Es fehlt an Geld, Räumen und Infos - Schulleiter regt bei weiterem Bedarf Verteilung an
Berufsschule: Kapazitäten für junge Flüchtlinge erschöpft

"Gebt uns doch direkt das Geld, und nicht immer auf den Umwegen über Dritte", wünschten sich Berufsschulleiter Josef Weilhammer (Mitte) und Studiendirektor Alois Pecher (links) von der Bundespolitik vertreten durch Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht (rechts). Trotz der in Bildungsfragen geltenden Länderhoheit will Rupprecht helfen. Bild: sbü
Weiden. (sbü) Engagement und Idealismus allein reichen nicht aus, um den Herausforderungen durch die Ausbildung junger Flüchtlinge zu begegnen. Teilweise geht es um Geld, teilweise um Räumlichkeiten, oft fehlen auch nur Informationen. Beim Besuch von Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht (CSU) in der Europa-Berufsschule wurden die Probleme deutlich angesprochen.

Aktuell fünf Klassen

Seit Anfang September sind an der Schule in Weiden fünf Klassen für Asylbewerber eingerichtet. Sie teilen sich auf in drei Eingangsklassen und zwei Abschluss- und Berufsvorbereitungsklassen im zweiten Schuljahr. Beim Besuch von Albert Rupprecht schilderte Schulleiter Josef Weilhammer zusammen mit Studiendirektor Alois Pecher die aktuelle Situation und die zusätzlichen Erfordernisse für die Ausbildung der jungen Flüchtlinge.

Als "Altlasten" bezeichnete Weilhammer fehlende Mensa, Parkplätze und Turnhalle sowie den Umstand, dass sich jetzt im Umfeld der Europa-Berufsschule fast das gesamte Asylbewerberaufkommen der Stadt Weiden konzentriere. Begeistert schilderte Weilhammer dennoch das Engagement seines Lehrkörpers für die jugendlichen Flüchtlinge.

Was die Situation der Asylbewerber im Alter zwischen 21 und 25 Jahren betrifft, sagte Weilhammer: "Ich schätze, dass derzeit in unserem Einzugsbereich circa 250 bis 300 berufsschulpflichtige Asylbewerber leben." 100 Asylbewerber besuchen die fünf Vorbereitungsklassen der Europaberufsschule, dazu kommen noch die beiden Flüchtlingsklassen an der Berufsschule in Neustadt/WN, zählte Weilhammer auf. "Unsere Kapazitäten sind erschöpft", sagte der Schulleiter. Für die Aufnahme zusätzlicher Schüler aus dem Kreis der Flüchtlinge sieht er keine Möglichkeit. Schließlich sollen die jungen Zuwanderer "im gesamten Schulhaus verteilt und dadurch besser integriert werden".

Weilhammer empfahl deshalb, ihre Verteilung auf die verschiedenen allgemeinbildenden Schulen. Dringend erforderlich sind für Weilhammer auch "speziell für die interkulturelle Integration ausgebildete Fachkräfte unter den Lehrern". Große Sorgen bereiten ihm auch die fehlenden Informationen über die einzelnen Jugendlichen. "Wir verfügen weder über medizinische noch über alle sonst wichtigen persönlichen Informationen der jungen Asylbewerber." Für dringend erforderlich hält der Schulleiter eine vorhergehende Eignungsdiagnostik, ebenso wie die Unterstützung durch Übersetzer. Besonders dieser Vorschlag stieß bei MdB Rupprecht auf offene Ohren, sieht er als bildungspolitischer Sprecher der CDU/CSU doch hier gute Ansatzpunkte.

Dolmetscherklasse Arabisch

"Wir haben eine Dolmetscher-Fachschule. Warum bilden wir dort zum Beispiel nicht eine Klasse für Dolmetscher zwischen Arabisch und Deutsch aus?", schlug Weilhammer vor. Diese Dolmetscher könnten sich schon während ihrer Ausbildung "in der Praxis üben". Rupprecht verwies hier auf die Zuständigkeiten der Länder im Bildungsbereich. Deshalb sei für ihn als Bundespolitiker die Umsetzung dieses Vorschlags schwierig. Dennoch versprach er, nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.