Elektroauto tankt in Kläranlage

Bürgermeister Hermann Falk (Dritter von links) und die Betreiber erläuterten den Besuchern die Biogasanlage Dienhof, die Strom für 1000 Haushalte liefert und das Wasser im Monte-Bad heizt. Bild: lf

Die Energiewende ist längst im kommunalen Alltag angekommen. Das wurde bei einer Fachexkursion zur bayerischen Klimawoche, organisiert von der Volkshochschule, der AOVE und dem Zentrum für Erneuerbare Energien (ZEN), deutlich gemacht.

Als Startpunkt hatte AOVE-Geschäftsführerin Waltraud Lobenhofer die Kläranlage in Hahnbach gewählt. Denn diese ist laut Bürgermeister Bernhard Lindner von den circa 40 kommunalen Liegenschaften der größte Stromverbraucher. Mit insgesamt 52 Kilowatt Photovoltaik-Strom, die die Anlage liefert, können bis zu 95 Prozent des Stroms inzwischen selbst erzeugt werden.

Lampen auf LED umrüsten

Doch die Gemeinde ging nach Worten des Rathaus-Chefs noch einen Schritt weiter: Seit 2014 ist Abwassertechniker Sebastian Neiswirth mit einem Elektrofahrzeug unterwegs, "getankt" wird ebenfalls vom Dach des Klärwerks. Da keines der Pumpwerke weiter als zwölf Kilometer entfernt sei, gebe es keine Reichweitenprobleme, informierte Lindner. Beschlossene Sache seien unter anderem die Umrüstung auf LED-Lampen in den öffentlichen Gebäuden und die Einrichtung einer Ladesäule für E-Autos am Rathaus.

In Hirschau boten Landkreis-Klimaschutzkoordinatorin Katharina List und AOVE-Klimaschutzmanager Markus Schwaiger den Interessierten an, auf der Strecke nach Dienhof Elektroautos zu testen. Hirschaus Bürgermeister Hermann Falk wies auf die in der Region wohl einmalig günstige energetische Nutzung von Strom und Wärme durch die dortige Biogasanlage hin. Die Abwärme der Biogasanlage heize 1000 Kubikmeter Wasser der Schwimmbecken des Freizeitbades am Monte Kaolino auf, dazu die Sanitäranlagen von Bad und Campingplatz mit insgesamt rund 60 000 Besuchern pro Jahr. Energetisch bedeute das eine Einsparung von umgerechnet 86 000 Litern Heizöl jährlich. Laurenz Beck, Sprecher der fünf Betreiber der Biogasanlage, die allesamt ortsansässige Landwirte sind, erläuterte die vorbildliche Ökobilanz: 80 Prozent der Erntefläche von 180 Hektar (vom Mais über Gras bis zu Zuckerhirse) liege im Umkreis von zwei Kilometern.

Reicht für 1000 Haushalte

Pro Jahr produziere der 12-Zylinder-Motor des BHKW rund drei Millionen Kilowattstunden Strom, ausreichend für 1000 Haushalte. Was als Reststoff aus dem Fermenter übrig bleibe, sei zu 90 Prozent hochwertiger Dünger, so Beck. (Hintergrund)
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