Faltenkiller gegen Kopfschmerz

Es ist ein Gift, das Leiden lindert: Botox. Dr. Susanne Neumeier, Leiterin der Schmerztagesklinik, stellt die neuen therapeutischen Möglichkeiten durch das Nervengift am Weidener Klinikum für Patienten mit chronischer Migräne vor. Bild: Götz

Botox glättet Falten. Das Nervengift hilft aber auch gegen chronische Migräne. Vorausgesetzt alles andere hat versagt. Und vorausgesetzt der Patient erduldet in einer Sitzung über 30 Injektionen am Kopf. Zehn Patienten unterzogen sich 2014 dieser neuen Behandlung am Weidener Klinikum.

"Die meisten Migränepatienten sind Perfektionisten", sagt Dr. Susanne Neumeier. Erfolgreich, ehrgeizig, 100 Prozent-Menschen, die nur schwer Nein sagen können. "Haben sie obendrein eine genetisch vererbte Veranlagung zum Kopfschmerz, kann sich eine chronische Migräne entwickeln", weiß die Leiterin der Schmerztagesklinik am Klinikum Weiden. Nicht allen hilft dann eine konservative Behandlung.

Unter einer chronischen Migräne leidet ein Patient, wenn er mehr als 15 Tage im Monat an Kopfschmerzen und davon mehr als 7 Tage an Migränekopfschmerz leidet. Letzterer ist gekennzeichnet durch einen klassischen halbseitigen Kopfschmerz pochender Qualität. "Das fühlt sich an wie ein Herzschlag im Kopf", erklärt Dr. Neumeier. Begleitet wird er von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und/oder Lärmempfindlichkeit. "Es macht sich ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl breit", fast die Leiterin der Schmerztagesklinik das chronische Migräneleiden zusammen. Eine Botox-Spritze setzt es nun aber noch lange nicht.

400 Euro pro Behandlung

Zur konservativen Behandlung gehören zuerst neue Verhaltensregeln. Die drei wichtigsten sind, zwei Mal pro Woche Ausdauersport zu treiben, regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten einzuhalten sowie Pausen mit Entspannungsübungen zu machen. Diese veränderten Verhaltensregeln werden bei Bedarf kombiniert mit der Einnahme von klassischen Migränemedikamenten. In schwierigen Fällen kommen auch Prophylaxe-Medikamente wie Betablocker, die ursprünglich gegen Bluthochdruck und Herzschwäche verordnet werden, zum Einsatz. "Wenn das alles nicht mehr greift, kommt Botox ins Spiel", sagt Dr. Neumeier.

Die Idee kommt aus Amerika. Eine entsprechende Studie aus dem Jahr 2010 zeigte, dass 70 Prozent der 688 Patienten nach der Botox-Behandlung und nach Ablauf von 14 Monaten nur noch halb so viel Migräneschmerzen plagten. Dieses Wissens bedient sich in Weiden nun Dr. Neumeier. Die Spritzen aber setzt Dr. Jürgen Hahn. Der leitende Oberarzt der Neurologie behandelte 2014 am Weidener Klinikum zehn Patienten mit chronischer Migräne. 31 Injektionen an 31 verschiedenen Stellen am Kopf setzt er dabei in einer etwa 15- bis 20-minütigen Sitzung. Die Behandlung ist teuer. Von etwa 400 Euro für die Behandlung mit einer Ampulle spricht Dr. Neumeier. "Das zahlt die Krankenkasse." Meist zeigt sich bald eine Linderung. "Wenn allerdings die Erstbehandlung nichts bringt, ist es unwahrscheinlich, dass eine weitere anschlägt", weiß die Leiterin der Schmerztagesklinik aus Erfahrung.

Und wie reagieren die Patienten, besonders die Männer, auf diese neue therapeutische Möglichkeit? "Ob Frau oder Mann: Alle sind begeistert. Das macht auch der Leidensdruck." Ein Wundermittel sei Botox aber nicht, betont die Ärztin. Das Nervengift hat Nebenwirkungen. Lähmungen des Augenlids über Wochen hinweg seien möglich.

Botox erst als Ultima Ratio

Eines will Dr. Neumeier nach 15 Erfahrung in der Schmerztherapie betonen: "Wer die veränderten Verhaltensregeln nicht befolgt, dem helfen weder Medikamente noch Botox."
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