Europa-Berufsschule bietet jugendlichen Zuwanderern Zukunftschancen
Flüchtlinge wollen den Abschluss

Die 18 Jugendlichen der Abschlussklasse lauschen gespannt dem Unterricht. Bild: Götz
18 Flüchtlinge haben gerade ihre Prüfungen für den Mittelschul-Abschluss an der Europa-Berufsschule abgelegt. Alexander Scharl, Sozialkundelehrer an der Pestalozzi-Schule, der aufgrund der langjährigen Kooperation mit der Berufsschule dort unterrichtet, erklärte bei einem Pressetermin: "Man hört immer in den Medien von Bootsunfällen, und es geht an uns vorbei. Doch plötzlich sitzen Flüchtlinge vor dir, die eifrig sind und lernen wollen. Für mich ist das eine Erfahrung im Leben, die ich nicht missen möchte."

An der Europa-Berufsschule gibt es vier Klassen mit insgesamt 80 Flüchtlingen. Die Schüler kommen unter anderem aus Afghanistan, Äthiopien, Somalia, Iran und Bulgarien. Wenn sie zwischen 16 und 21 Jahre alt sind, unterliegen sie der Berufsschulpflicht. "Da man den Jugendlichen eine Zukunft bieten will, versucht man sie in eine Ausbildung zu bringen", sagte der zuständige Fachbetreuer für Asylklassen, Manfred Wichmann (Europa-Berufsschule).

Die Klassen sind auf zwei Jahre angelegt. Im ersten Jahr geht es vor allem um den Spracherwerb. Im zweiten Jahr rückt die berufliche Orientierung in den Fokus. Unterrichtet werden Deutsch, Mathematik, Englisch und Sozialkunde. Den Jugendlichen wird zudem gelehrt, wie sie Bewerbungen schreiben. Die Berufswünsche der Jugendlichen sind unterschiedlich. Als Traumberuf geben sie oft Kfz-Mechaniker an. "85 Prozent wollen wirklich lernen und haben Vorstellungen vom Berufsleben", erklärte Wichmann.

Doch erst einmal steht der Mittelschulabschluss im Vordergrund. Die Europa-Schule arbeitet mit der Pestalozzi-Schule in Weiden zusammen. Oft unterscheiden sich die Prüfungen der deutschen Schüler kaum von denen der Flüchtlinge. Sie absolvieren vier Prüfungen. In Deutsch ist sie einfacher gestaltet.

"Die Somalis sind zu 90 Prozent sehr gut in Englisch", verriet Wichmann. Bruchrechnen verstehen sie zum Beispiel auf Englisch besser als auf Deutsch. Scharl berichtete, dass die Flüchtlinge "sehr viel über Deutschland, Flüsse, Bundesländer und das deutsche Rechtssystem wissen. Da ist das Interesse unglaublich groß. Sie vergleichen dann ihr Herkunftsland mit Deutschland".

Ab Herbst beginnt das Projekt "Perspektive Beruf für Asylbewerber und Flüchtlinge" des Kultusministeriums. Die Europa-Berufsschule hatte sich beworben und ist neben Schwandorf der einzige Standort in der Oberpfalz, bei dem das Projekt verwirklicht werden soll.
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