Flucht in neues Leid

Das Schreckliche gehört zum Berufsalltag. Es ist daher kein leichtes Thema, das sich der Integrationsbeirat für seine jüngste Sitzung ausgewählt hat: Dort stellt Leiterin Edelgard Neumann-Böckels die Arbeit von "Dornrose", der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt, vor und erläutert den Komplex Gewalt und Migration.

Edelgard Neumann-Böckels kennt vieles davon aus der eigenen Tätigkeit. Wobei, räumt sie ein, "Dornrose" noch mehr Asylbewerbern helfen würde, wenn es denn die knappen Finanzmittel nicht unmöglich machten.

Häufig Repressionen

Doch auch so - und aus der Literatur, die die Diplom-Sozialpädagogin und Therapeutin ausgewertet hat - ergibt sich ein erschreckendes Bild: Frauen und Kinder, die ihre Heimat verlassen müssen, sind nicht nur ohnehin schon häufig von Gewalt und sexuellen Übergriffen betroffen. Auch in ihrer neuen Heimat, in Deutschland etwa, müssen sie häufig leiden. Wobei oft schon der Grund für die Flucht laut Neumann-Böckels frauenspezifisch und peinvoll ist: Vergewaltigung, Kontrolle der weiblichen Sexualität, Genitalverstümmelung und vieles mehr.

Weiter Gewalt

Der Schrecken ende aber oft nicht jenseits der Grenze der alten Heimat. Wie "Dornrose" selbst aus der Arbeit weiß, komme es auch während der Fluch zu Repression, sexuellen Übergriffen. Und nach der Ankunft in den Zielländern: Diskriminierung, abermals sexuelle Gewalt, Zwangsprostitution gebe es mitunter auch hier. Wenig bekannt, aber nicht selten sei Gewalt auch durch professionelle Helfer oder Berater und Mitbewohner in Flüchtlings-Wohnheimen oder auf Ämtern.

Wobei, betont Neumann-Böckels: Es gehe hier längst nicht um eine Generalisierung. Ebenso wenig um eine generelle Schuldzuweisung an Männer, die ohnehin mitunter auch selbst Opfer seien. Und: Das alles bedeutet auch nicht, dass so etwas in Weiden ein häufiger Missstand sein muss. Jedoch gebe es Erhebungen, wonach ein großer Teil dieser Frauen in Deutschland Gewalt in verschiedensten Formen zu erleiden hatte. Häufig ist in jedem Fall, dass Frauen, die auch in der neuen Heimat Leid erfahren, sich besonders schwer tun, sich zu befreien. Sprachprobleme, eine eh schon prekäre Existenz, Furcht vor Abschiebung, wenn sie den (deutschen) Partner verlassen - all das könnten Hinderungsgründe sein.

Dass all dies nicht aus der Luft gegriffen ist, bestätigen auch Mitglieder des Integrationsbeirats. Mustafa Akbaba zum Beispiel sagt, er kenne Fälle von Frauen, die um des Bleiberechts willen in Ehen gezwungen worden seien.

Wie aber sähe nun ein Ausweg aus? Ein paar Vorschläge hat Neumann-Böckels. So müsse die Lagerpflicht für Flüchtlinge, insbesondere für gewaltbetroffene Frauen, abgeschafft werden, die in den Großunterkünften oft keine Schutzräume fänden. Auch eine soziale Betreuung, finanzielle Unterstützung für Betroffene und mehrsprachige Therapieangebote zählen zu ihren Forderungen. Zudem bot Neumann-Böckels selbst dem Beirat Hilfe an bei dessen Vorhaben, die Asylbewerber in Weiden besser zu unterstützen (wir berichteten).
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