Finanzspritze für Filmemacher

Der Weidener Josef Hallmann (links) dreht mit seinen Kollegen Christine Kopp, Florian Jochum und Anton Knoblach den Film "Quaint". Dafür suchen sie noch Unterstützung. Bild: Felix Schuster

Eine Stripperin, die aus ihrem Leben mit einem gewalttätigen Freund ausbrechen will. Ein Musiker, der auf den Durchbruch wartet. Beide treffen sich und starten eine kriminelle Karriere. Der Stoff zu einem Film, an dem auch ein Weidener beteiligt ist.

Weiden. Weidener Filmfans ist er schon lange bekannt, spätestens seit dem ausgezeichneten Kurzfilm "Abbitte eines Mörders" oder dem ersten "Filmfest Weiden": Josef Hallmann. Jetzt plant er wieder ein Projekt. Genauer gesagt, sein letztes - als Student. Sein neuestes Werk ist seine Abschlussarbeit. Dann ist er mit dem Studium der Medienwissenschaft an der Universität Bayreuth fertig. Mit Studienkollegen hat er die Filmproduktionsfirma "unfourseen" gegründet. Unter anderem mit Florian Jochum.

Ihr aktuelles Projekt trägt den Titel "Quaint". Das bedeutet so viel wie "altertümlich", "altmodisch", "malerisch" oder "wunderlich". Genauso vielseitig und konträr wie der einstweilige Titel ist auch die Geschichte selbst, erklärt Jochum. Er zeichnet für die Regie verantwortlich, Hallmann ist Produzent. Mit Christine Knopp und Anton Knobloch wagen sie ein Experiment: "Quaint" ist eine Mischung aus Musikfilm, Roadmovie und Actionthriller.

"Schön hässlich"

Doch die vier sind auf Hilfe angewiesen: Um ihre Abschlussarbeit zu finanzieren, brauchen sie Unterstützung. Mittels "Crowdfunding" wollen sie Privatleute, Firmen und Unternehmen ansprechen, die ihnen mit einer kleinen Spende unter die Arme greifen. Dafür gibt es auch eine Belohnung: Das reicht von einem Dankeschön über die Namensnennung im Abspann bis hin zum Status eines Co-Produzenten. "Jeder kann einen Teil dazu beitragen."

Und die Investition lohnt sich: Die Produktionsfirma "unfourseen" hat mit dem Film "Abbitte eines Mörders" schon verschiedene internationale Preise gewonnen, unter anderem den "Shocking Shorts Award 2014" als "Bester Film". "Jeder, der einen Beitrag leistet, schafft die Möglichkeit, einen Film umzusetzen", sagt Hallmann. "Das Abschlussprojekt eines Weideners braucht Unterstützung", appelliert er an seine Heimatstadt.

Zum Filmtitel sagt er: "Das klingt gut und schaut auch noch gut aus." Und "Quaint" macht neugierig. Den Teaser dazu haben sie schon abgedreht, "wir haben schon gehört, dass die Musik einen gewissen Ohrwurm-Faktor hat", sagt Hallmann. "Und das ist grundsätzlich gut, wenn's ins Ohr geht. Das ist auch bei den restlichen Songs so", verspricht er. Den Anreißer zum Film haben sie in einer Bayreuther Bar abgedreht.

Der Streifen selbst soll in Gießen und Umgebung sowie in Hamburg oder Berlin entstehen. Warum Gießen und nicht Weiden? "Gießen bietet die idealen Bedingungen", sagt Hallmann. Jochum ergänzt: "Gießen ist schön hässlich." Und er lacht, weil er selbst aus dieser Stadt kommt. "Wenn wir eine schöne Stadt gebraucht hätten, würden wir natürlich in Weiden drehen", versichert Hallmann mit einem Augenzwinkern.

Prominente Unterstützung haben sie auch schon: Die Schauspieler Ina Paule Klink und Jascha Rust haben "relativ bald nach Anfrage zugesagt", erzählen die Studenten. Klink mimt die Stripperin und Kellnerin Mia, die genug von Unterdrückung, Gewalt und ihrem zehn Jahre älteren Freund hat. Rust verkörpert Dean, einen Musiker, der in einem Möbeldiscounter arbeitet und sich abends Kleingeld mit Auftritten in einer Bar verdient. Die beiden treffen sich und haben genug von ihrem Alltag. Gemeinsam entschließen sie sich zur Flucht, um sich ein besseres Leben aufzubauen.

Klinke ist unter anderem bekannt aus der Fernsehserie "Wilsberg" und dem "Tatort". Jascha Rust spielt zum Beispiel in der Serie "In aller Freundschaft" mit. "Sie sind wirklich ein Gewinn", sagen Jochum und Hallmann. "Sie stehen total dahinter." Das lag womöglich an den Referenzen, die die Studenten bei der Anfrage zur Rollenübernahme mitgesendet haben. Hallmann: "Mir als Produzent ist es recht, wenn professionelle Schauspieler dabei sind, weil sie schon bekannt sind, und sie eine gute Möglichkeit sind, unserem Film einen professionellen Stempel aufzudrücken."

Trailer beim Filmfest

Bis November will das Team alles im Kasten haben. "Wir müssen so schnell, wie es geht, fertig werden", setzt sich Hallmann als Ziel. "Weil wir eben relativ hohe Kosten haben." 14 bis 16 Tage wollen sie ab August drehen. Wegen des Roadmovie-Charakters ist die Mannschaft viel auf den Straßen unterwegs - deswegen auch die Strecke von Gießen nach Hamburg oder Berlin. Weil die Verantwortlichen auch verhältnismäßig viele Nachtdrehtage einplanen, dauert eben alles seine Zeit. "Zwischendurch müssen wir uns dann auch mal von den Nachtschichten erholen", erklärt der Weidener.

Und auf noch etwas können sich Film-Fans freuen: Hallmann und Jochum verraten, dass es auch heuer wieder ein "Filmfest Weiden" geben wird. Der fertige "Quaint"-Streifen wird dann zwar noch nicht zu sehen sein, "aber ein Trailer mit Filmausschnitten", verspricht Hallmann. Bleibt zu hoffen, dass die Macher des Films genügend Unterstützer finden - als Vorbilder dienen Mia und Dean allemal ...

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.quaint-film.de http://www.startnext.de/quaintfilm
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