Evangelische Gemeinde Neunkirchen feiert Familiengottesdienst und Gemeindefest unter dem ...
"Manchmal wollt ihr mich totschlagen"

Es ist nicht der Pfarrer, der am Sonntag die Blicke in der evangelischen St. Dionysiuskirche auf sich zieht. Es ist die personifizierte Zeit, die zwischen den Kirchenbänken auf- und abschreitet. Locken hat sie und Beschwerden: "Manchmal wollt ihr mich sogar totschlagen", empört sich die Zeit alias Johanna Grajer im Familiengottesdienst. Der steht unter dem Motto "Unsere Zeit in Gottes Händen", er geht dem Gemeindefest voraus - und er ist gut durchgetaktet.

Der Kirchenchor singt, der Posaunenchor spielt, Bälle rollen symbolisch für jeden Zeitvertreib durch ein großes Plastikrohr. Dann dreht Pfarrer Andreas J. Ruhs mutig eine der Sanduhren um, die auf dem Taufstein thronen: Die Zeit für seine Predigt verrinnt nun sichtbar. Nur achtet keiner der Gläubigen darauf, weil der Geistliche es versteht, mit seinem Zahlensammelsurium in den Bann zu ziehen. Die Gläubigen erfahren, dass sie fast so viel Lebenszeit auf der Toilette (6 Monate) wie im Stau (7 Monate) verbringen. Gearbeitet wird 7 Jahre, 9 Jahre betreibt ein jeder seine Hobbys. Fürs Küssen nehmen sich die Menschen gut 13 Tage Zeit, Tränen fließen an 11 Tagen. Egal, was wir aber wann tun: "Gott ist jede Sekunde unseres Lebens für uns da. Freuen wir uns also über die Zeit, genießen und nutzen wir sie. Zum Beispiel beim anschließenden Gemeindefest", schließt Pfarrer Ruhs.

Hunderte kommen trotz des nasskalten Wetters in den Pfarrgarten, wo die Jungbläser unter Leiter Karl Bäumler spielen, die Kinder auf der Strohhüpfburg toben und der Rollbraten bruzzelt. Wenn der Regen zu stark aus den Wolken quillt, genießen die Gäste im Gemeindehaus Kaffee und Kuchen. Spätestens aber als Dave Bickham und Alex Cavoli mit Gitarre, Gesang und Handtrommel für Stimmung im Pfarrgarten sorgen, füllen sich draußen wieder die Bierbänke - bis für alle die Zeit gekommen ist zu gehen.
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