Ex-Diözesanratsvorsitzender warnt: Christliche Kräfte schwinden und mit ihnen die Moral - Daran ...
Glaube stärker als Skandale

Das Zeitalter der Wertesysteme anderer Kulturen wird anbrechen: Das prognostiziert Franz Spichtinger beim KAB-Ortsverband St. Konrad.
"Papst Franziskus hat in unserer katholischen Kirche einen Klimawandel eingeleitet. Das glaubensmüde Europa erscheint religiös neu entflammt." Das meinte der ehemalige Diözesanratsvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, Franz Spichtinger, beim KAB-Ortsverband St. Konrad. Er erhoffte sich eine Sanierung der bröckelnden Kirche, die im zerschlissenen Pilgerkleid durch die Jahrhunderte gehe.

Die katholische Kirche, das Christentum in seiner Gänze, stünde in Europa vor großen Herausforderungen, während auf der südlichen Halbkugel der Einfluss und die Bindekraft des Christentums wachsen würden. Die Aufgabe europäischer Christen wäre es, ganz im Geiste des Konzils als "Salz der Erde" in die Gesellschaft hinein zu wirken. "Trotz der Glaubensverluste, gesellschaftlicher Säkularisierung und immer aggressiverem Atheismus, trotz Skandalen und Unzulänglichkeiten müssen die Christen in Europa mutig ihren Glauben bekennen und einander im Glauben stärken".

Die kulturellen Gewichte würden sich heute nachhaltig verlagern: Das ehemalige christliche Abendland, das mit seiner denkerischen Neugier und seinen technischen Großleistungen über 2000 Jahre wesentlich die Geistesgeschichte der Menschheit geprägt hat, verlöre weltweit an Bedeutung und Einfluss. "Afrikaner wie Asiaten sind lange schon der Meinung, dass in Europa die Werte, die Kultur und der christliche Glaube, dem Fundament europäischer Identität, dem Untergang preisgegeben sind." Das Zeitalter der Wertesysteme anderer Kulturen würde anbrechen.

Kult um Kommerz

Kulturelle, ethnische und religiöse Bewegungen und Verschiebungen würden künftig in großem Ausmaß Europa und auch das Christentum erschüttern, stellte der Referent fest. Andererseits wäre es insbesondere die Säkularisierung, die die Krise der europäischen und westlichen Welt fördere, eine Abkehr von der Religion hin zu einem Kult um Technik und Kommerz. Mit dem Schwund der spirituellen christlichen Kräfte und seiner moralischen Grundsätze befände sich Europa auf dem Weg in eine fragwürdige Zukunft. "Europa ist krank, weil der Mensch keinen Maßstab und keinen Richter mehr über sich erkennt und sich selbst zum Maßstab nimmt", zitiert Spichtinger Papst Benedikt XVI.

Spichtinger sprach auch die Bedeutung der Bergpredigt und der Zehn Gebote für die Entwicklung des Gewissens der Menschen an: "Für den aufgeklärten Christen der Gegenwart ist das gebildete Gewissen maßgebend." Das Christentum habe den europäischen Kulturen maßgebliche Impulse für ihre Lebensgestaltung vermittelt. Große Impulse gingen vom christlichen Wohlfahrtswesen, von christlicher Bildung und Erziehung aus, die immer die Menschenwürde im Blick hätten. "Wenn aber nur mehr zwölf Prozent der Getauften in Deutschland sich bei den Gottesdiensten einfinden, Kinder kaum mehr christlich erzogen werden, so erschüttert das die christliche Gemeinschaft." Auch im Priesterschwund sah der Referent ein gravierendes Problem für die Zukunft.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.