Flüchtlinge als Chance

Mit Schaubildern verdeutlicht Arbeitsagenturchef Andreas Staible (Dritter von links) den Bewerbermangel in vielen Ausbildungsberufen. Mit dabei (von links): Lars Ehrentraut und Franz Kiener (Arbeitsagentur), Kreishandwerksmeister Joachim Behrend, Christa Neubauer Kreutzer (Geschäftsführerin Kreishandwerkerschaft) und Tobias Knauer, Leiter des HWK-Bildungszentrums. Bild: Bühner

Die Wirtschaft boomt, der Kräftebedarf wird größer. Doch der Nachwuchs macht sich rar. Die Bilanz des Ausbildungsstellenmarktes für 2014/2015 zeigt den Mangel deutlich. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ist größer geworden. Aber es gibt Hoffnung.

(sbü) "Die Schere öffnet sich weiter." So kommentiert Arbeitsagenturchef Andreas Staible die Abschlussstatistik des Ausbildungsjahres 2014/2015. Der Vorjahrestrend setzte sich fort: Immer mehr Ausbildungsstellen entfallen auf eine fast stagnierende Bewerberzahl. Dadurch bleiben auch immer mehr Stellen unbesetzt.

In Zahlen heißt dies: Betriebe haben der Arbeitsagentur einen Bedarf von 1996 Stellen gemeldet. Dieser Nachfrage standen jedoch nur 1608 Bewerber gegenüber. Während die Bewerberzahl annähernd stagnierte (plus 2,0 Prozent) erhöhte sich die Stellenzahl um mehr als 11 Prozent. Auf 100 Ausbildungsstellen entfallen rechnerisch nur noch 81 Bewerber. Und fast alle Bewerber gelten als "versorgt", wie Staible berichtete. Der Rest von 13 noch nicht vermittelten Bewerbern sei eher eine zufällige Größe von noch kurzfristigen Meldungen vor dem Zähltag oder von individuellen Sachlagen wie zum Beispiel die ausschließliche Suche nach einer bestimmten seltenen Ausbildungsstelle.

Handwerk sucht Bewerber

Unbesetzte Ausbildungsplätze gibt es zwischenzeitlich in immer mehr Berufen, insbesondere im Handwerk und in industriellen Fertigungsberufen. Besonders deutlich werde dies, so Staible, wenn Angebot und Nachfrage in den einzelnen Berufsgruppen gegenübergestellt werden. Für 372 Stellen für Metall-, Maschinenbau-, und Fahrzeugtechnikberufe interessierten sich lediglich 239 Bewerber. Ähnliche Ungleichgewichte gab es bei den Mechatronik- Energie-, und Elektroberufen und bei den Waren- und Dienstleistungsberufen. Schon fast traditionell fehlten auch die Bewerber in den Ernährungsberufen, wurde berichtet.

Eine Ausnahme bilden lediglich die Organisations-, Verwaltungs-, Büro-, und Sicherheitsberufe. Dort gibt es nach wie vor mehr Bewerber (321) als Stellen (238). Dass sich trotz der vielen Veranstaltungen zur Berufsorientierung wie Girls-Day, Boys-Day, Praktika oder Aktionstage nur wenig am rollenspezifischen Berufswahlverhalten geändert habe, bedauern die Experten der Arbeitsagentur. Nummer eins bei den jungen Frauen ist noch immer Verkäuferin oder Kauffrau, bei den jungen Männern Kfz-Mechatroniker für Pkw-Technik und Industriemechaniker. Zusammen mit der Arbeitsagentur legten auch Handwerkskammer und IHK ihre vorläufigen Zahlen vor. Dort werden die abgeschlossenen Ausbildungsverträge gezählt.

Laut IHK-Gremiumsgeschäftsführer Florian Rieder, Kreishandwerksmeister Joachim Behrend und Tobias Knauer, Leiter des Bildungszentrums des Handwerks in Weiden, liegen die bisherigen Vertragszahlen auf dem Niveau des Vorjahres (Nordoberpfalz: 815 Verträge). Im Handwerk konnte das große Minus des vergangenen Jahres sogar wieder etwas ausgeglichen werden (634 Verträge). Die IHK-Vertreter sprachen auch von einer erwarteten Verdoppelung der unbesetzten Ausbildungsberufe, unter anderem im Hotel- und Gaststättenbereich, bei der Lagerlogistik und im Handel.

Asylbewerber fördern

Dem Handwerk fehlen Auszubildende. Große Hoffnung setzt es darauf, dass junge Zuwanderer diese Lücke bald schließen können. "Es hapert nicht an Motivation, sondern an der deutschen Sprache und an kultureller Eingewöhnung", waren sich Arbeitsagentur und Verbandsvertreter einig. Derzeit gebe es im Agenturbezirk Weiden erst 9 junge Asylbewerber in einer Einstiegsqualifizierung in einem Betrieb. Arbeitsagentur und Wirtschaftsverbände setzen auf neue Förderprogramme für die berufliche Eingliederung junger Asylbewerber.
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