Fledermäuse stoppen Windräder

Die Erklärung, warum sich manches Mal die Windräder nicht drehen, liegt im Natur- und Artenschutz. Bilder: hdk (2)

Ein Lüftchen weht, aber nichts dreht sich. Vielen Kürmreuthern und Königsteinern, aber auch anderen Bürgern fiel auf, dass die Windkraftanlagen oft nicht in Betrieb sind. Die SRZ hakte nach.

Die Windräder stehen manchmal still. Warum das so ist, dazu fragte unsere Zeitung den 2. Bürgermeister und Umweltbeauftragten Klaus Hafner.

SRZ: Herr Hafner, warum stehen die Windräder so oft still?

Klaus Hafner: In der Baugenehmigung dieser Windkraftanlagen musste die Auflage des Artenschutzes (Fledermäuse) beachtet werden.

Hier heißt es: Von April bis August sind beide Windkraftanlagen von einer Stunde vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang, von September bis Oktober drei Stunden vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang abzuschalten, wenn die Temperatur über acht Grad Celsius liegt und die Windgeschwindigkeit unter sechs Meter pro Sekunde beträgt und es nicht regnet.

Das heißt im Klartext: Ist es in diesem Zeitraum wärmer als 8 Grad, ist der Wind schwächer als sechs Meter pro Sekunde und regnet es nicht, müssen beiden Windräder abgeschaltet werden. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich vermehrt Fledermäuse bestimmter Arten im Bereich der Rotorblätter beziehungsweise der Gondel auf der Suche nach Futter (Insekten) befinden. Durch den Schlag der Rotorblätter könnten sie getötet werden. Ist es jedoch in diesem Zeitraum kühler als acht Grad oder der Wind stärker als sechs Meter pro Sekunde oder es regnet, dann dürfen die Anlagen wieder eingeschaltet werden. Die Witterungsbedingungen lassen dann den Flug der Fledermäuse für unwahrscheinlich erscheinen, so dass eine Gefährdung nicht mehr vorliegt.

Wird diese Vorgehensweise überprüft?

Hafner: Ja, diese Abschaltzeiten in Verbindung mit der Windgeschwindigkeit sind aufzuzeichnen und auf Verlangen dem Landratsamt vorzulegen.

Wie werden die Flüge der Fledermäuse erfasst?

Hafner: Die Fledermausaktivitäten sind durch einen Batcorder an einer Windkraftanlage in Gondelhöhe zu erfassen und zwar zwischen dem 15. März und 31. Oktober für die Dauer von zwei Jahren ab Inbetriebnahme. Nach Auswertung der Ruf-Frequenzen in diesem Bereich kann festgestellt werden, welche Fledermausarten sich im Bereich der Windkraftanlage bewegen und für welche Arten, wenn vorhanden, die Windräder eine Gefahr darstellen.

Manche Fledermausarten bevorzugen nämlich nur die Turmregion und die Gondel. Für diese Arten würden die Windräder keine Gefahr durch Schlag darstellen. Da die Sommermonate windschwächer sind, ist der jährliche Energieertragsverlust vergleichsweise gering und liegt bei rund 2,8 Prozent der Jahresleistung. Dies wurde auch in der Wirtschaftlichkeitsberechnung damals schon berücksichtigt.Hinzufügen möchte ich noch, dass der Schutz der Tiere im Artikel 20a des Grundgesetzes als Staatsziel verankert ist. Artenvielfalt und Tierschutz dienen der Daseinsvorsorge, also auch uns Menschen und den kommenden Generationen. Eine Energiewende auf Kosten unserer Artenvielfalt wäre eine schlechte Energiewende, so gesehen also keine Wende. Das Stillstehen der Windräder ist einfach eine ökologische Notwendigkeit.
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