"Experten rätseln über Prägung ""Graustern Weiden"" in Bierflasche - Herkunft unbekannt"
Uralte Bierflasche aus dem Waldboden

Bier aus dem Hause "Graustern"? Der Flaschenfund eines Weideners gibt Rätsel auf. Eingeprägt sind der Markenname "Graustern Weiden", ein Brauer-(oder Zoigl-)Stern und das Wort "unverkäuflich", welches das grüne Behältnis wohl als Pfandflasche ausweisen sollte. Der 38-jährige Finder grub es in einem Staatswald nahe Weiden aus, "in 50 bis 60 Zentimetern Tiefe unter einem Baum". Etwa zu einem Drittel war die verschlossene Flasche mit Flüssigkeit gefüllt. Wissenschaftler in Freising analysieren jetzt Hefereste,
Lokales
Weiden in der Oberpfalz
26.03.2015
186
0
Für den 39-jährigen Weidener ist es ein Hobby: mit dem Metalldetektor alte Münzen und ähnliches aufstöbern, die im Oberpfälzer Boden schlummern. Das, was er und ein Freund am 15. März in einem Waldstück nahe der Max-Reger-Stadt ausbuddelten, gibt nun Historikern und Wissenschaftlern knackige Rätsel auf: eine verschlossene Bierflasche aus dunkelgrünem Glas mit der Prägung "Graustern Weiden". Denn ein solcher Brauerei- oder auch Familienname ist in der Max-Reger-Stadt gänzlich unbekannt. Völlig unklar ist auch das Alter der Flasche. Der Metallbügel-Verschluss könnte jedoch darauf schließen lassen, dass sie zwischen 1880 und 1920 fabriziert wurde. Aber wo? Von wem?

Stadtarchivarin Petra Vorsatz untersuchte inzwischen die historischen Gewerbeanmeldungen in Weiden. Auf den Namen "Graustern" stieß sie nicht. Stutzig macht sie, dass das Glas professionell hergestellt sei. Ihre Vermutung: Die einstige "Mineralwasserfabrikation Hans Grau" könnte sich auch mal im Bierbrauen versucht haben. Das Wort "Graustern" würde sich dann auf den Brauerstern beziehen, der ebenfalls auf der Flasche prangt. Die Fabrik in der Luitpoldstraße bestand laut Vorsatz von 1907 bis etwa zum Zweiten Weltkrieg. Der Finder selbst fragte bei Nachkommen von Hans Grau nach. Dass dieser auch Bier gebraut hätte, hätten sie kategorisch ausgeschlossen, sagt er. "Ein Mysterium."

Höchst interessiert zeigt sich das Forschungszentrum Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität. Die Wissenschaftler baten den Weidener, er möge seinen Fund nach Freising bringen. Schön vorsichtig, versteht sich. Dort öffneten sie die Flasche am Dienstag unter Laborbedingungen. Die Flüssigkeit im Inneren, wohl ein Hefeabbauprodukt, beschreibt er als "ölig" - "sie stinkt auch nach Petroleum". Im Kopfbereich stellten die Forscher Hefekulturen sicher. Die werden nun untersucht und neu angelegt. Weitere Proben werden einer DNA-Analyse unterzogen. Bis Ergebnisse vorliegen, können allerdings einige Wochen vergehen. Die Kosten der Untersuchung will der Bayerische Brauerbund übernehmen.

Für den Fall, dass die Wissenschaftler die Rezeptur herausfinden, stünde nach den Worten des Finders Reinhard Fütterer (Schafferhof) bereit. Er könnte das geheimnisvolle Bier nachbrauen. Die Flasche will der Weidener dem Stadtmuseum vermachen. "So schnell wie möglich", meint er - wegen des penetranten Ölgeruchs. Verschließen lässt sie sich nicht mehr, nachdem beim Öffnen in Freising der Bügel zerbrach.

Der 38-Jährige forscht weiter nach historischen Hinweisen auf die Marke "Graustern". Eine der nächsten Anlaufstationen: die "Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens" in Berlin. Ob die vielleicht das Rätsel der Weidener Flasche lösen kann?
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.