Flüchtlinge sind keine Billigarbeiter

Stellvertretend für 477 langjährige Mitglieder ehrte die Gewerkschaft IG BCE 44 Jubilare. Die Feier nutzte sie auch für ein kämpferische Töne. Bild: uz

Die hohe Zahl der Flüchtlinge beschäftigt auch dieIG BCE bei der Jubilarehrung. Dabei appellierten die Gewerkschafter, auch die Neuankömmlinge anständig zu bezahlen. Schon aus Eigeninteresse der alteingesessenen Arbeitnehmer.

Das Asylrecht sei ein wichtiges Grundrecht, hinter das sich auch die Gewerkschaften stellten, erklärte Christian Dietl von der DGB-Region Oberpfalz. Aber Wirtschaftsbossen, die sich jetzt die Hände rieben, weil sie sich auf neue, billige Fachkräfte freuten, hielt er entgegen: Sie sollten sich jetzt endlich auch an diejenigen Facharbeiter erinnern, die sie seit Jahren als Leiharbeiter ausnutzten. "Wenn wir zulassen, dass die Flüchtlinge unter dem festgesetzten Mindestlohn arbeiten, dann sind sie die nächsten, die als Billigarbeitskräfte eingesetzt werdet. Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren." Dietl war Festredner bei der IG-BCE-Jubilarehrung in der Max-Reger-Halle. "Wir müssen die Herausforderungen gemeinsam stemmen."

Der Kampf geht wieder los

Auch die Lohnmoral der Arbeitgeber in der Vergangenheit geißelte Dietl. "Wie können wir unseren Jungen helfen, sich in einer Arbeitswelt der Niedriglöhne, der Projektarbeit und der befristeten Zeitarbeit zu behaupten? Wissend, dass die Niedriglöhne von heute die Altersarmut von morgen ist." Hinzu komme, dass der Arbeitsalltag Menschen immer stärker belaste. Leider müsse man nun wieder für Humanisierungsmaßnahmen und Standards am Arbeitsplatz kämpfen, von denen man geglaubt habe, sie hätten sich in den 70ern längst durchgesetzt. "Gesund in den Ruhestand zu gehen, ist heute alles andere als selbstverständlich."

Es sei nun mal so, dass die Mehrheit der Menschen ihre Arbeitskraft verkaufen müsse, um zu leben. Die Verhältnisse, unter denen sie arbeiten, und der Lohn, den sie dafür bekämen, prägten nicht nur das Leben dieser Arbeitnehmer. "Die gesamte Gesellschaft wird dadurch gestaltet und verändert. Man denke nur an die Autoindustrie und den Tourismus." Neue Herausforderungen an die Arbeitswelt seien Digitalisierung und Mobilität. "Es kann zu jeder Zeit an jedem Ort gearbeitet werden. Wir müssen aufpassen, was Rationalisierung, Beschäftigungsentwicklung und Arbeitnehmerschutz angeht." Den Jubilaren sagte Dietl, sie dürften stolz auf das Erreichte zurückblicken. Bezirksleiter Hartmuth Baumann betonte die Bedeutung der Firma "Polytech" für die Umwelt. Gedanken an Personalabbau und Umstrukturierung seien kontraproduktiv. Die dort gefertigte Leichtbauweise reduziere den Ausstoß von Kohlendioxid und müsse auch politisch unterstützt werden. In Bundestagsabgeordnetem Uli Grötsch (SPD) habe er einen kompetenten Mitstreiter gefunden, sagte Baumann, der mit Dietl stellvertretend 44 von insgesamt 477 Jubilaren aus dem Bezirk ehrte.
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