Erbschaftsstreit ohne Gericht

Um neue Wege bei der Lösung von Rechtsstreitigkeiten zu entwickeln, haben sich die Anwältin für Familienrecht, Dr. Christiane Bardenheuer (links), und die Diplom-Kauffrau und Heilpraktikerin für Psychotherapie, Cornelia Schäfer, zusammen gefunden. Bild: sbü

Es gibt intelligentere Lösungen für den Streit ums Erbe, als zu warten bis der Richter ein Urteil fällt. Längst hat sich die Mediation breiten Raum verschafft. Immer mehr Privatkläger wählen diesen Weg. Und sie tun das nicht umsonst, denn dieses Verfahren führt meistens zur besseren Lösung für alle Beteiligten.

(sbü) "Bei jeder fünften Erbschaft kommt es zum Rechtsstreit" sagen Rechtsanwältin Dr. Christiane Bardenheuer und Diplom-Kauffrau Cornelia Schäfer gleich zu Beginn ihres Vortragsabend zum Thema "Streit um das Erbe - alternative Konfliktlösung". Das Thema sei auch deshalb von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung, weil in Deutschland derzeit jährlich 254 Milliarden Euro vererbt werden.

Strittig ist meistens die Auslegung des Testaments, der Pflichtteil, das "Schulden-Erbe", die Bewertung der Pflege und die Hofübergabe in der Landwirtschaft. Der voll besetzte Versammlungsraum in der Anwaltskanzlei Bardenheuer & Schütz bestätigte das öffentliche Interesse an dem Thema. Die Referentinnen des Abends befassen sich seit vielen Jahren mit Erbschaftsstreitigkeiten. Dr. Bardenheuer zunächst als Anwältin für Familienrecht, jetzt ist sie auch ausgebildete Mediatorin. Frau Schäfer behandelt Erbschaftsstreitigkeiten ebenfalls als Mediatorin, aber eher von der sozialpsychologischen Seite. Und für den Streit um das Erbe gilt dasselbe wie in der Medizin: Wenn zwei verschiedene Disziplinen an ein und dasselbe Problem herangehen, kommt meistens die bessere Lösung heraus. In einem Mediationsverfahren kann diese dann entwickelt werden.

Wünsche einbringen

Welche erheblichen Vorteile dieses Verfahren gegenüber dem herkömmlichen Streit vor Gericht aufweist, das haben die beiden Expertinnen am Abend anhand zahlreicher Beispiele und Argumente nachgewiesen. So könnten in eine Konfliktlösung im Rahmen des Mediationsverfahrens deutlich mehr Aspekte einfließen, als dies vor Gericht alleine möglich sei. Während der Richter vor allem rückwirkend Daten und Fakten als Rechtspositionen bewertet, kann die Mediation Subjektives wie Wünsche, Interessen und Bedürfnisse in den Lösungsprozess einbringen.

Zentrale Frage eines Rechtsstreits sei: Bei welcher Lösung geht es den Menschen hinterher besser? Dr. Bardenheuer und Frau Schäfer setzen eindeutig auf die Mediation. Bei diesem Verfahren können Lösungen gefunden werden, die durch starre juristische Betrachtungsweisen eher verhindert werden. Mediation habe auch den Vorteil, dass der Konflikt meist rascher und kostengünstiger gelöst werden könne. Als Anwältin weiß Dr. Bardenheuer wovon sie spricht, wenn sie auf Gerichts- und Gutachterkosten, jahrelang andauernde Verfahren mit Klage und Gegenklage, eventuell auch in mehreren Instanzen hinweist. Und dass "nach jahrelangem Krieg vor Gericht meist alle Familienbande für immer zerstört sind" ist für die Anwältin auch sicher.

Familiärer Frieden

Das Mediationsverfahren könne eher den familiären Frieden wieder herstellen und führe meistens auch zur kreativeren Lösung, betont Frau Schäfer. "Der Mensch wird in seiner Gesamtheit abgeholt und seine Sehnsucht nach friedlichem Miteinander erfüllt". Eigenverantwortung und kooperative Lösungen, Entscheidung nicht von außen, Wille des Erblassers, Wertmaßstäbe und Bewertungsmechanismen der Beteiligten, alle diese Faktoren könnten in einen Mediationsvertrag besser einfließen. Richterliche Erbteilung könne Existenzen zerstören.

In welchen Schritten ein solcher Mediationsvertrag zustande kommen kann, wurde ausführlich vorgestellt. Mediationsgesetz, gerichtliche und außergerichtliche Mediation waren ebenfalls Stichworte.
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