"Es gibt uns noch"

Das sieht nach Liebe aus: Die Schauspieler Katja Rosin (links) und Markus Sulzbacher kamen sich bei der Arbeit am Stück "Pizza Man" näher und haben inzwischen ein gemeinsames Kind. Auch vom Schauspielweiden gibt es gute Nachrichten: Es droht nicht das Aus - stattdessen soll es 2015 weitergehen. Archivbild: Wilck

Viel Lob, trotzdem wenige Besucher - die Zukunft des Schauspielweiden schien lange offen. Die Gruppe stellt aber klar: Es geht weiter. Kein Wunder, die Zusammenarbeit ist ja nicht nur künstlerisch fruchtbar. In einem Fall blieb sogar noch viel mehr.

Der Kampf hinterlässt Spuren. Nicht nur bei den wenigen, dafür umso begeisterten Besuchern der Schauspielweiden-Produktion "Henry/Georg/Krieg". Auch bei der Truppe selbst. "Wir haben unsere Wunden geleckt", sagt Stephan Brunner. Der Produzent hatte zu kämpfen mit dem geringen Zuschauer-Interesse an der Shakespeare-Adaption. So sehr, dass es fast schien, die Aufführungen im April in Erinnerung an 100 Jahre Erster Weltkrieg könnten die letzten des Schauspielweiden gewesen sein. Waren sie aber nicht. "Es gibt uns noch", sagt Brunner. "Und es wird nächstes Jahr auf jeden Fall wieder etwas geben."

Begeisterte Reaktionen

Die Waffen streckt also keiner. Im Gegenteil: "Wir gehen optimistisch in die Zukunft und haben gelernt aus unseren Erfahrungen." Soll heißen, Brunner will künftig vorsichtiger planen. "Erst mal gucken, wie viel Geld wir zusammenbekommen" - im Moment sucht er wieder Sponsoren (mehr Infos dazu auf der Homepage). Dann erst soll über die meist ungewöhnlichen Spielorte (das waren zum Beispiel der frühere Hertie oder die ehemalige Kirche St. Augustin) und das Stück entschieden werden. Denn, das räumt Brunner ein, mit "Henry/Georg/Krieg" "haben wir uns verkalkuliert". Waren es 2011 bei der Shakespeare-Adaption "Kaufmann von Venedig" noch 700 Besucher, kamen heuer nur rund 400. Viel zu wenig für eine so große Produktion. Auch wenn diejenigen, die gekommen waren, sich unter anderem in Leserbriefen begeistert zeigten. Es blieb dennoch ein Minus.

Utopischer Wunsch

"Das finanzielle Loch müssen wir jetzt peu à peu in den nächsten Jahren stopfen." Das bedeute, aufwendigere Aufführungen seien erst einmal nicht mehr drin. Es sei denn, die Stadt würde das Schauspielweiden mehr als mit Einzelspenden strukturell fördern. Dann wäre vieles denkbar, sagt Brunner, der gleichzeitig weiß, dass so etwas angesichts der Haushaltslage Utopie ist. Trotzdem: "Wir sind der Meinung, dass die Stadt Weiden Schauspielweiden braucht." Denn dieses "Stadttheater" biete nunmal Qualität, die es sonst in der Region nicht so gebe. Dafür seien auch viele treue Gäste dankbar - ein Grund für ihn, mit dieser "spannenden Arbeit" nicht aufzuhören.

Also weiter. Vielleicht erst im Herbst kommenden Jahres. Vielleicht auch mit einer Co-Produktion mit einem anderen Theater. Und das vielleicht auch unter Beteiligung eines Altbekannten. "Unser Hausregisseur" Jens Zörner beendet seinen zweijährigen Aufenthalt in Jordanien, wo er als Deutsch-Lehrer arbeitete.

Dramaturg Andreas Deutz hat dagegen in Wuppertal soeben ein hochkarätiges Engagement begonnen: als Inspizient des Tanztheaters Pina Bausch. Brunner selbst hat momentan die Regie bei einem Figurentheater-Stück und ist in Kontakt mit dem Theater Ravensburg.

Pizza Man und Pizza Baby

Ach ja, und dann wären da noch zwei, die beim Schauspielweiden mehr als nur eine künstlerisch fruchtbare Zusammenarbeit gefunden haben: Mimin Katja Rosin bereitete "Pizza Man" Markus Sulzbacher im gleichnamigen Stück 2013 auf der Bühne eine ungemütliche Zeit - privat erlebten die beiden dagegen Glück, als sie durch das Stück zusammenkamen: Vor drei Monaten betrat ihr gemeinsamer Sohn die Bühne des Lebens. Überhaupt, sagt Brunner, es gebe nicht nur wegen solcher Geschichten viele Gründe, noch lange weiterzumachen.

Da ist ja auch noch der Zoigl. Alle Jahre am Ruhetag zwischen den Aufführungen besucht das Ensemble erst das Sibyllenbad, dann eine Zoiglwirtschaft. Immer eine andere. Aber natürlich waren es längst noch nicht alle. Es ist also noch einiges zu tun. "Und deshalb wird es das Schauspielweiden noch viele Jahre geben."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.schauspielweiden.de
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