Fitness für Handwerksbetriebe

Vorträge zum Marktauftritt und Recht hielten Betriebsberater Peter Biersack und Handwerkskammer-Rechtsanwältin Claudia Kreuzer-Marks. Bild: sbü

Das Handwerk leidet nicht nur unter Nachwuchsmangel, sondern auch unter dem veränderten Kunden- und Verbraucherverhalten. Vor allem kleine Betriebe tun sich schwer, im Wettbewerb mitzuhalten. Mit einer Schulung will die Handwerkskammer gegensteuern.

Kleine Handwerksbetriebe konzentrieren sich meistens darauf, die Aufträge zu erfüllen. Vieles kommt zu kurz, weil die Zeit fehlt. Wenn dann auch noch die Aufträge zurückgehen oder sich kein Auszubildender mehr bewirbt, steht fest: Irgendetwas hat man falsch gemacht. Bei der Handwerkskammer (HWK) Niederbayern/Oberpfalz kennt man diese Situation sehr gut.

Deshalb startete an mehreren Standorten ein mehrstufiges Schulungsprogramm unter der Überschrift "Zukunftswerkstatt Handwerk - Erfolgsfaktoren für Kleinbetriebe". Auch in Weiden gingen jetzt in den HWK-Schulungsräumen die ersten Vorträge los. Dabei standen zunächst grundlegende Themen wie die Kalkulation des Stundenverrechnungssatzes, betriebswirtschaftliche Auswertungen, Finanzierungs- und Fördermittel sowie arbeitsrechtliche Fragen im Vordergrund. Breiten Raum nahmen strategische Themen ein, die oft entscheidenden Einfluss auf den Geschäftserfolg haben. Dazu zählte Betriebsberater Peter Biersack in seinem Vortrag insbesondere den Marktauftritt eines Handwerksbetriebs.

Als wichtigste Empfehlung nannte Biersack Termintreue. In Befragungsergebnissen über Kundenerwartungen liege dieser Wunsch ganz oben, erst danach folge die fachgerechte Ausführung. Den Handwerksbetrieben wurde "kundenorientiertes Handeln" empfohlen. "Finden Sie Kundenwünsche heraus, verstehen Sie sich als Problemlöser und bauen Sie mit dem Kunden eine Beziehung auf": So lauteten wichtige Ratschläge.

"68 Prozent der Kunden, die wegbleiben, tun dies wegen unfreundlicher Behandlung", berichtete Biersack. Alle Ansprechpartner eines Betriebs sollten sich dessen bewusst sein. Um Kundenbindung zu fördern, empfahl der Experte: "Übertreffen Sie die Erwartungen des Kunden durch Leistungen, die nicht selbstverständlich sind." Und: "Betreuen Sie den Kunden auch noch nach Auftragsabschluss."

Handwerksbetrieben, die im Ausland tätig werden wollen, empfahl Biersack, sich ausreichend mit den Marktbedingungen und Rechtsvorschriften des Ziellandes zu befassen. Auslandsmessen, Handelsvertreter, Projekt- und Planungsbüros sowie ein Internetauftritt in der ausländischen Sprache seien Möglichkeiten zur Gewinnung von Auslandsaufträgen. Empfehlungen, damit der selbstständige Handwerker nicht in rechtliche Fallen gerät, gab HWK-Rechtsanwältin Claudia Kreuzer-Marks. Abfassung von Angeboten und Angebotsbindung, Kaufvertrags-, Werkvertrags- und Arbeitsrecht sprach sie an. Sie warnte vor "unseriösen Branchenverzeichnissen".

Mit halbtägigen Seminaren bietet die HWK Vertiefungen der Vortragsreihe an. Termine sind der Internetseite www.hwkno.de zu entnehmen. Außerdem können sich Betriebe an ein Berater-Team der Handwerkskammer zu jeweiligen Einzelthemen wenden.
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