Ein Zeugnis aus der Hochgotik

Auf großes Interesse stieß das Projekt "Kirche & Wirtshaus mit Pfiff" in der simultanen Filialkirche in Götzendorf. Rund 100 Teilnehmer ließen sich in die Geschichte von St. Magdalena einweihen. Bilder: no (2)

Erst in die Kirche, dann ins Wirtshaus: Diese Reihe gibt es seit 2002. Und sie erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit - was die Veranstaltung in Götzendorf und Dietersberg belegte.

Die simultane St.-Magdalena-Filialkirche in Götzendorf war der Ausgangspunkt der zweiten Veranstaltung des Kulturprojekts "Kirche & Wirtshaus mit Pfiff". Nach dem Einblick in die Kirchengeschichte, die der zuständige evangelische Pfarrer von Illschwang den Teilnehmern vermittelte, ging es zum gemütlichen Teil ins Gasthaus Michl in Dietersberg.

Fast 100 Interessierte, darunter auch Illschwangs Bürgermeister Dieter Dehling, waren in die Filialkirche gekommen. Pfarrer Konrad Schornbaum vom Evangelischen Bildungswerk freute sich über diesen großen Zuspruch. Für die musikalischen Akzente bei dieser Veranstaltung sorgte Schanna Ibler mit drei Stücken auf der Heinssen-Orgel, einer der markanten Besonderheiten in St. Magdalena. Das Instrument stammt aus dem Jahr 1836 und hat seinen Namen von dem aus Regensburg stammenden Orgelbauer. Das historisch wertvolle Stück mit sechs Registern gehört zu den klingenden Denkmälern der Oberpfalz.

Auf dem Hauptaltarbild

Schornbaum erklärte, dass das Gotteshaus in Götzendorf von beiden Illschwanger Kirchengemeinden regelmäßig genutzt werde und auch über eine Route des Anfang Mai eingeweihten simultanen Kirchenradwegs zu erreichen sei. Pfarrer Thomas Schertel brachte den Zuhörern die geschichtliche Vergangenheit näher. Die Kirche ist der heiligen Magdalena geweiht, einer der drei Frauen unter den 14 Nothelfern. Die Kirchenpatronin gehörte zu den Frauen, die Jesus besonders nahe standen, führte er aus. Die Heilige ist auf dem Hauptaltarbild am Fuß des Kreuzes zu sehen.

Die Kirche entstand um 1300 und ist hochgotischen Ursprungs. Der mittelalterliche Taufstein und der Friedhof zeugen davon, dass es einst eigenständige Pfarrei war. 1323/24 wurde das Gotteshaus erstmals urkundlich erwähnt, seit 1687 ist es Filialkirche von Illschwang. Das Simultaneum wurde in Götzendorf 1653 eingeführt. 1734/35 erfolgte der barocke Neubau auf den gotischen Grundmauern. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche im spätbarocken Stil neu ausgestattet. Der katholische Pfarrer Edmund Dorfner aus Illschwang habe 1803 den Abriss der Filialkirche im Zuge der Säkularisation verhindert. 1987 wurde das Gotteshaus umfassend generalsaniert.

In der vierten Generation

Im Gasthaus Michl sprach Pfarrer Gerhard Schornbaum über die Wirtshaustradition in Dietersberg. Ursprünglich sei es eine reine Bierwirtschaft gewesen, in der sich die Dorfbewohner zum Feierabendbier trafen. 1982 entschlossen sich die Wirtsleute Rudi und Rita Michl zu einem Neubau. Das Gasthaus wird mittlerweile als Familienbetrieb in der vierten Generation geführt - von Tochter Daniela und deren Freund Thomas. 2013 wurde das Wirtshaus umfassend renoviert.
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