Eltern leisten astreine Hilfe

Es wuselte nur so von freiwilligen Helfern beim Mitmachprojekt, durch das in der Kinderkrippe in nur vier Tagen eine einzigartige Bewegungslandschaft für die Kleinsten entstanden ist. Bilder: mte (2)

Als das Schreiner-Team aus Oberfranken sich auf der Kinderkrippen-Baustelle in Neunkirchen umschaut, lautet die erste Reaktion: "Auf dieser Größe eine Bewegungslandschaft für die Minis? Das ist in einer Woche nicht zu schaffen." Nur vier Tage später ist klar: Auch Profis irren.

Sie sind kaufmännische Angestellte, Mathelehrer oder Gartenbauingenieure. Vor allem aber sind sie Eltern. Genau deshalb helfen sie eine knappe Arbeitswoche lang beim Innenausbau der Kinderkrippe in Neunkirchen aus. Am 7. März wird sie eingeweiht. Und noch braucht es eine Spiel- und Bewegungslandschaft im Gruppenraum.

Über vier Ebenen soll sie sich erstrecken. Aus Holz - teils aus heimischen Gärten entnommen - entstehen. Bauprofis, allesamt Schreiner, leiten alles an. Eltern, Erzieher und Freunde der Betreuungseinrichtung führen aus. Am Ende muss das Werk nicht nur den Ein- bis Dreijährigen gefallen. Es muss den strengen Blicken des TÜV-Gutachters genügen.

Alles entsteht spontan

Doch alles der Reihe nach. Es ist Montag, 7.30 Uhr. Das Werkzeug auf der Baustelle wird aufgebaut, das Holz herangeschleppt. Auch Stämme von Kirschbäumen sind dabei. Sie wuchsen einst im Garten von Erzieherin Christina Biller. Nun werden sie genauso verpflanzt wie ihre Besitzerin: Biller wechselt im März vom Kindergarten in die Kinderkrippe. Sie wird die Einrichtung leiten.

Zuvor platziert Schreiner Andreas Schneider, der Bauleiter, mit seinen beiden Mitarbeitern Holzplatten im Raum, klebt Linien auf den Boden und malt Striche an die Platten. "Die Bewegungslandschaft entsteht vor Ort. Spontan. Im Tun. Jede ist einzigartig", weiß Kindergartenleiterin Lydia Hofmann. Jede ist im Vergleich zur Standardware aus dem Katalog auch sehr teuer. "Darum haben wir uns für das Mitbauprojekt entschieden", sagt Hofmann. Das drückt die Kosten. Und es steigert das Wir-Gefühl, die Motivation ist enorm.

Der eine sägt, der andere schleift. Erzieherinnen lassen das Holz ein, reichen aber auch Brotzeiten und kochen Mittagessen. Am ersten Abend steht der erste von vier Bauabschnitten. Am zweiten Abend wird's noch konkreter. Es bleibt Platz für die eigene Kreativität: Oben entsteht spontan ein Durchguck aus Plexiglas. Nebenan ein Keramikspiel. Ganz unten finden bewegliche Kugeln und eine kleine Brotzeitecke Platz. Unter der Zimmerdecke zieren Bambus-Stäbe und Netze den Kletterparcours. "Die Raum-Lage-Wahrnehmung ist toll", sagt Biller. Gerade krabbelt sie selbst durch die ersten Ebenen. "Die Kleinen können hier ohne Hilfe in ganz andere Höhen gelangen." Jede Ebene sei für ein Kind eines anderen Alters erklimmbar. Nichts ist sofort einsehbar, alles aber leicht zugänglich. Am Mittwoch wird klar: Der TÜV-Gutachter kann bereits am Donnerstag zur Bauabnahme kommen. Dank insgesamt 30 Helfer. Sie schufteten täglich von 7.30 bis 19.30 Uhr inmitten von Fliesenlegern, Wasserinstallateuren und Elektrikern. Stets bei bester Stimmung. Doch als der TÜV-Gutachter kommt, ist es mucksmäuschenstill.

Mit dem Metermaß misst er die Abstände zwischen den Stäben: Kein Kind darf sich einklemmen, keine Kordel sich verfangen, kein Tunnel zu eng, keine Stufe zu kantig sein. Der Mann vom TÜV klettert, rutscht, kriecht. Eineinhalb Stunden später fällt die Spannung von den Helfern ab: Sie applaudieren, denn der Gutachter hat nichts zu mäkeln an der Spiel- und Bewegungslandschaft.

Feste finanzieren feste

"Damit ist der erste Schritt hin zu einer zertifizierten bewegten Kinderkrippe geschafft", bilanziert Biller. Sie und Hofmann danken wieder und wieder den Helfern. Ohne sie und die Einnahmen aus den zahlreichen Aktionen wie Dorffest, Zoiglabend und Rosenmontagsbälle würde die einzigartige Bewegungslandschaft nicht emporranken, um ab Montag von den ersten Besuchern der Kinderkrippe erobert zu werden.
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