Eltern kämpfen für ihre Schule

Daumen hoch für die Gerhardingerschule: Das wäre den Familien in der Innenstadt am liebsten. Bild: Hartl

Seit Montag liegen in der Gerhardingerschule Unterschriftenlisten aus: "Retten wir unsere Schule im Herzen der Stadt!", appelliert darin Elternbeiratsvorsitzende Sabine Lotzmann.

(ca) Tatsächlich steht die Gerhardingerschule inzwischen unverblümt im Feuer. Der Schulentwicklungsplan wird überarbeitet. Ein Entwurf soll möglichst noch vor Weihnachten den Stadträten vorgelegt werden. Selbst wenn das zeitlich nicht klappen sollte: "Über die Gerhardingerschule können wir jetzt schon diskutieren", sagt Stadtplaner Friedrich Zeiß. Er ist federführend für den Entwurf verantwortlich, weil viele stadtplanerische Aspekte einfließen. Zeiß spricht zwar von einer "ergebnisoffenen Diskussion". Aber er wird doch recht deutlich: So frage er sich schon, ob Schüler nicht besser beraten wären, wenn sie in eine ebenfalls fußläufige Schule gehen könnten, die über geräumige Turnhalle und großen Pausenhof verfüge.

Im Klartext: Die knapp 190 Gerhardingerschüler könnten gut auf umliegende Schulen verteilt werden. Zeiß nennt - je nach Wohnlage in der Innenstadt - Clausnitzerschule, Hammerwegschule, Albert-Schweitzer-Schule und Rehbühlschule. Dazu müssten die Sprengelgrenzen neu gezogen werden. Den Innenstadt-Sprengel nennt Zeiß ohnehin "etwas fragwürdig": So fahren beispielsweise die Naabwiesen-Kinder mit dem Bus nach Rothenstadt - und könnten zur Clausnitzerschule zu Fuß gehen.

Rückläufige Schülerzahlen

Wie gesagt: Nichts ist entschieden. Zuletzt konnten alle Rektoren ihre Stellungnahme abgeben. Das bestätigt Schulamtsdirektor Josef Benker. Und, wen wundert's: "Keiner kam zu dem Ergebnis, dass man seine Schule schließen sollte." Benker hat Verständnis für die Überlegungen der Stadt: "Das muss erlaubt sein." Alles andere wäre angesichts rückläufiger Kinderzahlen ein Versäumnis. Städte vergleichbarer Größe zählten "keine 7, sondern 5 oder 6 Standorte". "Fakt ist, dass wir in Weiden Schulen haben, die früher 20 Prozent Schüler und vier Klassen mehr hatten." Für eine Schließung werde die Stadt "natürlich nicht nur Hurra-Stimmen" ernten. "Egal, welche Eltern man fragt, die werden immer sagen: Unsere Schule nicht."

Genau das tun gerade die Gerhardinger-Eltern, die sich rege in die Listen eintragen. "Wir wollen eine Schließung nicht einfach über uns ergehen lassen", sagt Silke Klotz, zweite Elternbeiratsvorsitzende. Die Gründung eines Fördervereins ist angedacht, der die Argumente bündeln soll. Silke Klotz fallen spontan gleich einige ein. Die Gerhardingerschule unter Leitung von Rektorin Anna Kellner war oft genug Vorreiter und hat einige Errungenschaften aufzuweisen: Mittagsbetreuung und Ganztagsklassen, Mensa, Inklusion samt Aufzug. Erst 2011 hat die Stadt 500 000 Euro investiert, u. a. in einen Turmraum, der den Mangel einer eigenen Halle zumindest etwas lindert.

Pluspunkt ist die fußläufige Nähe zur Hausaufgabenbetreuung des AK Asyl (die Schule zählt über 25 Nationalitäten). Gleich nebenan ist auch der Hort St. Anton, den aktuell 28 Gerhardinger-Schüler besuchen. Ein Aspekt, auf den Claudia Kesselmann-Knauer hinweist. Sie ist berufstätige Mutter. Ihr Kind geht in die zweite Klasse. Nach Schulschluss ist es im Hort gut aufgehoben. Die Betreuung ist für sie "eine Frage der Existenz".

Wer meint, das Thema treffe ihn nicht, sollte vorsichtig sein. In drei, vier Jahren kommen nach Einschätzung von Zeiß die Hans-Schelter- und Rehbühlschule auf den Prüfstand. Jetzt wären die Schülerzahlen noch zu hoch. "Bei einer Zusammenlegung wäre jede Schule überfrachtet. Aber in Zukunft muss man sich schon fragen, ob nicht eine der beiden Schulen ausreichen würde."
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