Familie über Stunden gequält

"Ich bin seit sieben Jahren Leiter der Kripo. Aber so eine brutale und rücksichtslose Raubtat haben weder ich noch meine Kollegen bis dato erlebt", sagt Kriminaloberrat Thomas Bauer über den Raubüberfall auf eine Weidener Familie im September. Am Montag gab er die Festnahme von zwei Tatverdächtigen in Tschechien bekannt.

(ca) Kripochef Bauer und Leitendem Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer saßen dabei Oberst Ludek Fiala von der Kriminalpolizei Pilsen und Josef Eckl vom Gemeinsamen Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei in Schwandorf zur Seite. Die Festnahme am letzten Donnerstag ist laut Schäfer ein "hervorragendes Beispiel dafür, wie innerhalb der Europäischen Union eine wirksame Strafverfolgung funktionieren kann".

Knochenbrüche erlitten

Die Tat hatte sich am 17. September ereignet. Drei Senioren (ein Ehepaar, 68 und 71, und die Oma, 89) waren von drei maskierten Männern über vier, fast fünf Stunden hinweg in ihrem eigenen Haus festgehalten, gefesselt und körperlich misshandelt worden. Details werden mit Hinweis auf "Täterwissen" nicht preisgegeben. Sie erlitten dabei laut Bauer unter anderem Hämatome und Knochenbrüche. Die Täter durchsuchten das ganze Haus und erbeuteten Bargeld und Wertsachen im Wert von mehreren tausend Euro.

Die Spur führte schon nach kürzester Zeit nach Tschechien: Zeugen hatten am Vortag einen dunklen BMW mit tschechischem Kennzeichen in der Hammerwegsiedlung beobachtet. Eine Anfrage, warum es dann doch "so lange" bis zur Festnahme gedauert habe, beantwortete der tschechische Oberst: "Ein Kennzeichen allein reicht nicht für eine Festnahme." Noch führt es zu den Mittätern. Über das Gemeinsame Zentrum in Schwandorf wickelte die Weidener Kripo mit den tschechischen Kollegen das "gesamte Maßnahmenspektrum" ab und konnte so den zweiten Verdächtigen ermitteln.

Für die Ermittlungsarbeit waren nach dem Raubüberfall alle verfügbaren Kräfte der Kripo eingesetzt, dazu gab es Unterstützung durch die Inspektion. "Zu Spitzenzeiten waren über 40 Mitarbeiter in diesen Fall eingebunden", so Bauer. In Weiden lief eine extrem umfangreiche Spurensicherung im gesamten Einfamilienhaus am Hammerweg. Sieben Tage wurden jeden Tag mindestens sechs Stunden nur Spuren gesichert, am Ende waren es an die 600 Spuren. Man erhofft sich über die DNA Beweise gegen die Festgenommenen sowie Hinweise auf den Dritten. Der Pilsener Oberst Fiala übergab am Montag weitere Speichelproben.

Mit Spezialisten des Landeskriminalamtes und mit Hilfe eines 3-D-Scanners wurde der Tatort dreidimensional und digital konserviert. Mit Diensthunden und Metalldetektoren suchten Beamte mögliche Fluchtwege nach verlorenen Gegenständen und Spuren ab. 39 Zeugen wurden befragt. In den Wochen seit der Tat gingen rund 30 Hinweise ein. Eines der Opfer erklärte sich bereit, an einer Rekonstruktion des Überfalls mitzuwirken. Diese Rekonstruktion, die per Videotechnik aufgezeichnet wurde, nahm fast sechs Stunden in Anspruch und war eine "enorme Belastung" für das Opfer.

Familie ist wieder Zuhause

Wie geht es der Familie heute? Bauer dazu: "Die drei Opfer waren lange im Krankenhaus, sind aber inzwischen wieder Zuhause. Ihnen geht es den Umständen entsprechend körperlich gut, die seelische Verfassung ist schwer festzumachen. Sie nehmen es augenscheinlich tapfer." Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer kündigte an, nicht eher ruhen zu wollen, bis alle drei Täter überführt sind: "Wir sind noch nicht am Ende. Nach dem dritten Täter suchen wir noch. Ich bin optimistisch: Wir werden auch ihn finden."
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