Einfach mal ausprobieren

Noch rollen die Autos, noch stehen die Fußgänger. Im Sommer soll sich das Bild am Issy-les-Moulineaux-Platz wandeln. Dann startet die Stadt einen Testlauf zur durchgehenden Fußgängerzone. Bild: Steinbacher

Verkraftet Weiden eine durchgehende Fußgängerzone? Noch weiß das keiner. Mit knapper Mehrheit beschließt der Stadtrat, das Experiment einfach mal zu wagen. Es bleibt aber auch gar keine andere Wahl.

Für Alois Lukas (CSU) ist es "ein Irrsinn". Für Dr. Christian Deglmann (Bürgerliste) dagegen die große Chance, "die Innenstadt wesentlich attraktiver zu machen". So unterschiedlich sind die Meinungen zur durchgehenden Fußgängerzone. Und so knapp ist dann auch der Beschluss in der Stadtratssitzung am Montag: 22 Stadträte stimmen dafür, den "FuZo"-Lückenschluss rund um den Issy-les-Moulineaux zu erproben. 16 (vornehmlich aus Reihen der CSU) sind dagegen. Darunter Hans Sperrer (CSU), der befürchtet, mit dem provozierten Verkehrschaos vergraule die Stadt motorisierte Kunden. "Ich halte das tödlich für die Geschäfte der Innenstadt."

Aber auch Hildegard Burger (SPD) hat große Bedenken: weil die Sedan-/Dr.-Pfleger-Straße eine wichtige Nord-Süd-Verbindung sei (täglich 13 600 Fahrzeuge). Und die Stadtgalerie soll ja noch 5000 Autos mehr pro Tag in die City bringen. Droht der Verkehrskollaps? Derartige Befürchtungen hätten sich schon in der Vergangenheit immer wieder in Luft aufgelöst, erinnert Bürgermeister Jens Meyer (SPD) unter anderem an die Entscheidung zur Fußgängerzone in der Max-Reger-Straße und zur Ampel-Lösung in der Neustädter Straße. Wie SPD-Fraktionschef Roland Richter ermuntert er die Kollegen: "Lasst es uns einfach mal ausprobieren!"

Entscheidend werde nicht sein, ob sich die Innenstadt bequem durchfahren lasse, sondern dass die Kunden Parkplätze fänden, meint Gisela Helgath (Grüne). "Dazu braucht es aber auch ein gescheites Parkleitsystem." Zusammen mit der Bürgerliste haben die Grünen eigentlich den Antrag gestellt, eine "weiche Separation" (ähnlich Macerata-Platz) auch in der Sedanstraße zu testen. Dafür brauche es aber teure bauliche Maßnahmen, betont Baudezernent Hansjörg Bohm. Ein "niedriger fünfstelliger Betrag" (für Schilder und Markierungsarbeiten) reiche dagegen aus, um eine provisorische Fußgängerzone einzurichten. Ein Vorschlag, der den Antragsstellern mehr als gefällt. Deglmann: "Ich bin begeistert, dass die Verwaltung sogar noch einen Schritt weiterspringt." "Bei den Bürgern", warnt dagegen Hans Blum (CSU), "werden wir nicht auf große Freude stoßen."

Offen bleibt, wann genau die Testphase beginnt (möglicherweise Juli) und wie lange sie dauert. Ein halbes Jahr? Ein Jahr? Es kann auch ganz schnell gehen: Falls alles zusammenbräche, könnte die Stadt den Knoten fix wieder lösen, versichert Bohm. Wobei Bürgermeister Meyer zumindest ein anfängliches Verkehrschaos schon mal einplanen würde: "Lasst es uns aushalten, wenn's mal ein paar Tage stockt."

Zwangsläufig wird es ohnehin "stocken". Das macht OB Kurt Seggewiß nebenbei deutlich: Wenn Fondara mit dem Bau der "Stadtgalerie" beginnt, müsse die Sedanstraße sowieso gesperrt werden, kündigt er an. Und das wäre dann die "brutale Separation".
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