Erbfolgekrieg in Sprechblasen

Kistenweise Comics aus allen Jahrzehnten: Auch die Heftchen-Börse war beim Comic-Treffen mit Besuchern aus ganz Deutschland gefragt. Ein ganz besonderes Exemplar hält Eckhardt Walter in die Kamera: "Amberg gegen Sulzbach" heißt es. Walter hat es selbst verfasst. Es bildet in Sprechblasen den Bayerischen Erbfolgekrieg von 1504 ab. Bilder: zpe (2)

Das Lesen in Sprechblasen liegt längst nicht mehr nur Kindern. Auch Lehrer lieben Comics im Allgemeinen oder wie Werner Weingandt aus Vohenstrauß "Tarzan" im Besonderen. In Weiden war beim vierten Comic-Treffen für Experten aus ganz Deutschland für jeden etwas dabei.

"So was gibt's in ganz Deutschland nicht." Eckhardt Walter hat die Geschichte seiner Heimatstadt Sulzbach-Rosenberg im Bayerischen Erbfolgekrieg von 1504 in Sprechblasenform zeichnen lassen. Dabei hat er sich streng an historisch verbriefte Unterlagen und alten Stiche gehalten. Weil die Informationsfülle so riesig war, erschien inzwischen der zweite Comic-Band mit dem Titel "Sulzbach gegen Amberg".

Drei Tage lang drehte sich für 40 Experten aus ganz Deutschland und Frankreich beim nunmehr vierten Weidener Comic-Treffen alles um die früher von Lehrern so verpönten Heftchen, die von so manchem Schüler trotz Strafandrohung verstohlen unter der Schulbank gelesen wurden. Heute werden guterhaltene Comic-Raritäten in Liebhaberkreisen oft sehr teuer gehandelt.

Immer wieder sonntags

Die Kinder von damals sind in die Jahre gekommen. Walter etwa oder Ulrich Narr aus Weiden, der das Treffen organisiert hat, oder Mittelschullehrer Werner Weingandt aus Vohenstrauß, ein frischgebackener Pensionist. Neben seinem Faible für Kunst, Werken und Technik hatte Weingandt 1974 seine Leidenschaft für den Dschungelhelden "Tarzan" entwickelt. "Komischerweise bin ich nicht über die deutsche, sondern über die amerikanische Comic-Szene auf ,Tarzan' gestoßen." Auslöser war ein amerikanisches Magazin, das ihm in die Hände gefallen ist. "Da stand eine Adresse drin und über die bin ich in die amerikanische Sammlerszene vorgedrungen." Seit 1976 ergänzt er seine Sammlung durch Kontakte zur deutschen Szene. Die deutschen Sammler wussten über die amerikanische Sammlerszene nicht Bescheid. "Das kam erst ab 1980." Was Weingandts großer Vorteil war. Er hatte schon früh mit den "Sonntagsseiten" zu sammeln begonnen. Und besitzt sie fast alle. Die "Tarzan"-Comics wurden ursprünglich in den USA über die Tageszeitungen verbreitet. "Neben ,Tarzan' gab es die ,Katzenjammer Kids', ,Little Nemo', ,Flash Gordon' und ,Prince Valiant'".

"Die erste Sonntagsseite ist im März 1931 erschienen. Zeichner war Rex Maxon." Und zwar von Beginn an in Farbe. Die Geschichten wurden nach Weingandts Auskunft in mehreren Zeitungen und in unterschiedlichen Größen veröffentlicht. "Einige Serien sind in ganz wenigen Zeitungen abgedruckt worden. Die sind heute entsprechend wertvoll."

Doch zurück zum Dschungelheld. In Deutschland wurde "Tarzan" ab 1952 verkauft. Weingandt besitzt sie fast alle. Wie wertvoll seine Sammlung ist, lasse sich nicht beziffern. Hier handle es sich um Liebhaberpreise. Der ideelle Wert sei unbezahlbar. Der Vohenstraußer verwahrt seine wertvolle Sammlung in Klarsichthüllen verpackt. Weingandt besitzt tausende Seiten und Hefte. Dazu noch viele Kinderbücher. "Die sind über mehrere Räume verteilt. Ich befürchte, das Haus bricht zusammen."

Beliebt in Frankreich

In Frankreich sei die Beziehung zum Comic eine andere, als hier in Deutschland, glaubt Ulrich Narr, Organisator des Treffens im Hotel zur Post. "Wie unsere französischen Gäste erzählen, werden in Frankreich Comic-Hefte, wie bei uns Bücher, in den Wohnzimmerregalen ausgestellt. In Frankreich gehöre Comic zur Kultur.

Die Gäste besuchten Flossenbürg und Leuchtenberg. In Weiden wurde der Michaelsturm bestiegen.
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