Fliegende Lieblinge

Vier Jungstörche hat das Weidener Storchenpaar heuer zu betreuen. Die Futtersituation ist dank der Wetterlage gut: "Die Flaumfedern der Jungstörche weichen dem Gefieder, und mit dem Alter färben sich der Schnabel und auch die Beine rötlich", erläuterte Helga Bradatsch. Der erste Jungvogel übte am Samstag schon einmal das Abheben vom Horst. Bilder: Dobmeier (2)

Wir Menschen kaufen die Lebensmittel einfach ein. Für das Storchenpaar am Alten Rathaus dagegen bedeutet es Schwerstarbeit, täglich etwa vier Pfund Nahrung für die vier Jungstörche herbeizuschaffen. Denn der Nachwuchs ist ständig hungrig.

Weiden. (rdo) Das erste Jungtier beginnt übrigens schon mit den Flugversuchen, berichtete LBV-Storchenhorstbetreuerin Helga Bradatsch am Samstag. Sie bezeichnete die Störche als beliebteste Einwohner der Stadt. Das zeigte auch das Interesse an dem Rundgang, zu dem sich etwa 30 Zuhörer am Alten Rathaus eingefunden hatten. Helga Bradatsch führte sie zunächst an die Südseite der Oberen Bachgasse mit Blick auf den Horst.

Störche werden 80 bis 100 Zentimeter groß und bringen 2,5 bis maximal etwas über 3 Kilogramm auf die Waage, wenn sie ausgewachsen sind. Ihre Spannweite beträgt 1,5 bis 2 Meter, berichtete Helga Bradatsch. Das Weidener Männchen ist heuer Mitte März angekommen. Die Weibchen folgen manchmal noch am selben Tag oder bis zu zwei Wochen später.

Erstmals erwähnt wurden die Weidener Störche im Jahr 1567. Störche gelten als treue Tiere. Natürlich kann es passieren, dass ein Storch beim Flug ins Winterquartier zu Tode kommt. Dann gesellt sich ein neuer Partner hinzu - aber nur, wenn die Chemie stimmt. "Ähnlich wie beim Menschen", meinte die Storchenhorstbetreuerin. Vor drei Jahren beispielsweise sei das Weidener Männchen lange allein gewesen, dann kam eine zierliche Dame dazu, die dem Partner bis heute die Treue hält. Das Nistmaterial wird jährlich erneuert und aufgestockt. Die Brutzeit dauert 32 Tage. "Brutgeschäft und Fütterung übernehmen die beiden Partner abwechselnd, ganz emanzipiert." Ein Storchen-Ei ist ungefähr so groß wie ein Gänse-Ei. "Die Nachkommen schlüpfen etwa eine Woche nach der Eiablage."

Das erste Junge erblickte in Weiden heuer um den 1. Mai das Licht der Welt. Ein frisch geschlüpftes Tier wiegt etwa 85 Gramm. Die Nestlingszeit beträgt 55 bis 65 Tage. Die vorverdaute Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Fröschen und Mäusen. Im Zoo kann ein Storch bis zu 25 Jahre werden. Das vierte Jungtier, das man erst vor vier Wochen im Horst entdeckte, gedeiht prächtig, da es in diesem Jahr genügend Futter gibt. Die derzeitige Schafskälte macht ihnen nichts mehr aus, versicherte die Storchenhorstbetreuerin.

Die Populationen in Bayern stieg heuer auf die Rekordhöhe von 370 Paaren. Feinde der Vögel sind häufig junge Artgenossen, die sich ihren Platz erobern wollen. "Die Störche klappern bei Gefahr fürchterlich und können auch fauchen", berichtete Helga Bradatsch. Positiv wirke sich der von Landwirten praktizierte häufigere Wiesenschnitt aus, da die Tiere so mehr Nahrung finden.

Aufzuchtstation hilft

2014 sind 65 Prozent der Jungvögel in Deutschland eingegangen, darunter auch die vier Weidener. Verletzte Jungvögel kommen in die LBV-Aufzuchtstation nach Regenstauf und werden dann wieder ausgewildert. Die "Winterstörche" sind Folge der milden Winter oder von Menschen, die aus falsch verstandener Tierliebe zufüttern.
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