Erfolgsstory ohne 1er-Schnitt

Experten sagen, der Arbeitsmarkt benötigt keine 50 Prozent Akademiker eines Schülerjahrgangs. Gescheiterte Berufsschicksale mit vielen Umwegen seien vorprogrammiert. Ein Musterbeispiel für die Karriere eines Handwerkers liefert Andreas Hecht. Mit ihm könnte man einen Werbefilm für das Handwerk produzieren.

"Dein Zeugnis ist nicht das beste, aber arbeiten wirst du schon können", sagte Firmenchef Manfred Sperber und stellte den Hauptschüler Andreas Hecht 1990 als "Lehrling" ein. Sperber hat es nicht bereut. 13 Jahre lang dankte er es ihm als fleißiger Gas- und Wasserinstallateur-Gesellen. "Die Sperber-Zeit hat mich geprägt, darauf bin ich stolz und dankbar", sagt der heutige Firmenchef eines 18-köpfigen Spenglereibetriebs.

Manches hat sich inzwischen umgedreht. Hechts Ausbilder bei der Firma Sperber gehört heute zum wichtigsten Stammpersonal der Spenglerei Hecht GmbH. Am Montagmorgen treffen wir den Handwerksunternehmer zusammen mit Kreishandwerksmeister Karl Arnold im Werksgelände des Industriegebiets Neustädter Straße. Auf der Fahrt zu einer seiner Baustellen im Bereich Schustermooslohe erzählt Hecht, Jahrgang 1975, seine Geschichte.

"Mit der Meisterprüfung im Jahre 2005 war ich noch nicht ganz fertig, als ich mich als Ein-Mann-Betrieb selbstständig gemacht habe." Der entscheidende Impuls: In Rothenstadt fehlte ein Spengler. Mit einem Betriebsgründer-Darlehen der KfW finanziert er die Grundausstattung. "Mache die Arbeit so wie du es selbst gerne hättest", sei sein wichtigstes Arbeitsprinzip. "Du musst dein Handwerk leben, ich lebe es vor". Hecht empfiehlt: "Nimm deine Leute mit, lasse sie mitentscheiden." Gemeinsam habe man die Firma aufgebaut. 2011 erfolgte der Umzug aus Rothenstadt in das große neue Betriebsgebäude.

Jetzt Organisator

Auf der Baustelle angekommen, klettert der Spenglermeister zu seinem Mitarbeiter auf das zu isolierende Flachdach des großen Neubaus. Man spürt, der freut sich, dass der Chef kommt. Kurzer fachlicher Austausch auf den Knien, der Meterstab misst die noch fehlende Isolierung, und schon klettert der Chef wieder nach unten. "Mitarbeiten darf ich nicht mehr, ich bin jetzt Organisator."

Auf der Fahrt zur nächsten Baustelle verrät Hecht mehr von seinem Erfolgsrezept. Dazu zähle auch eine gute Bezahlung, "brutto zwischen 2500 und 2800 Euro verdient ein Geselle". Abwanderung in große Industrieunternehmen gebe es bei ihm nicht. Seine Mitarbeiter arbeiten in der Region in einem Radius von maximal 20 Kilometern um Weiden. "Um jeden Einzelnen kümmern wir uns, auch um seine persönlichen Sorgen". Die Verantwortung wahrnehmen, auch für die Lehrlinge, das mache das Handwerk aus.

Das Berufsbild sei sehr komplex geworden, biete anspruchsvolle Tätigkeiten und deshalb eine erfolgversprechende Zukunft. "Ich würde alles noch einmal genauso machen", fällt Hecht keine sinnvolle Kurskorrektur ein. "Vielleicht sogar als Schreiner."

Wobei: Auch als Motivationstrainer würde der Installateur eine gute Figur machen.
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