Erstkontakt in der großen Pause

Mit allerlei Gerät rückte die Gruppe "Deepsky Hunters" an. Die Hobby-Astronomen halfen mit, so dass die Sophie-Scholl-Realschülerinnen zur Sonnenfinsternis eine besondere Physik-Stunde bekamen. Bilder: Steinbacher (2)

Die einen zücken Smartphones, halten Schutzbrillen vor die Linse und machen Fotos. Andere kommentieren das Schauspiel mit "wow", wahlweise auch "cool". Kurz: nicht unbedingt das normale Verhalten von Teenagern im Physikunterricht. Es ist aber auch keine normale Stunde an der Sophie-Scholl-Realschule während der Sonnenfinsternis.

Freitag, 9.10 Uhr, auf dem Pausenhof der Mädchenrealschule: Das helle Ding da oben schaut aus wie immer. Auf den ersten Blick eine perfekte Kugel. Auf dem Bildschirm von Hermann Schieder zeigt sich, dass die Sonne so ebenmäßig rund nicht ist. Er hat ein Teleskop auf das Zentralgestirn ausgerichtet und an seinen Laptop angeschlossen. Deutlich zu erkennen sind mächtige Sonneneruptionen, wodurch die Oberfläche des Sterns Lamellen bekommt. Schieder ist zufrieden - und ein wenig aufgeregt, obwohl er eh einen minutiösen Plan dessen ausgedruckt hat, was in den nächsten Sunden im All passieren wird.

Jäger im All

Der Rothenstädter gehört zu den "Deepsky Hunters Weiden", einer Gemeinschaft von gut einem Dutzend Hobby-Astronomen, für die eine partielle Sonnenfinsternis wie am Freitag natürlich ein besonderer Termin ist. Unter ihnen sind auch Sabine Schneeberger und Johannes Hermann - und: Diese beiden sind Lehrer an der Sophie-Scholl-Realschule. Also beschlossen sie, den "Sophies" am Freitag einen Physikunterricht im Freien zu bieten. Die "Hunters" platzieren Teleskope auf dem Pausenhof. Rund zehn Klassen dürfen den Vormittag über abwechselnd das Spektakel im All beobachten und sich die Gründe für dieses erklären lassen.

9.25 Uhr: Große Pause. Wer in die Sterne guckt, muss Weitblick haben. Viele andere Schulen können die Kinder während der Pause nicht ins Freie lassen, damit sie nicht ungeschützt in die Sonne blicken und die Augen Schaden nehmen. Die Astronomen und das "Sophie" haben vorausgeplant. Die Teleskope sind sowieso mit Spezialfolie beklebt, weil es sonst hinter dem Guckloch wegen der Sonnenstrahlen tatsächlich gefährlich werden könnte. Zusätzlich hat das "Sophie" 50 Schutzbrillen ergattert - rechtzeitig, bevor für die Teile in den letzten Tagen im Internet teils Mondpreise verlangt wurden. Damit ausgerüstet, dürfen die Schülerinnen grüppchenweise auf den Hof. Und erleben mit, wie Schieder und seine Mitstreiter Alexander Wagner, Bernd Schraml und Ralf Kirchgeßner um 9.33 Uhr vermelden: "Erster Kontakt!" Der Mond beginnt, sich vor die Sonne zu schieben.

"Oh mein Gott - cool"

9.45 Uhr: Die Sonne sieht aus wie eine angebissene Pizza. Vor dem Teleskop von Kirchgeßner stehen Schülerinnen Schlange. So viel jugendliche Aufmerksamkeit für das Hobby der Sternengucker dürfte selten sein. Zumal sie garniert wird mit Sätzen wie: "Oh mein Gott - ist das cool." Ist es aber auch tatsächlich: Kirchgeßner zeigt, wie uneben sich der Kreis des Mondes vor die Sonne schiebt, wie sich Krater und Berge auf der Oberfläche des Trabanten abzeichnen. "Das ist gar nicht langweilig", sagt Janina Paul. Die 13-Jährige aus der 8a war noch gar nicht auf der Welt, als 1999 ein ähnliches Ereignis die Menschen in Deutschland nach draußen lockte. Damals war es sogar eine totale Sonnenfinsternis. Auch wenn es diesmal heller bleibt - Janina zeigt sich trotzdem begeistert. "Es ist kühler und der Himmel ist nicht so blau wie sonst", sagt sie. "Es ist spannend. Und es sieht ganz anders aus als erwartet."

9.42 Uhr: Anders als sonst sieht die Sonne in jedem Fall aus. Sie hat ein Pac-Man-Stadium durchlaufen und macht jetzt - am Höhepunkt der Finsternis - auf Mondsichel. Lehrerin Schneeberger hat den Countdown gegeben, bis der Moment der maximalen Verdunkelung kam. Und einige Schülerinnen haben mitgezählt. Es bewegt sich nicht nur oben was.

Obwohl es unter den Schülerinnen eh welche gibt, die sich schon länger für das All interessieren. Vanessa Eckert aus der 10a gehört nach eigenen Angaben dazu. "Astronomie ist generell interessant", sagt die 17-Jährige. "Wenn man sich vorstellt, wie groß das Ganze da draußen ist. Und es sind so viele Sachen noch nicht entdeckt." Was eine Physikstunde bieten kann, haben sie und ihre Schulkameradinnen an diesem Freitag jedenfalls schon mal entdeckt.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/sofi2015
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