Es geht ums Überleben

Wasser marsch: Rhododendren gehören zu den Pflanzen, die laut Gärtner-Obermeister Andreas Gloßner unbedingt gegossen werden müssen, um sie zu erhalten. Bild: Huber

Die Sonne fordert Opfer. Den Rasen hat sie längst gegrillt. Nun lassen Apfelbäume entkräftet ihre Früchte fallen, Hecken verbrennen, Sträucher werfen ihre Blätter ab. Es herrscht Dürre in den Gärten der Stadt. Das sieht nicht nur trostlos aus. Es kann auch böse Folgen haben.

An eine derart lange Periode der Trockenheit kann sich der Obermeister der Gärtnerinnung, Andreas Gloßner, nicht erinnern. Ein Gespräch über empfindliche Pflanzen, kostbares Wasser und gute Erziehungsmethoden.

Was raten Sie Gartenbesitzern?

Andreas Gloßner: Bei verschiedenen Pflanzen ist es wirklich brandnötig, dass gegossen wird, sonst hat man sie verloren.

Zum Beispiel?

Gloßner: Koniferen sind sehr gefährdet. Zypressen auch. Selbst Thujenhecken: Einige sind heuer vertrocknet, die haben 20 Jahre lang kein Wasser aus dem Schlauch gebraucht. Auch auf Fichten, Nadelhölzer im Allgemeinen, Rhododendren und Azaleen muss man jetzt gut achten. Und jeder Baum, der frisch gepflanzt wurde, braucht Wasser, um zu überleben.

Und dann grünt und blüht es wieder überall?

Gloßner: Oh nein. Ein tolles Wachstum hat man nicht mehr. Der Hitzestress für die Pflanzen ist einfach zu groß. Sie haben längst aufgehört zu blühen. Es geht hier rein um den Erhalt der Pflanzen.

Trotzdem kostet das ganz schön Wasser.

Gloßner: Auf den Wasserverbrauch muss man achten. Deshalb gilt es, im Garten Prioritäten zu setzen. Es sollte nur dort gegossen werden, wo's wirklich nötig ist. Beispiele habe ich ja genannt. Also bitte nicht den Rasen sprengen. Der ist eh schon dürr. Aber er kommt auch wieder. Spätestens nächstes Jahr.

Gelten bei solchen Extremtemperaturen andere Gießregeln als sonst?

Gloßner: Nein. Einfach punktuell unten rein gießen. So gelangt das Wasser an die Wurzeln. Oben drüber verdunstet es nur. Und am späten Abend, wenn die Sonne verschwunden ist, wirkt's am besten.

Was ist dran an dem Gerücht, wer einmal seinen Garten gießt, muss immer ran an den Schlauch?

Gloßner: Das stimmt. Pflanzen kann man durchaus erziehen. Wenn häufig gegossen wird, bilden die Gewächse nur oberflächlich Wurzeln. Bekommen sie weniger Wasser ab, wachsen die Wurzeln auf der Suche nach Grundwasser tief ins Erdreich hinein. Diese Pflanzen sind widerstandsfähiger. Aber sie halten auch nicht jede Dürre aus.

Muss der alte Apfelbaum nun also auch gegossen werden?

Gloßner: Fette Ernten wird es wohl so oder so nicht geben. Viele Bäume sind von der Hitze schon zu entkräftet. Sie lassen ihre Früchte fallen. Die Äpfel am Baum haben schon Brandflecken. Sie scheinen wie die Zwetschgen bereits am Baum gegrillt zu werden. Ach, hoffen wir einfach, dass es endlich ein bisserl regnet.

Vielleicht klappt's jetzt am Wochenende.

Gloßner: Vielleicht. Und falls nicht, sind wir trotzdem glücklich. Es bleibt uns ja nichts anderes übrig.
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