Elefantenrunde: Einer eckt an

Rüffel für Roland Richter: Der SPD-Fraktionschef soll sich nicht an eine Vereinbarung mit den Kollegen gehalten haben. Deshalb geriet die Diskussion übers Schülercafé hitziger als geplant im Stadtrat.

Was die "Elefantenrunde" - OB, Bürgermeister und Fraktionsvorsitzende - ausmacht, das hat Gewicht. Von diesem Kreis im Rathaus vorbereitet, fiel dann im Stadtrat auch tatsächlich ein einstimmiger Beschluss: Der Betrieb des Schülercafés wird für zwei weitere Jahre ausgeschrieben (wir berichteten). Nur einer hielt sich wohl nicht an jedes Detail der Abmachung: SPD-Fraktionschef Roland Richter. Von den Kollegen gab's deshalb heftige Schelte.

Offenbar hatten die Teilnehmer der Runde vereinbart, dass lediglich der Oberbürgermeister eine Erklärung abgibt. Dennoch meldete sich auch Richter zu Wort - und nahm ausführlich Stellung. Seggewiß dankte er dafür, dass er das Thema erneut auf die Tagesordnung gesetzt hatte, die Bürgerliste kritisierte er wegen Aussagen in ihrer Jahreshauptversammlung ("Geplärre" von Jugendlichen): "Kein guter Stil!" Die jungen Besucher hätten - so wie viele andere - nur gegen Kürzungspläne protestiert. "Das ist ihr gutes demokratisches Recht."

Dr. Christian Deglmann (Bürgerliste) erinnerte an die Abmachung der "Elefanten". "Aber einer muss sich wieder profilieren: der Herr Richter." Der SPD-Fraktionschef "hebt allmählich etwas ab", fand Deglmann. Walter Leupold (CSU) bemühte gar ein lateinisches Sprichwort: "Wenn Sie geschwiegen hätten, hätte ich Sie für weise gehalten." Gisela Helgath (Grüne) unterstellte, dass unliebsame Beschlüsse zu gewissen Themen wohl so oft wieder vorgelegt werden, bis das Ergebnis passt. Richter reagierte betont gelassen. Schließlich habe sich die SPD immer zum "Scout" bekannt und die Turbulenzen andere zu verantworten, gab er zu verstehen. "Es war nicht unser Bestreben, das jetzt nochmal zu bringen."

Differenzen aber auch in der Sache. Richter hatte auch die CSU getadelt: wegen ihres Vorschlags, dem Stadtjugendring das Schülercafé zu unterstellen, um die vierte Stelle im Jugendzentrum zu sichern. "Da sieht man, was herauskommt, wenn man zwei Tagesordnungspunkte miteinander verknüpft, die nichts miteinander zu tun haben", ätzte der Genosse.

"Gemeinsam betrachten"

Wolfgang Pausch (CSU) widersprach: "Man muss es gemeinsam betrachten." Heißt wohl auch: Beides, den Betreiber des Schülercafés (seit vier Jahren das Kolping-Bildungswerk) und die vierte Juz-Stelle, will sich die CSU nicht leisten. Fürs Schülercafé regte Pausch zudem einen Förderverein an. Als personell überbesetzt hält Rainer Sindersberger (BL) den Jugendtreff: "38 Besucher täglich - da ist das Personalkonzept zu hoch angesetzt." Kolping betreibt das Schülercafé mit zweieinhalb Stellen. Richter würde zumindest die Küchenhilfe streichen.

Ein "fürchterliches Zeitproblem" erkannte Hildegard Burger (SPD): Am 31. August läuft der Vertrag mit dem Kolping-Bildungswerk aus. Erst Ende Juli will der Stadtrat über den künftigen Betreiber entscheiden. In derselben Sitzung steht dann übrigens auch der Beschluss über den neuen Grundlagenvertrag der Stadt mit dem Jugendring an. Und damit auch über die vierte Sozialpädagogen-Stelle im Jugendzentrum.
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