Erst Pech, dann Glanz

Sopranistin Hildegard Zoltziar und Tenor Stephano Grimaldi leisteten in der Waldrast-Kirche doppelt gute Arbeit: Weil wegen eines Unfalls der Organist kurzfristig ausgefallen war, boten sie ein A-capella-Konzert - und bekamen dafür den Applaus des Publikums. Bild: R. Kreuzer

Starke Nerven und Improvisationstalent brauchen Künstler eigentlich immer. Vor diesem Benefizkonzert war beides aber erst recht gefragt: Plötzlich fehlte der Organist.

Die Absage kam ganz kurzfristig: Mit einem Solo-Orgelstück hätte Professor Torsten Laux am Sonntag in der Maria-Waldrast-Kirche das weihnachtliche Benefizkonzert für Patienten, die an Multipler Sklerose (MS) erkrankt sind, beginnen sollen. Bei seiner Anreise aus Bonn hatte er jedoch einen Autounfall auf glatter Fahrbahn. Nichts Schlimmes zwar. Aber er konnte deshalb nicht mehr rechtzeitig zum Konzert erscheinen.

Richtige Entscheidung

Hildegard Zoltziar, Sopranistin und Organisatorin der Veranstaltung, hatte nun zwei Möglichkeiten: abbrechen - oder singen und improvisieren. Stephano Grimaldi, Tenor aus Würzburg, schlug vor, eben einige Lieder a capella zu singen. Zoltziar willigte ein - und entschied sich damit für das Richtige.

"Wir wollen das Weihnachtskonzert in veränderter Form vorstellen. Kein anderes Fest kann das Herz, das Gemüt und die Seele des Menschen in dieser Zeit besser erreichen", sagte Pfarrer Peter Brolich bei seiner Begrüßung. So wollten die beiden Sänger mit Tenor und Sopranstimme das Leben und die Hoffnung stärken. Ein Grußwort überbrachte auch Susanne Kempf, vor Jahren selbst an MS erkrankt. Sie erzählte, wie sie zum Malen kam, Ausstellungen organisierte und mit anderen erkrankten Künstlern für Ausstellungen durch ganz Deutschland tourte. Dem drohte das Aus, weil die Pharmaindustrie keine finanzielle Unterstützung mehr geben könne. "In dieser schwarzen Zeit habe ich Hildegard Zoltziar getroffen, sie will uns unterstützen", so Kempf. Die Spenden, die beim Konzert gesammelt wurden, sind für die Fortsetzung der Ausstellungen gedacht.

Durch das Programm führte Grimaldi. Es begann mit "Es wird schon gleich dunkel". Das Volkslied aus Tirol wäre eigentlich ein Duett mit Orgelbegleitung gewesen. Abwechselnd traten anschließend Zoltziar und Grimaldi an den Stufen des Altares auf - überzeugend. Einzig: Bei den Vorträgen fehlte eben das Vorspiel der Orgel. So mussten die Lieder gleich mit dem ersten gesungenen Ton beginnen, was bei einigen Vorträgen prompt klang. Beide Künstler jedoch gaben ihr Bestes. Mit Erfolg, wie der Applaus zwischen den Wechseln bewies.

Tee für die Stimme

Zum "Panis angelicus" für Sopran, Tenor und (eigentlich) Orgel stiegen Zoltziar und Grimaldi die Treppen zur Empore hinauf. Hier klangen die Stimmen noch gewaltiger und akustisch überzeugender. Eine kleine Pause nutzte die Sängerin für eine Tasse Tee. Das war nötig. Denn es gab ja keine Orgelsoli, die Zeit gelassen hätten, um die Stimme zu schonen.

In der abgedunkelten Kirche kam auch das "Stille Nacht, heilige Nacht" übermächtig zu Gehör - die beiden Künstler sangen es im Duett. Nach dem "Heidschi Bumbeidschi" sollte Schluss sein. Zoltziar forderte das Publikum aber noch auf, gemeinsam "O du fröhliche zu singen". "Wir haben unser Bestes versucht", sagte sie. Wie gut das gelungen war, zeigte abermals der Applaus der Zuhörer. Als Zugabe ließ Zoltziar schließlich "Die Rosen der Madonna" hören.
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