Flüchtlinge: Ehrenamtliche Helfer in Weiden von Zirndorfer Bürokraten versetzt
Chaos und keine Antwort

70 Prozent der Kosten für die Unterbringung der Flüchtlinge bleiben bei der Kommune hängen. Sie reißen ein riesiges Loch in den städtischen Haushalt klagte OB Kurt Seggewiß beim Besuch von MdB Uli Grötsch (Mitte). Am Gespräch nahmen Nicole Hammerl (Rechtsamt) sowie Thomas Hentschel (hinten) vom Amt für Soziales und Migration teil. Bild: Hartl
Schon die Situation um die in Bayern anstrandenden Flüchtlinge birgt genügend Chaos-Potenzial. Die Bürokratie sei zwar an der Grenze der Belastung. Dennoch gebe es Vorkommnisse, "die so nicht sein müssen", klagte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß im Gespräch mit Bundestagsabgeordnetem Uli Grötsch (SPD). So fühlten sich zum Beispiel die ehrenamtlichen Helfer von der Zirndorfer Bürokratie versetzt.

Warum? Es ist Donnerstag. Um 14 Uhr kündigen die Zirndorfer einen Bus mit Flüchtlingen an, der um 16 Uhr in Weiden ankommt. Die Helfer stehen bereit. Doch die BRKler stehen sich die Füße krumm. Erst mehr als fünf Stunden später, um 21.30 Uhr, rollt der Bus in Weiden ein. Nachfragen werden nicht beantwortet. Die Stelle sei überlastet, unkoordiniert. Aber nicht nur das: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Außenstelle Zirndorf, hatte versichert, dass alle Ankömmlinge bereits medizinisch "gescreent" seien. "Waren sie aber nicht." Also musste das Gesundheitsamt anrücken. Geholfen beim Gesundheitscheck habe schließlich ein Arzt, der bereits als Helfer vor Ort war. "Ein Teil dieser Probleme sind hausgemacht", ärgert sich OB Seggewiß. Dazu gehöre auch, dass es in Weidener Gemeinschaftsunterkünften Asylbewerber gebe, die seit über sechs Jahren auf die Entscheidung über ihren Antrag warten müssten. "Das ist untragbar."

Seggewiß versichert, dass die Stadt Weiden bei allen Problemen darauf bedacht sei, "das menschliche Antlitz" zu bewahren. "Wir wollen und werden unsere Flüchtlinge menschlich behandeln und sie beschützen." Weiden haben es hier einfacher als andere Städte, die direkt vom Ansturm betroffen seien.

Hilfe kein Strohfeuer

Von einer großen Herausforderung für die Kommunen, Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfern sprach MdB Uli Grötsch, der sich nun ein Bild von der Lage in Weiden machen wollte. Zuvor hatte er sich in Tirschenreuth und Wiesau umgesehen. Gesehen habe er aber auch, dass es an der Zeit sei, "die ehrenamtlichen Strukturen durch hauptamtliche zu entlasten". So sei es rührend, wie sich etwa die Rot-Kreuzler einbringen. "Aber selbst den engagierten Helfern geht inzwischen die Luft aus." Längst hätten die Ehrenamtlichen bewiesen, dass ihre Hilfsbereitschaft "kein Strohfeuer, sondern feste Glut" sei.

Der Bund versuchte mit seinen Beschlüssen Ende September, den Kommunen die Aufgabe zu erleichtern, die Flüchtlinge unterbringen zu müssen. Sie erhielten nun 670 Euro pro Asylbewerber und Monat. Der Zustrom gehe aufgrund der kalten Jahreszeit derzeit spürbar zurück. "Wir haben fast keinen Zuzug mehr aus dem Westbalkan." Zugleich herrsche bei jenen, die derzeit noch auf der Balkanroute unterwegs seien, die blanke Not. Sie erhielten trotz Regens und Kälte keine Unterstützung.

Grötsch machte aber auch deutlich, dass es ohne die Mitwirkung der Türkei keine Lösung der Flüchtlingsprobleme in Europa geben könne.
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