weiteres Thema betraf das Gesamtbild von Deutschland in der tschechischen Bevölkerung. Pauschal sei dies schwierig zu beschreiben, ähnlich wie das Bild von Tschechien in Deutschland, sagte der Referent. Er habe den Eindruck, "die Beziehungen vor allem mit Blick auf die Vergangenheit" hätten eine positive Entwicklung genommen. "Manche Themen sind nicht diskutabel, man respektiert unterschiedliche Auffassungen." Aus den tschechischen Medien sei eindeutig erkennbar, "das Bild der Deutschen wurde positiver". Einfacher hätte man es dabei, "wenn man als Bayer kommt".

Viele Wünsche

Auch zahlreiche Wünsche bekam Lachmann zu hören. Sie betreffen mehr deutschsprachige Beschriftungen oder Flyer in Tschechien, ein Kunstprojekt der Klöster Speinshart und Tepl und den Vorschlag, eine Ausstellung Weidener Porzellans in der Vertretung zu organisieren. Der Förderverein Silberhütte übergab zudem einen Brief, in dem um Unterstützung gebeten wurde, "dass die von uns gespurten Loipen auf tschechischer Seite nicht durch Holzabfuhren beschädigt werden". Unter dem Eindruck der Themen des Abends freute sich dann Bürgermeister Jens Meyer: "An der Spitze der bayrischen Repräsentanz in Tschechien steht ein Bürger unserer Stadt."
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