Familien-Auftritt: Ed Kröger überrascht mit seinem Quintett beim Jazz-Zirkel Weiden
Reminiszenz an die Hardbop-Ära

Vater und Sohn: Ed Kröger gilt als Urgestein des europäischen Jazz, Ignaz Dinné mischt vor allem in der aktuellen Berliner Szene mit. Bild: Reitz
Drei Generationen auf einer Bühne vereint das Quartett des in Bremen beheimateten Posaunisten Ed Kröger. Zusammen mit seinem Sohn Ignaz Dinné am Tenorsaxofon entführt er in die große Ära des Hardbop, einer Stilrichtung des modernen Jazz, die vor mehr als einem halben Jahrhundert entstand und mit Namen wie Art Blakey, Hank Mobley, Lee Morgan, J.J. Johnson, oder Horace Silver verbunden ist.

Dynamik und Kontraste

Ed Kröger (Jahrgang 1943) mischte schon früh in der europäischen Jazzszene mit und ist auch heute noch als Dozent an den Musikhochschulen Bremen und Hamburg tätig. Immer wieder geht er zusammen mit seinem Sohn Ignaz Dinné (Jahrgang 1971) auf Tournee und macht deutlich, dass es im Jazz keine Generationsprobleme gibt. Neben Eigenkompositionen sind auch einige Standards im Repertoire, wobei Schwerpunkte auf Dynamik und Kontraste gelegt werden. Da erklingen feinsinnige Balladen neben kochenden Uptempo Rhythmen, leise Passagen wechseln mit intensivem Powerplay. "Die Grundlage des Jazz ist der Blues", betont Ed Kröger immer wieder, und darüber lässt sich trefflich improvisieren. "Tom Thumb" von Wayne Shorter oder "Firm Roots" von Cedar Walton gehören zu den eher selten gehörten Standards und erklingen hier frisch und zeitgemäß, wobei auch Schlagzeuger Rick Hollander Freiraum für spannende Einwürfe und Soli erhält. "Einen guten Jazzmusiker erkennt man daran, dass er Blues und Balladen spielen kann", sagt Ed Kröger in einem Interview und zwei solche Balladen werden im Quartett dargeboten.

Mit sonorem, ausdrucksvollem Ton und viel Raum zwischen den Tönen spielt Ignaz Dinné Eubie Blakes "Memories of you", eine Komposition aus den Kindertagen des Jazz, und im Hintergrund perlen geschmeidige Klavierläufe, bei denen man den Geist des Urvaters des Stride-Pianos herauszuhören glaubt. Unaufdringlich und geschmackvoll untermalt und kontrastiert Vincent Bourgeyx die tiefgründigen Saxofonklänge, und Dinné spielt hier mit der Eleganz und Ausdrucksstärke eines Ben Webster oder Dexter Gordon.

"You've changed" ist Ed Krögers Paradenummer auf der gedämpften Posaune. Man kennt diesen Song vor allem von Billie Holiday, und bevor es losgeht, zitiert Ed Kröger auch die erste Textzeile und versetzt den Zuhörer in die rechte Stimmung, dezent untermalt von Rick Hollander mit Besen und Becken und kontrastiert durch ein spannend aufgebautes Klaviersolo von Vincent Bourgeyx.

Ausflug an die Wurzeln

Mit 19 Jahren ist Felix Henkelhausen der Jüngste im Bund. Mit enorm swingenden Basslinien sorgt er unermüdlich für den soliden Unterbau der Combo. Bei der Zugabe "Nostalgia in Times Square" von Charles Mingus hat er Gelegenheit zu einem ausgedehnten Solo, das er mit Bravour meistert. Noch einmal zeigt sich hier die unbändige Kraft des Blues mit einem eingängigen Thema, das man nicht oft genug hören kann. Ed Kröger verwendet in seinem Solo auch Zitate aus dem traditionellen Jazz und lässt sie logisch und schlüssig in das Gesamtkonzept einfließen.

So wird dieser Abend zu einem Ausflug an die Wurzeln des modernen Jazz, dargeboten von Musikern auf höchstem Niveau, Musik durch die einst Generationen zum Jazz fanden. Aber auch das angenehme Ambiente im Bistrot Paris trägt viel zum Erfolg bei und wird von Musikern und Publikum gleichermaßen geschätzt.
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