Ein Zwerg will hoch hinaus

Gerwin Eisenhauer kann nicht nur Musik. Mit "The Santaland Diaries" inszeniert er eine bitterböse Komödie als Einmann-Stück.

Zu David Sedaris anarchischer Anti-Weihnachtsgeschichte luden die "Lions Goldene Straße" ins ausverkaufte Bistrot Paris - natürlich für den guten Zweck. "If you can make it there, you make it everywhere", singt Frank Sinatra in seiner Hymne auf den Big Apple. Bis zum Gipfel ist es allerdings ein weiter Weg. Diese Erfahrung muss auch Toby (Tobias Ostermeier) machen, der aus Deutschland in die USA fliegt, um als Schauspieler groß rauszukommen.

Statt, wie er es sich erträumt, am Set von "How I met your Mother" zu landen, findet sich der bettelarme Mime in einem amerikanischen Alptraum wieder. Im Casting für die Rolle eines Weihnachtszwergs im Konsumtempel "Macy's". Nach einem beinharten Auswahlverfahren schafft er es schließlich in den "Recall" und bekommt die begehrte Rolle.

Ambitionierte Zwerge

Zusammen mit anderen ambitionierten Zwergen durchläuft er einen strengen Drill, muss sich von einem Trainer über das Megafon "motivieren" lassen: "Ihr seid nicht die Sklaven des Weihnachtsmanns." Er lernt, wie man politisch korrekt mit behinderten Kindern umgeht, studiert Gebärdensprache und wird in die Strukturen des Weihnachstwunderlandes eingeführt. Zusammen mit anderen Zwergen wie "Taschenluder" und "Grantl" durchläuft er die Stationen wie die "Oh-my-God-Area", die "Kotzcorner" oder den "Magic Tree" - kurz: Toby lernt nicht nur den ganz normalen Weihnachtswahnsinn der Staaten kennen, er wird ein Teil davon. Tobias Ostermeier erzählt seine Geschichte mit einer riesigen Extra-Portion Sarkasmus.

"The Santa Diaries" stammt aus der Feder von David Sedaris, der sich auch in Deutschland in der Übersetzung von Harry Rowohlt mit seinen aberwitzigen Stories eine große Fangemeinde erschrieben hat. Gerwin Eisenhauer, Vollblutmusiker mit Weidener Wurzeln, führt nicht nur die Regie, sondern hat das Stück eigenhändig aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt. Wer nicht die Gelegenheit hatte, das Stück zu sehen - ab dem 11. Dezember zeigt das Turmtheater in Regensburg die bissige Satire erneut.
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