Es klappt: Zur Not auch ohne Worte

Leuchtend grün sind die Froschtaschen, die die Sechs- bis Zehnjährigen im Ferienprogramm an der Clausnitzerschule gebastelt haben. Bilder: Huber (2)
 
Doa, Majas und Atlas (von links) gefällt's super. Basteln und Backen macht ihnen Spaß, aber natürlich auch die Spiele im schönen Garten der Clausnitzerschule.

Kuchenbacken hat Alexandra (9) aus der Ukraine am besten gefallen. Bei Doa (7) aus Syrien war es das Fischebasteln. Und was fand Atlas (6) aus Aserbeidschan beim Ferienprogramm an der Clausnitzerschule am schönsten? "Alles", strahlt die Kleine. Das Experiment ist rundum gelungen.

Weiden. (ps) Erstmals nahm die Ferienbetreuung an der Grundschule im Weidener Osten auch Flüchtlingskinder auf. Finanziell ermöglicht hat das der Lions-Club Weiden Goldene Straße mit einer Spende. Daniela Schauer, Leiterin der Ferien- und Mittagsbetreuung, wollte das Wagnis auch gerne eingehen. "Aber etwas Bauchschmerzen hatte ich schon", gesteht sie. Kommen die Kinder wirklich? Wie klappt es mit der Verständigung? Dürfen die muslimischen Mädchen im Stadtbad mit ins Wasser gehen? Nur einige der Fragen, die Daniela Schauer im Vorfeld umtrieben. Am ersten Tag fuhr sie deshalb bei dem Shuttle-Dienst mit, den ARV-Kräfte ehrenamtlich übernehmen, um die Sechs- bis Zehnjährigen einzusammeln. Alles lief gut. "Als die Kinder in der Schule waren, war innerhalb einer Stunde klar: Es ist alles okay." "Integration war unser Hauptanliegen", sagt Rektorin Silvia Bäumler. "Unsere Schüler haben in der Regel keinen Kontakt zu Flüchtlingskindern." Nach eineinhalb Wochen steht für sie fest: "Es funktioniert super." Daniela Schauer wundert sich fast, "wie komplikationslos alles läuft".

Bis zu 40 Kinder

Denn immerhin besuchen bis zu 40 Kinder die Ferienbetreuung unter der Regie des Fördervereins der Clausnitzerschule. Darunter 14 Flüchtlingskinder aus dem Kongo, Aserbeidschan, Syrien, aber auch aus der Ukraine. Silvia Bäumler: "Wir haben die Teilnehmer in enger Absprache mit dem Ehepaar Hess vom Arbeitskreis Asyl ausgewählt." Ein Mädchen sprach schon sehr gut deutsch, die anderen konnten nur einzelne Worte. Trotzdem blieben sie nicht für sich. "Sie essen zusammen mit den deutschen Kindern, sie spielen gemeinsam, ohne dass wir eingreifen mussten", freut sich Daniela Schauer. Anfangs lief die Verständigung mit Händen und Füßen, mittlerweile geht es schon besser. "Die Kinder lernen unheimlich schnell."

Schweinefleisch ist tabu

Das Ferienprogramm dreht sich in diesem Jahr rund um das Thema Wasser. Die Kinder basteln Seepferdchen, Fische, Froschtaschen, besichtigen die Kläranlage, nehmen im Stadtbad Wassertierchen unter die Becherlupe und machen Experimente, zum Beispiel mit der magischen Münze. Das geht nicht ganz ohne Verständigung. "Manches muss ich fünf Mal erklären", sagt Daniela Schauer. "Zum Beispiel, wenn die Kinder an einer Linie entlang schneiden sollen." Beim zweiten Mal Basteln allerdings wussten die Kleinen schon, was Schere, Blatt und Stift sind. "Sie spielen sogar zusammen Mau-Mau, selbst wenn sie nicht miteinander sprechen können."

Beim Essen gelten muslimische Regeln. Schweinefleisch ist also in den zwei Wochen tabu. Doch für die deutschen Kinder ist das kein Thema. "Da haben eher die Eltern gefragt: warum?" Apropos Essen: Daniela Schauer staunt nicht schlecht, was die kleinen Neubürger so alles verdrücken. 10 Fischstäbchen mit Kartoffelpüree packen einige. "Deshalb habe ich gleich nach dem ersten Tag mehr Portionen bei der AWO-Küche geordert." Fischstäbchen lieben die deutschen Kinder übrigens genauso.

Was ihr bei den "Neuen" noch aufgefallen ist: "Sie übernehmen gerne Aufgaben in der Küche, räumen gerne auf, sind hilfsbereit und sehr reinlich." Natürlich kommt in der Freispiel-Zeit auch das große Spielzeugangebot bei ihnen gut an. Am liebsten aber sind sie im Garten: Mit Baumhaus, Schaukel, Kletterseil und Platz zum Bolzen lockt der alle Kinder an. Da kraxelt Anton (Ukraine) mit Maximilian (Deutschland) über einen Baumstamm und Majas (Syrien) schubst Atlas (Aserbeidschan) auf der Schaukel an.

Der Zeitaufwand ist wesentlich höher als in den Vorjahren, gesteht Daniela Schauer. "Wir mussten Versicherungsfragen klären, mit Schulamt und der Regierung in Regensburg sprechen." Es kostet sie und ihre Mitarbeiterinnen auch viel Zeit, den Mädchen und Buben aus den anderen Nationen klarzumachen, was sie tun sollen, damit die Froschtasche aus Filz gut gelingt. "Aber wenn Atlas strahlt und Ariana zu mir kommt und ,Fischstäbchen' sagt, nachdem sie es ganz oft geübt hat, dann weiß ich, warum ich so viel Arbeit auf mich genommen habe. Dann denke ich, das hast du gut gemacht."
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