Endlich ein Schülerversteher

Auf den ersten Blick sieht es nicht wie eine Konzentrationsübung aus, an der sich die Realschüler versuchen. Beim Referat von Motivationstrainer Christian Bischoff läuft eben alles etwas unkonventioneller. Und genau das kommt an. Bilder: Götz (2)

Christian Bischoff tourt durch die Schulen Deutschlands. Er trägt dabei ein albernes Stirnband und kommt trotzdem derart gut an, dass die Schüler am Ende wie Groupies Schlange stehen, um den Mann auf der Bühne zu umarmen. Verstehen kann das nur, wer unter den 1600 Zuhörern am Montag ist.

Die meisten Realschüler finden sich sexy, wie sie so in ihrer Schlichtheit in der Turnhalle lümmeln. Zumindest hebt die Mehrheit der knapp 700 Zuhörer die Hand auf die entsprechende Frage von Christian Bischoff nach deren Sexyness. Der Zwei-Meter-Mann aber, wie er mit schwarzen Joggingklamotten und rotem Stirnband vor die Acht-, Neunt- und Zehntklässler tritt, sieht "kacke" aus, urteilen die Schüler. Nachdem das geklärt ist und alle Augenpaare auf ihn gerichtet sind, kann Bischoff loslegen mit seiner Motivationsrede.

An über 2000 Schulen in Deutschland hat der mit 16 einst jüngste Profi der Basketball-Bundesliga schon referiert. Zu insgesamt 1200 Realschülern in zwei Veranstaltungen spricht Bischoff am Montagvormittag in Weiden. Dabei vermittelt der 38-Jährige den Schülern wie nebenbei eine Werte-Pyramide, die den "positiven Unterschied" im Leben ausmacht. Neu sind die Inhalte nicht: Die jungen Leute sollen sich ein klares Ziel setzen, diszipliniert und konzentriert darauf hin arbeiten, aus Rückschlägen lernen und mit Selbstvertrauen rangehen. Neu aber ist die Art, wie Bischoff die Dinge den Schülern - und am Abend gut 400 Lehrern und Eltern - näherbringt.

Tränen bei den Lehrern

Fein säuberlich getrennt sitzen sie da: Links vor Bischoff die Mädchen, rechts die Jungen. Mittendrin finden sich einige Lehrer. Allesamt kämpfen sie mit Gymnastikübungen um den Weltmeistertitel in der Disziplin "Konzentration", ein wichtiger Baustein in Bischoffs Pyramide. Dazwischen offenbart Bischoff Peinlichkeiten aus seinem reichen Motivationstrainer-Schatz. Wer am Ende gewonnen hat? Egal. "Ein Lehrer ist es jedenfalls nicht. Das zeigt die Erfahrung", verrät der 38-Jährige. Höhnisches Lachen macht sich in der Halle breit. Das Band zwischen Bischoff und den Schülern wird immer dicker.

Zeit, ans Eingemachte zu gehen. "Selbstvertrauen beginnt mit Eigenakzeptanz. Also klopft euch auf die Schulter und sagt: ,Ich bin gut, so wie ich bin'." Den Sitznachbarn zu loben, ist auch nicht verboten, Umarmungen sind willkommen. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich Schüler tatsächlich lobend auf die Schulter klopfen, Schülerinnen sich um den Hals fallen und sogar Lehrer derart geherzt werden, dass einigen die Tränen in die Augen schießen. Und Bischoff? Der nimmt derweil Platz, trinkt einen Schluck Wasser und sagt analytisch ins Mikrofon: "Das ist die ehrliche Macht des Lobes."

Dumm nur, dass im Schulalltag eher auf andere eingeteufelt wird, um sich besser zu fühlen. "Ihr macht einen Fehler in der Schule, ihr vergleicht euch den ganzen Tag: Sie hat schönere Haare, er mehr Muskeln." Dabei ist es einzig wichtig, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren, sich Ziele zu setzen und die konsequent zu verfolgen. "Für Erfolg im Leben ist es langfristig nämlich ziemlich egal, wie du aussiehst."

Doch alles ist nichts ohne Selbstdisziplin. Darauf fußt Bischoffs Pyramide. Darauf fußen auch viele Eltern- oder Lehrer-Kind-Gespräche. Doch perlt die "Ohne Fleiß kein Preis"-Leier der Eltern nicht selten von den Kindern ab wie Wassertropfen von frisch gewachstem Autolack. Bischoffs Worte dagegen dringen in das Bewusstsein der Teenager vor. Vor allem, nachdem er von seinen Pleiten beim ersten Referat erzählt hat. Das ist wieder so ein Moment, in dem der Zwei-Meter-Mann sich auf Augenhöhe mit den Schülern bewegt. Als er sich dann noch eine Wasserflasche schnappt und sie den Teenagern vor die Füße gießt, hängen sie alle an seinen Lippen. "Das Wasser steht für eure Talente. Viele verschwenden ihre Talente, weil sie keine Disziplin haben. Dabei ist die Menge an Disziplin und nicht das Talent entscheidend für den Erfolg."

Ran an die Bücher

In der Folge sprechen alle Schüler es wie ein Mantra vor sich hin: "Ich arbeite jeden Tag mit Disziplin an meinem Ziel." Für einen guten Abschluss heißt das, täglich 15 Minuten mehr zu lernen. Sechs Tage die Woche. Konzentriert. Ohne Handy, ohne Whatsapp. "Am Schuljahresende habt ihr so 75 Stunden mehr gelernt", rechnet Bischoff vor. So viel Logik leuchtet ein, spornt die Schüler an - und macht sexy. Wie sonst ist es zu erklären, dass viele am Ende Schlange stehen, um den Mann mit dem albernen roten Stirnband zu umarmen? "Folge deinem Herzen", steht darauf.
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