"Es wird Klassenzimmer geben"

Rechtsdezernent Hermann Hubmann (links) und Berufsschulleiter Josef Weilhammer werden sich in den nächsten Wochen wohl noch öfter treffen müssen. Bis September wollen sie ausreichend Schulräume für jugendliche Flüchtlinge schaffen. Bild: sbü

Bis Schuljahresbeginn wird es ausreichend Räume für die Unterrichtung minderjähriger Flüchtlinge geben. Das versichern Rechtsdezernent Hermann Hubmann und Berufsschulleiter Josef Weilhammer. Eine fertige Lösung liegt allerdings noch nicht auf dem Tisch.

Weiden. (sbü) Dafür sind von allen Seiten noch riesige Anstrengungen nötig, hieß es. Weil Oberbürgermeister Kurt Seggewiß auf dem Städtetag in Berlin weilte, reagierten Hermann Hubmann und Josef Weilhammer auf den drängenden Appell eines Berufsschullehrers, bis September für ausreichend Klassenzimmer zu sorgen (wir berichteten).

Auf der Straße stehen die jugendlichen Flüchtlinge nicht. Sie sind in Weiden alle in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht und werden dort betreut, berichtete Hubmann. Doch mit Beginn des Schuljahres werden zusätzliche Schulungsräume benötigt. Es geht um circa 60 Jugendliche oder 3 Klassen. Für 2 Klassen wird ein weiterer Teilungsraum benötigt. Zuständig sind die Stadt Weiden als Sachaufwandsträger und die Europa-Berufsschule.

Rechtsdezernent Hubmann beklagte im Pressegespräch zunächst "eine unglückliche Informationspolitik der Regierung, die Lösungen schwer vorausplanbar macht". Und er ergänzt: "Zusätzliche Schulräume gibt es nicht von heute auf morgen." Der Flüchtlingsstrom habe sie überrollt, erklären Hubmann und Europa-Berufsschulleiter Josef Weilhammer einhellig. Weilhammer fügt hinzu: "Meine Lehrer stehen unter Strom. Die Nerven liegen blank. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand."

Schwierige Ausgangslage

Für die Stadt gilt laut Hubmann: "Wir stoßen an unsere finanziellen Grenzen." "Und wir an unsere personellen", sagte Weilhammer. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage machen beide auf NT-Nachfrage die Zusage: "Zum Schuljahresbeginn gibt es eine Lösung." Dabei will man in einem Stufenplan vorgehen. Vorrang hätten langfristige Lösungen, denn die Verantwortlichen rechnen mit weiter wachsenden Flüchtlingszahlen. "Erste Priorität für die Gewinnung zusätzlicher Unterrichtsräume hat die Anmietung geeigneter Flächen in unmittelbarer Nachbarschaft der Berufsschule", sind sich Hubmann und Weilhammer einig. Aber der Mietpreis müsse stimmen, ergänzte Hubmann.

Gelinge diese Anmietung nicht, kämen freie Kapazitäten in den vorhandenen Schulen in Betracht, "eventuell auch die Auslagerung von Berufsschulklassen, damit alle Zuwanderer im Berufsschulgebäude Platz haben". Zu berücksichtigen seien die Besonderheiten des Personenkreises. Viele seien traumatisiert, eventuell vielleicht sogar Kindersoldaten gewesen, kennen kein Alphabet, geschweige denn die deutsche Kultur.

An dritter Stelle stehe die Container-Lösung, die allerdings wegen fehlender Anbieter kurzfristig schwer zu bewerkstelligen sei. Über Anbauten an die Berufsschule wollen Hubmann und Weilhammer ebenfalls nachdenken, dies wäre aber nur mittelfristig möglich. Weilhammer betonte: "Von allen Seiten wird jetzt verdammt viel geleistet." Hubmann fügte hinzu: "Und die Jugendsozialarbeiter werden extrem gefordert."

Fachbetreuer Manfred Wichmann, der im Integrationsbeirat auf die Problematik fehlender Schulungsräume aufmerksam gemacht hat, nahm Weilhammer in Schutz. "Er kämpft mit äußerster Kraft für die jugendlichen Flüchtlinge". Dass sich diese Anstrengungen lohnen würden, unterstrich Hubmann mit dem Satz: "Ziel ist, unsere demografischen Probleme zu lösen und den jungen Flüchtlingen deutsche Tugenden beizubringen."
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.