Eltern gegen Schulschließung

Der Stadtrat diskutiert am Montag in einer nichtöffentlichen Sondersitzung (17 Uhr) den Schulentwicklungsplan. Schon im Herbst hat OB Kurt Seggewiß angekündigt, dass die Stadt mindestens eine Schule schließen müsse. Im Feuer steht die Gerhardingerschule in der Innenstadt.

(ca) Die Argumente: zu alt, zu wenig Platz, schrumpfende Schülerzahlen. Die Eltern der Gerhardingerschüler haben ihre Hausaufgaben gemacht - und führen auf drei DIN A-4-Seiten den Beweis, warum gerade ihre Innenstadt-Schule so wichtig für Weiden ist. Elternbeiratsvorsitzende Sabine Lotzmann und zweite Vorsitzende Silke Klotz haben dieses Schreiben im Vorfeld der Sitzung an alle Stadträte versandt.

Schon aus grundsätzlichen städtebaulichen Erwägungen sei gerade die "Schule im Herzen der Stadt" immens wichtig. "Sie dient der Stabilisierung des ganzen Umfeldes in einer Zeit, in der die Erhaltung und Belebung der Innenstädte auf der Agenda vieler Städte steht."

Der Elternbeirat zweifelt auch an, ob eine großartige Kostenersparnis erreicht werden würde: Aktuell besuchen etwa 170 Kinder die Schule. "Keines kommt mit dem Bus." Im Schulentwicklungsplan ist angedacht, dass die Schüler auf umliegende Schulen verteilt werden: "Alle Kinder müssten dann mit dem Bus gefahren werden. Die hohen zusätzlichen Kosten liegen auf der Hand."

Erst aufwändig saniert

Und von wegen alt: Die 1905 von Baumeister Kubizeck erbaute Schule, die unter Ensemble-Schutz steht, sei in den letzten Jahren mit erheblichem finanziellen Aufwand saniert worden. Der Elternbeirat warnt, dass staatliche Fördergelder mit hoher Wahrscheinlichkeit anteilig zurückgezahlt werden müssten. Bei dieser Sanierung hat man auch die Raumprobleme gelöst: So gibt es seitdem einen großen Turnraum, der ferner als Aula genutzt wird. Pro Woche fallen damit nur noch sechs Fahrten in umliegende Hallen an.

Die Energiekosten sind bei allen Weidener Grundschulen ein großer Kostenfaktor. Die Gerhardingerschule hat vergleichsweise niedrige - weil ein Großteil der Energiekosten mit der neu angelegten Solaranlage auf dem Dach gedeckt werden könne.

Die Gerhardingerschule zählt viele Gastschüler: eben aufgrund ihres großen Angebots. Sie sei die einzige gebundene Ganztagsschule von 1 bis 4. Und die einzige Schule, die Russisch und Türkisch anbiete, geschuldet der Tatsache, dass Kinder aus 25 Nationen unterrichtet werden. Diese können nach der Schule fußläufig die Hausaufgabenbetreuung des AK Asyl erreichen, eine Vorzeigeeinrichtung für Integration. Fußläufig ist auch der Hort St. Anton zu erreichen.

Aufzug und Inklusion

Als weitere Errungenschaften führen Sabine Lotzmann und Silke Klotz die neu gebaute Küche plus Mensa für 70 Kinder, den täglichen Pausenverkauf von frisch zubereiteten Pausenmahlzeiten, ein gesundes Schulfrühstück für bedürftige Kinder (alles mit Ehrenamtlichen) an. Vor wenigen Jahren ist ein Aufzug für gehbehinderte Kinder eingebaut worden: Die Gerhardingerschule ist die einzige Grundschule mit einer Kooperationsklasse sowie Inklusionsklassen für Behinderte und Nichtbehinderte.
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