Ein zähes Ringen bei Gericht

Nach mehr als 20 Verhandlungstagen ist beim Prozess gegen die mutmaßliche Schleuserbande noch kein Ende abzusehen. Weitere sieben Termine bis 21. Mai sind angesetzt. Dabei wird es laut Landgerichtssprecher Markus Fillinger voraussichtlich nicht bleiben.

(rns) Den fünf Tschetschenen wird vorgeworfen, die Ausreise zahlreicher Landsleute über Polen nach Deutschland organisiert zu haben. Im Verfahren mit zwölf Verteidigern ging es an den drei Verhandlungstagen in den Osterferien in gewohnt zäher Weise weiter. Im Mittelpunkt des Interesses stehen nach wie vor abgehörte Telefongespräche. Die 1. Große Strafkammer mit Landgerichtspräsident Walter Leupold, Richter Matthias Bauer und Dr. Marco Heß hat nach Drohungen neue Übersetzer organisieren müssen, die nun nicht "live" übersetzen werden und deren Personalien geschützt werden.

Eindeutige Telefonate

Eine Polizistin sagte aus, dass sich aus diesen Telefonaten "eindeutig" ergeben habe, dass die Angeklagten Organisatoren von Schleusungen gewesen waren. Die Rechtsanwälte Dr. Gunter Haberl und Gabor Subai wollten wissen, ob sich die Übersetzer der Gespräche nicht an früheren Übersetzungen orientiert hätten.

Anwalt Dr. Jan Bockemühl hängte sich an den Aussagegenehmigungen von Polizisten auf. Ein 56-jähriger Beamter der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung München hatte daher am Donnerstag zum zweiten Mal anreisen müssen und legte die schriftlichen Aussagegenehmigungen vor.

Anwalt Haberl interessierte sich mehr dafür, wann und warum Telefonüberwachungen angeordnet wurden, als dafür, was dabei zutage kam. Ein Kommissar sagte aus, dass man durch Tipps von V-Leuten auf vermehrtes nächtliches Ankommen von Tschetschenen im Aufnahmelager Zirndorf aufmerksam geworden sei. In Waidhaus kam es in der Folge zu einem Aufgriff. Über das Handy eines Festgenommenen stieß man auf weitere Telefonnummern. Hier seien dann "schleusungsrelevante Sachverhalte" abgehört worden.

Auch Issa M., der älteste der Angeklagten, lieferte wieder einen Beitrag zur Erheiterung der Zuhörer im Gerichtssaal. Er beschwerte sich über "respektlose Behandlung", da ihm eine "neue Person" nicht vorgestellt worden sei: Staatsanwältin Susanne Pamler hatte am Gründonnerstag Gruppenleiter Christian Härtl vertreten.

Sachbearbeiter "gelöchert"

Am vergangenen Donnerstag sagten weitere drei Polizisten aus. Unter anderem musste ein Beamter aus München erneut anreisen, weil die Anwälte ein Polizei-Merkblatt über "Verhalten/Aussage vor Gericht" und eine Dienstvorschrift sehen wollten. Ein weiterer Sachbearbeiter wurde zu den Übersetzungsmodalitäten "gelöchert". Außerdem sagte ein Ermittler aus Nordrhein-Westfalen aus. Fortsetzung am Montag um 9 Uhr.
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