Erste Influenza-Fälle in der Region - Weniger Menschen nutzen Vorbeugung - Mediziner ...
Kampf gegen Grippe und irrationale Ängste

Nicht zuletzt chronisch kranke Menschen sollten sich gegen Grippe impfen lassen. Dazu rufen Dr. Thomas Holtmeier (links), Leiter des Gesundheitsamts, und Dr. Wolfgang Rechl vom Ärztlichen Kreisverband auf. Bild: Huber
Die Ängste der Menschen sind mitunter irrational. Da verursacht Ebola auch in Mitteleuropa mitunter Panik. Obwohl die Epidemie, so schrecklich sie in Afrika auch wütet, hier ein sehr geringes Risiko darstellt. Gleichzeitig grassiert in unseren Breiten alle Jahre wieder eine Krankheit, die auch horrende Folgen hat: Influenza. Die Gefährlichkeit lässt sich indirekt ablesen. So sterben während einer sehr schlimmen Grippesaison deutschlandweit 20 000 bis 30 000 Menschen mehr als ohne die Welle zu erwarten wäre. Und trotzdem ist die Zahl der Menschen in der Region, die sich dagegen impfen lassen, in den vergangenen Jahren vergleichsweise gering.

Dr. Wolfgang Rechl, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes, und Dr. Thomas Holtmeier, Leiter des Gesundheitsamtes wollen das ändern. Die beiden rufen dazu auf, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Denn so groß das Risiko in manchen Jahren auch sein mag - "es ist ein Risiko, gegen das man sich schützen kann", so Holtmeier. Nur wollen nicht mehr so viele Menschen diesen Schutz - und das hat auch mit irrationalen Ängsten zu tun: Widersprüchliche Meldungen über die Vogelgrippe vor einigen Jahren, Lieferengpässe oder auch Misstrauen gegen die Impfstoffe, die in Wahrheit laut Holtmeier "gut verträglich sind" - all das mag zu Verunsicherung beigetragen haben. Wobei die Folgen gravierend sind. So gab es während der bislang letzten großen Welle vor zwei Jahren in Deutschland 7,7 Millionen zusätzliche Arztbesuche - mit entsprechenden Kosten fürs Gesundheitswesen. Hinzu kommen zahlreiche Krankheitstage - und schlicht und ergreifend ein elendes Gefühl für die vielen Infizierten. Wie gravierend die anstehende Saison verlaufen wird, können die Mediziner nicht voraussagen. Nur dass sie kommt ist klar: "In der letzten Woche hatten wir die ersten Fälle", berichtet Holtmeier.

Empfohlen sind die Impfungen vor allem für Menschen mit chronischen Erkrankungen, für solche, die beruflich viel Kontakt mit anderen haben, für über 60-Jährige und Schwangere. Aber auch für Menschen, die nicht zu diesen Gruppen gehören, empfiehlt sich die Vorbeugung. Aus Selbstschutz. Und als Schutz für andere, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, für die Grippe teils aber ein noch größeres Risiko darstellt. Übrigens: Weil sich die Viren ändern, ändern sich auch die Seren. Deshalb sollten auch Menschen, die sich in der Vergangenheit haben impfen lassen, ihren Schutz auffrischen.

Klar sollte laut Rechl aber auch sein, dass eine Impfung nicht gegen alle Erkrankungen immun macht. Beispielsweise ein grippaler Infekt sei danach immer noch möglich. Allerdings schützt sie vor den Viren, von denen vermutlich die größte Gefahr ausgeht. Eine rationale Angst weniger wäre das.
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