Experten referieren am Klinikum über "Morbus Crohn", die "Refluxkrankheit" und ...
Gereizter Darm und saures Aufstoßen

Professor Helmut Messmann aus Augsburg (links) und Professor Volker Groß aus Amberg (Zweiter von rechts) referierten auf Einladung von Professor Frank Kullmann (Zweiter von links), Dr. Wolfgang Rechl (Ärztlicher Kreisverband, Mitte) und Professor Karl-Heinz Dietl in Weiden. Bild: hcz
Zusammen mit Dr. Wolfgang Rechl vom Ärztlichen Kreisverband empfingen die beiden Professoren Dr. Karl-Heinz Dietl und Dr. Frank Kullmann am Klinikum zwei Experten, die an der Aktualisierung von Leitlinien zu "Morbus Crohn" und zur "Refluxkrankheit" mitgewirkt hatten. "Aus erster Hand sozusagen", so Kullmann, berichteten die Spezialisten vor gut 80 Medizinern über diese, in den westlichen Industrieländern häufigen Erkrankungen und ihre Behandlung.

Auch Teenies betroffen

Professor Dr. Volker Groß vom Klinikum St. Marien in Amberg referierte über "Morbus Crohn", der neben der "Colitis ulcerosa" die wichtigste chronisch-entzündliche Darmerkrankung sei. 6,6 von 100 000 Einwohnern würden in Deutschland jährlich daran erkranken, wobei 19 Prozent der Erkrankten unter 20 Jahre alt seien. Groß ging auf Risiko- und Schutzfaktoren ein. Genetische Prädisposition spiele eine Rolle, ebenso wie Umwelt, Rauchen und Hygiene. Erkannt werde die Krankheit mittels Leukozytenmarkern im Stuhl, per Sonografie und Endoskopie. Als radiologische Untersuchungsmethode sei die Magnetresonanztomografie von besonderer Bedeutung. Das typische Bild des "Morbus Crohn" sei bei der Sonografie leicht unterscheidbar von der "Colitis ulcerosa". Als Therapie komme die konservative, mittels Medikamenten, in Frage. Wenn diese anspreche, werde man sie auf Dauer anwenden. Bei schweren Schüben müssten systemische Steroide eingesetzt werden und eventuell eine Operation in Betracht gezogen werden. Immunsupressiva hätten allerdings schwere Nebenwirkungen, weshalb sie nicht bedenkenlos eingesetzt werden sollten. Bei hoher Krankheitsaktivität, Verengungen im Darm, Fisteln, Abszessen oder Malignomverdacht empfehle die Leitlinie die chirurgische Behandlung, so Groß. Gastroenterologe und Chirurg müssten sich dabei eng abstimmen.

Professor Dr. Helmut Messmann vom Klinikum Augsburg, das bald "Uniklinikum" werden wird, ging auf die "gastroösophageale Refluxkrankheit" ein, die in den letzten Jahren immer häufiger auftrete. Ein so genannter "Barrett-Ösophagus (Speiseröhre)", der sich daraus entwickeln könne, sei als Vorstufe für einen Speiseröhrenkrebs einzustufen. Saures Aufstoßen und Sodbrennen, worunter 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung leiden würden, sei noch nicht als "Refluxkrankheit" einzustufen. Erst wenn Schluckstörungen, Gewichtsverlust oder Anämie hinzu kämen, oder ein Verdacht auf morphologische Läsionen bestehe, sei Alarm zu schlagen. Dann seien endoskopische Untersuchungen angezeigt. Gewichtsnormalisierung, genügende Nachtruhe, Zwerchfelltraining, keine späten Mahlzeiten, Alkoholreduktion und Rauchstopp seien die ersten ärztlichen Ratschläge, die zu geben seien, sagte Messmann. Bei hartnäckigem Krankheitsverlauf komme auch die Bestimmung des pH-Werts mittels einer Sonde oder einer sogenannten Bravo-Kapsel in Frage. Endoskopisch sichtbare, durch den Reflux ausgelöste entzündliche Veränderungen könnten meist gut mit PPI-Medikamenten (Protonenpumpeninhibitoren) behandelt werden.

Der Vortragsabend am Klinikum wurde von der "Falk Foundation" (Freiburg) gefördert.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.