Experiment bei der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Weiden
Witze sollen zwar "pieksen", dürfen aber nicht verletzen

(sbü) Geht es im Witz um alltägliche Situationen, lachen alle. Witze aus der Welt der Religion kommen aber nicht immer bei allen Zuhörern gut an. Trägt sie ein Pfarrer vor, gibt es weniger Widerspruch. Aber eine Gratwanderung ist es dennoch, das zeigte das Experiment, zu dem die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Weiden e.V. eingeladen hatte. Gelacht wurde dabei viel, zum Beispiel über die Frage "sollen katholische Pfarrer heiraten dürfen?" und die Antwort: "Ja, wenn sie sich lieben."

Am Ende gab es viel Beifall, doch es wurde auch lange diskutiert. Die Veranstaltung jedoch gilt als gelungen. Unter der Überschrift "Hat Gott Humor?" trugen der Michldorfer Pfarrer Alfons Forster sowie NT-Redakteur Manfred Hartung Witze aus der christlichen und jüdischen Religionswelt vor. Beide haben die Witze aber nicht nur der Reihe nach im Dialog erzählt, sondern auch grundsätzliche Fragen mit den zahlreichen Zuhörern im Café Mitte thematisiert.

Herzhaft lachen

Nach einem Witz über Zeugen Jehovas fügte Pfarrer Forster dann vorsichtshalber dazu "der war aber jetzt bös": Er lautete: "Weißt du eigentlich, was man bekommt, wenn man einen Zeugen Jehova mit einem Atheisten kreuzt? Antwort: "Jemanden, der vollkommen sinnlos an der Tür klingelt." Redakteur Hartung berichtet dazu, dass er diesen Witz auch schon einem Zeugen Jehova erzählt habe und dieser herzhaft gelacht habe.

In der Diskussion bestand aber Einigkeit darüber, dass "Witze und Humor im Gegensatz zur Satire nicht verletzen dürfen". Pfarrer Forster stellte auch fest "ich kenne keine Witz über den Islam". Je totalitärer politische Regime seien, desto weniger Humor würde dort geduldet.

Redakteur Hartung meinte: "In Nordkorea ist bestimmt die Anzahl der Witze sehr begrenzt". Dass Witze nicht nur Unterhaltungswert haben können, zeigte der Hinweis der Referenten des Abends auf den berühmten Psychotherapeuten Viktor Frankl. Als Holocaust-Überlebender hätte dieser von seiner Verabredung mit anderen Häftlingen berichtet, "sich jeden Tag einen Witz zu erzählen". So seien Witze zum Mittel geworden "den Horror eines Konzentrationslagers zu überleben". Eine Empfehlung hatten die Witze-Erzähler auch noch für ihr Publikum: "Falls Gefahr besteht, dass sich jemand angegriffen fühlt, kann man vorher die Hauptfiguren eines Witzes meistens beliebig austauschen."

Die Anregung zum Sammeln und Vortragen von Witzen aus der Welt der Religion sei ihm durch die Lektüre des Buches "Soll das ein Witz sein" von Hellmuth Karasek gekommen, berichtete der NT-Redakteur. Er und seine Frau Angela hätten dann den Fundus verbreitert. "Zufällig habe ich Pfarrer Forster getroffen und der hat sofort mitgemacht." Nachdem die Akteure des Abends am Ende sehr viel Beifall erhielten, wollen sie auch über eine Fortsetzung nachdenken. Abschließend verteilten die Referenten ein Literaturverzeichnis.
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