"Fahret hin in Gottes Frieden"

Vor der evangelischen Dionysiuskirche in Neunkirchen greifen die Gäste zu Helmen, Fahrrädern und schließlich zu Scheren: Wenig später ist das violette Band zerschnitten - und damit die Route 6 des Simultankirchen-Radwegs eröffnet. Die Fahrt geht los und führt zu St. Bartholomäus nach Rothenstadt und zur Michaelskirche in Weiden. Bilder: Baumgärtner (2)

Mit Trikot und Fahrradhelm in den ökumenischen Gottesdienst: Das kann durchaus passend sein. Vorausgesetzt die Gläubigen treffen sich wie neulich in der Dionysiuskirche Neunkirchen, um Route 6 des Simultankirchen-Radwegs zu eröffnen.

Es gibt Tage, an denen ist alles ein wenig anders. So wie zuletzt in Neunkirchen: Die Glocken der evangelischen Dionysiuskirche rufen bereits am Samstagvormittag zum Gottesdienst. Gleich zwei Pfarrer begrüßen die Gemeinde dazu. Die Gemeinde wiederum ist "bunt durchgewürfelt", stellt Pfarrer Andreas J. Ruhs fest.

Katholiken beten neben Protestanten - und alle Besucher kommen anderswo her: aus Neunkirchen, Wilchenreuth, Parkstein, Rothenstadt oder Neustadt. Einige tragen obendrein Fahrraddress statt Sonntagszwirn - und am Ende sagt der katholische Kollege Pfarrer Armin J. Spießl statt "Gehet hin ..." lieber "Fahret hin in Gottes Frieden". Einen Scherenschnitt später ist die Route 6 des Simultankirchen-Radwegs eröffnet.

Sie ist mit knapp 50 Kilometern die längste der 10 Schleifen des 400 Kilometer fassenden Simultankirchen-Radwegs, der auf die Idee von Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler aus Rothenstadt fußt. Aber was ist überhaupt unter Simultaneum zu verstehen? "So nennt man das Recht, nach welchem evangelische und katholische Gläubige gemeinsam eine Kirche nutzen", erklärt Günter Geiß, Koordinator der Route 6. Eingeführt wurde das Simultaneum Mitte des 17. Jahrhunderts, um Religionskriege zu verhindern. 50 Kirchen in der Nordoberpfalz waren von der Anordnung betroffen. Fünf davon liegen an Route 6, drei werden die Gläubigen an diesem Tag noch besuchen.

Zuvor aber feiern alle Gottesdienst. Pfarrer Spießl lobt darin den Radweg, weil er eine Verbindung zwischen Menschen herstellt, die auf Christus getauft sind. Auf der Taufe, das gemeinsame Sakrament von Katholiken und Protestanten, basiert der Gottesdienst, den der Jung-Posaunenchor sowie Kirchenmusikdirektor Hanns-Friedrich Kaiser musikalisch umrahmen. Im Anschluss treten 30 Gläubige in die Pedale, um die Bartholomäus-Kirche in Rothenstadt zu besuchen. Dort informiert Pfarrer Pauckstadt-Künkler über die Geschichte des Gotteshauses. Auch Dekan Dr. Wenrich Slenczka hört interessiert zu - und radelt mit zur Endstation: der Michaelskirche, wo er mit dem katholischen Kollegen von St. Josef, Markus Schmid, zum Gottesdienst einlädt und über die Sicherheit auf Radwegen und Gottes Schutz nach Psalm 91 spricht.

Kirchenmusikdirektor Kaiser intoniert dazu unter anderem Max-Reger-Stücke. Im Anschluss genießen die Radfahrer einen Imbiss oder mit Türmer Christian Stahl die Aussicht vom Kirchturm herab.
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